Die gute Nachricht ( aus meiner Sicht ) vorweg:
Der aktuelle, mittlerweile 5. Dexter-Band ist besser als alle seine Vorgänger. Jedenfalls besser als Band 2-4.
Band 3 fand ich schon stellenweise richtig schlecht, aber Band 4 gab mir so ziemlich den Rest. Wer also den Dexter-Büchern bisher etwas abgewinnen konnte, der wird von "Dexter is delicious" definitiv nicht enttäuscht sein.
Was mich zunehmend an dieser Bücher-Serie gestört hat, war die "Verdummung" des Hauptdarstellers, der durch eigenes Verschulden von einem Schlamassel in den nächsten gestolpert ist. Gott sei Dank erreichte diese mit dem 4. Band ihren Höhepunkt und aktuell haben wir es mit einem Dexter zu tun, der wieder denkt, neuerdings sogar fühlt und stellenweise ( aber nicht immer ) auch mal durchaus in der Lage ist, eine halbwegs nachvollziehbare Entscheidung zu treffen.
Dazu muss man sagen, dass der Autor es diesesmal geschafft hat, Dexter ( fast ) immer rechtzeitig auf den rechten Weg zurückzuführen. Denn mehr als einmal werden auch in diesem Buch Entscheidungen getroffen, die jeder Logik und jedem Gefühl der Handelnden wiedersprechen. Nur in den meisten Fällen lösen sich diese Fehlentscheidungen von alleine in Luft auf bzw. haben nicht zwangsläufig diese "hätte man sich doch gleich denken können"-Konsequenzen.
So kommt zwar auch im aktuellen Dexter-Band mehr als einmal dieses "Wie blöd kann man eigentlich sein"-Gefühl auf, allerdings schafft es der Autor meistens, dieses Gefühl durch den weiteren Handlungsverlauf wieder nahezu verschwinden zu lassen.
Teilweise liest sich das Buch so, als ob man daraus weitere Folgen für die TV-Serie machen könnte: Es wird endlich mal wieder ermittelt, Tatorte werden ausführlich untersucht, Proben werden analysiert und Blutspritzer gedeutet.
Nahezu verabschieden muss man sich von Dexter als Rächer der Nacht, der Bösewichte, die er lange Zeit im Auge hat und studiert, verschwinden lässt. Das kommt auch in diesem Band nicht mehr vor. Im Prinzip ist Dexter hier nur noch die Verlängerung von Deborahs Arm und steht quasi ausschließlich in ihrem Dienst und springt, wenn "Debs" ruft.
Trotzdem liest sich das Buch über weite Stellen wirklich gut und macht sogar Spaß. Dinge, die meine "Endwertung" trotzdem ( gewaltig ) trüben, zähle ich stichpunktartig auf:
- nach wie vor werden auch in diesem Buch Entscheidungen gefällt, die künstlich doof sind und ausschließlich dazu dienen, die Handlung irgendwie weiterzutreiben
- endete der 4.Band schon mit einer schnulzigen Mitteilung, so wird diese nur noch vom neuesten Band getoppt ( Gute Zeiten - schlechte Zeiten )
- während der Autor versucht, Dexter im Dunkeln tappen zu lassen, weiß der Leser ( obwohl er auch nicht mehr oder weniger als Dexter weiß ) zu oft wies weiter gehen wird ( bevor Dexter es weiß )
- nach amputierenden Doktoren, mystischen Vereinigungen und mit Leichen hantierenden Performance-Künstlern legt der Autor im 5.Band noch mal eine Schippe oben drauf. Allerdings wirds so langsam aber sicher immer "doller" ( inkl. der Vorgeschichte des Haupt-Opfers : Was bescheuerteres habe ich selten gelesen oder gesehen ).
- der "Showdown" erinnert durch seine sprichwörtliche Kulisse an einen billigen 0815-Thriller, der sowohl durch den überraschenden, durch und durch klischee-bösen Oberbösewicht, als auch die Auflösung ( die letztendlich zum Happy-End führt ) bei mir nur noch fassungsloses Kopfschütteln ausgelöst hat
Ich würde "Dexter is Delicious" glatte 3,5 Sterne geben. Da mich aber bereits die letzten Bände derbe enttäuscht haben und auch dieser Band viel zu viele "plump aufgelöste" Stellen beinhaltet, tendiere ich aus der Not heraus dann doch eher zu den 3 Sternen.