Der dritte Band reicht meiner Ansicht nach nicht an die ersten beiden heran.
2 Sterne muss ich definitiv dafür vergeben, dass Lindsay es auch in diesem Buch versteht, Spannung aufzubauen, die dafür sorgt, dass man das Buch regelrecht verschlingt. Außerdem mag ich seine Erzählweise sehr. Auch der schwarze Humor kommt herrlicherweise mal wieder nicht zu kurz.
Aber da hört es auch schon auf. (Ich muss mich allerdings im Folgenden ein wenig zurückhalten, denn ich will ja niemanden spoilern...)
Lindsay vollzieht einen Genrewechsel. Soweit nicht so schlimm (meiner Meinung nach) - wenn er es logisch begründen könnte. Das klappt aber leider nicht, und ist somit einer der beiden großen Kritikpunkte, die an Lindsays neuestem Werk anzubringen sind. Somit bleibt beim Leser nur Verwirrung zurück - warum das neue Genre? Das alte (Dexter der Serienkiller in Miami) war meiner Meinung nach beileibe noch nicht ausgereizt sondern hätte noch jede Menge Potenzial. Und das neue Genre schafft Lindsay einfach nicht plausibel zu etablieren.
Der zweite Punkt ist der absolut überhastete Schluss. Bis wenige Seiten vor dem Ende war ich der festen Auffassung, ich bekäme gleich ein "Fortsetzung folgt" zu lesen; einfach, weil auf so wenig Raum nicht mehr die komplexe Handlung aufgelöst werden könnte. Und, was soll ich sagen: Es gab doch ein Ende, und die Handlung crashte gegen die Wand. Innerhalb von 10 Seiten (oder weniger, habe das Buch nicht vor mir) muss Dexter das Böse besiegen, erfährt eine gewichtige Veränderung in seinem Privatleben, und löst auch noch das riesige Problem, das ihn seit Anfang der Geschichte verfolgt innerhalb von wenigen Minuten.
Kritikpunkt 3: Die Personen verblassen im Laufe der Geschichte. Und am Ende ist scheint niemand anderes als Dexter noch wichtig zu sein, bekommt der Leser den Eindruck, denn der Rest der Akteure wird einfach ausgeblendet - besonders wenn sie gerade "eher störend" sind, ungeachtet realistischer Verhaltensweisen. Und mit unangenehmen aka interessanten Fragen aus Dexters Umfeld braucht man als Leser auch nicht rechnen. Ach ja, und ein gewisser Sergeant verkommt zum Witz - eine andere Funktion kann ich da schlicht nicht ausmachen.
Insgesamt finde ich es sehr schade, dass die Qualität der Geschichte nicht an die vorangegangenen Bände heranreicht; und um so froher macht mich, dass die Showtime-TV-Serie nicht (komplett) der Handlung der Bücher folgen wird. Somit hege ich die Hoffnung, dass dort noch mehrere Staffeln folgen werden und das große Potenzial der Serie - das Lindsay anscheinend außer Acht lässt - ausgeschöft werden wird.