Die Fortsetzung zu "Haus der 1.000 Leichen" spaltet die Geschmäcker ebenso wie sein Vorgänger, wobei die Meinungen zu "TDR" weitaus krasser ausfallen. Teil 2 wird von vielen als "gewaltverherrlichend" und "pädagogisch gefährlich" angesehen, was meiner Meinung nach nachvollziehbar ist.
Wir haben hier einen Road-Movie, in dem man tatsächlich Schwierigkeiten haben wird, jemanden zu finden, der sympathisch ist. Die Geschichte wird aus der Sicht einer wild mordenden, vergewaltigenden und coole Sprüche-klopfenden Familie erzählt, so dass der Zuschauer sich unweigerlich mit diesen Figuren beschäftigen muss. Am Anfang ist das alles auch noch kein Problem, man hasst die Hauptdarsteller und hofft, dass der Sherrif sie bald dingfest macht. Das eigentliche Problem des Films taucht dann auf, wenn die Seiten plötzlich nicht mehr so klar sind und man anfängt, mit den Mördern zu sympathisieren. Dieser Effekt entsteht dadurch, dass die kaltblütigen Charaktere irgendwann menschlicher werden und tatsächlich irgendwann mehr Wärme ausstrahlen als ihre Verfolger.
War der Vorgänger noch eine Art "Natural born killers" des Horrorfilms, der sehr surreal und wirr daher kam, so erfindet The devil's rejects das Genre neu. Die Story ist ganz bestimmt nichts neues, der Filmlook im Stil der 70er-Jahre ebenfalls nicht, aber das Konzept, diese Geschichte so zu erzählen wie es Rob Zombie hier tut und trotz der offensichtlichen Widerwärtigkeit der Charaktere, ihnen Kult-Status zu verschaffen ("Captain Spaulding 4 President") ist schon wirklich eine Kunst.
Ich muss vielleicht anmerken, dass ich zu den eher hartgesottenen Horror-Fans gehöre und ich mir solche Filme immer mit dem nötigen Abstand anschaue aber ich war nach dem ersten Schauen der Meinung, dass TDR einer der grössten Road-Movies seit "Natural born killers" ist. Die Sprüche sind cool und lustig, der Soundtrack sucht seines Gleichen und die Charaktere sind unvergesslich.
Trotzdem muss man wie gesagt im Hinterkopf behalten, dass der Regisseur hier ganz klar mit der Objektivität des Zuschauers spielt und das sehr gekonnt. Hier wird einem die Gewalt roh und unverschönt gezeigt und trotzdem beginnt man irgendwann, den Hauptdarstellern diese Taten zu verzeihen oder zumindestens die Killer selbst als Opfer zu sehen.
Wenn man sich diese Tatsache aber nicht so zu Herzen nimmt sondern den Grund dafür auf einen hoch-talentierten Regisseur schiebt, muss man TDR als einen unglaublich guten Film ansehen. Der Film wurde innerhalb von wenigen Tagen gedreht, viele der Schauplätze wurden ganz zufällig gefunden und das merkt man dem Film an. Der ganze Film (wie auch Natural born Killers) sprüht gradezu vor Energie und Rastlosigkeit, weil dies bei allen Beteiligten auch der Fall war beim Drehen. Dass ein nahezu erfahrungsloser Regisseur einen solchen Film mit wenigen Mittel in so kurzer Zeit zaubern kann, erfordert mehr als nur Respekt. Rob Zombie bedient sich zwar überall wo er grade will, wenn es um Kamera-Einstellungen, Artwork, etc. geht, aber er weiß wenigstens wo er klauen muss. Letztendlich macht Tarantino ja auch nichts anderes als gekonnt zu klauen.
Den Vorgänger braucht man übrigens nicht, um bei TDR durchzublicken. Lediglich das Reprise des "Dr. Satan" innerhalb der deleted Scenes benötigt eine Erklärung aus "Haus der 1.000 Leichen".