Zugunsten von "The Last Days of Emma Blank" habe ich auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest auf den britischen Zombiebeitrag "Devil's Playground" verzichtet, was mir sichtlich schwer gefallen ist, da immerhin zwei meiner Lieblingsbriten dort mitspielen. Zum Einen wäre das Danny Dyer ("Severance", "Doghouse"), der zwar immer aussieht, als wäre er gerade aufgestanden, aber in seiner verknitterten Coolness einfach irgendwie "rrrrrr-ha" ist und zum Anderen Sean Pertwee ("Blue Juice", "Dog Soldiers", "Wilderness"), dessen britischem Charme und vor allem dessen unglaublich sexy Originalstimme ich einfach nicht widerstehen kann. Pertwee hat leider nur einen Miniauftritt, aber zumindest Danny-Boy schnoddert sich überzeugend durch das ganze 95minütige Endzeitwerk von Regisseur Mark McQueen, der hier mit "Devil's Playground" debütiert. Das tut er zugegebenermaßen nicht sonderlich originell, aber es geht immerhin zünftig zur Sache und trotz des hohen Wiedererkennungswertes zu ähnlich gelagerten Werken wie "28 Days Later" oder "Dawn of the Dead" kommt auf McQueens teuflischem Spielplatz kaum Langeweile auf. Was bei der momentanen Flut an Zombiefilmen ja schon mal mehr ist, als man erwarten würde.
Der Pharmakonzern Neo Gen will ein neues, leistungssteigerndes Nahrungsergänzungsmittel, REK 295, auf den Markt bringen und testet dieses vorab an 30.000 Probanden. Doch irgendetwas läuft schief, denn 29.999 Probanden verwandeln sich in blutrünstige Zombies. Einzig die schwangere Angela (MyAnna Buring, "Lesbian Vampire Killers") scheint immun gegen die schrecklichen Nebenwirkungen zu sein. Während in London das Chaos losbricht und der Ausnahmezustand ausgerufen wird, macht sich Angela mit Freundin Kate auf den Weg zu einem Hubschrauberlandeplatz, wo sie ihren Bruder Matt treffen und mit ihm aus der Stadt fliehen will. Parallel dazu wird Angelas Ex-Freund und Ex-Polizist Joe (Danny Dyer) vorläufig aus der Haft entlassen, bis er sich vor Gericht wegen Mordes an einem Jugendlichen verantworten muss. Sein Freund Steve (Craig Conway, "The Tournament") holt ihn ab und bringt ihn in seiner Werkstatt unter. Dort taucht auch Angela kurz darauf auf, da ihre Karre den Geist aufgegeben hat. Und zu allem Übel kommt auch noch Söldner Cole (Craig Fairbrass, "Far Cry", "Bank Job") vorbei, der für Neo Gen arbeitet und auf der Suche nach Angela ist, da sie durch ihre Immunität gegen REK 295 die Rettung für die Restwelt sein könnte. Während man noch, inmitten menschlicher und emotionaler Verwicklungen, den besten Fluchtplan austüftelt, klopfen schon die ersten grunzenden Zombies ans Werkstatttor und bitten zu Tisch... aber dalli.
So rudimentär wie die Story ist leider auch die Ausstattung des Silberlings: Es tönt in deutsch und englisch in DD 5.1, hilfreiche Untertitel werden auf deutsch und niederländisch angeboten. Neben der obligatorischen Szenenanwahl bietet die Scheibe nur noch zwei Trailerversionen an. Auf meiner Flimmerkiste und dem Soundsystem gab's an Bild und Ton nix zu mäkeln, die Bilder sind gestochen scharf und es grunzt und brüllt fröhlich aus allen fünf Ecken.
Tja, auch den kreativen Energien der Engländer sind halt Grenzen gesetzt. "Devil's Playground" zeigt nix, was man nicht schon in dutzenden anderen Zombiefilmen gesehen hat. Ein Virus breitet sich rasend schnell aus, die zu hohlen Blutgeiern Mutierten sind so tumb wie eh und je, allerdings hier ausnahmsweise mal richtig schnell und hüpfbegeistert. Wenn man vor ihnen fliehen will, hat man also gut zu tun. Totzukriegen sind sie nur durch 10 bis 100 gezielte Schläge auf die Rübe, ansonsten stehen sie immer wieder auf, die renitenten Biester. Sie sabbern, schmatzen, grunzen und blöken wie wild in der Gegend rum, kennt man ja alles. Dazu ein bunt zusammengewürfelter Haufen Pechvögel, einige davon gar nicht mal so nett, wie sie anfangs tun und ein Alphatier, welches die kopflose Meute sicher durch den blutgeilen Mob schleust und dabei im Idealfall noch ein besserer Mensch wird. Es gibt ein paar komische bis unlogische Zwischenfälle, Einiges bleibt natürlich im Dunkeln, weil selbst der Drehbuchschreiber den Sinn in einigen Szenen nicht mehr finden konnte, sie aber optisch was hermachen, und der Fokus liegt selbstredend auf den möglichst ekligen Zombieübergriffen und nicht auf den Dialogen.
Warum das aber alles gar nicht so schlimm ist und warum "Devil's Playground" trotzdem ein respektabler Vertreter seines Genres ist? Weil Regisseur McQueen weiß, wie man eine relativ simple Story kurzweilig und spannend in Szene setzt und weil er über einen guten Cast verfügt. Die Geschichte ist spannend genug, um von ihren Ungereimtheiten weitestgehend abzulenken und es sind ausreichend Protagonisten im Spiel, um einen vernünftigen Bodycount hinzulegen. Darüber hinaus werden die Karten immer mal wieder neu gemischt und es wird die Richtung geändert, so dass "Devil's Playground" trotz häufig auftretender Vorhersehbarkeiten doch noch ein paar kleine Asse oder zumindest Herzbuben aus dem Ärmel schütteln kann. Dazu ein paar hübsche Mädels und ein paar kernige Underdogs mit herrlich britischem Slang und schon ist "Devil's Playground" kein billiger Trashfilm mehr, den man am liebsten vergessen würde, sondern ein annehmbarer Genrebeitrag mit ausreichend Biss und englischem Understatement.
Gut, die Effekte sind jetzt weder berauschend noch besonders gut umgesetzt. Da wird ein paar Mal zugebissen, da werden ein paar Fleischstücke aus ein paar bedauernswerten Opfern gebissen und ein paar Schädel ordentlich zermatscht, meist hört man davon aber mehr als dass man es sieht. Und wenn die Kamera dann mal draufhält, sind meistens gleich ein paar Zombies zur Stelle, um einem die Sicht zu verstellen. Macht aber irgendwie auch nix, blutig geht es trotzdem zu, nur halt sehr konventionell. Ergo ist "Devil's Playground" solide Genrekost, die einem nicht schwer im Magen liegt und einem zum Glück keine Kopfschmerzen bereitet. Nicht innovativ, aber versiert und handwerklich solide umgesetzt und mit einem spielfreudigen Cast gekrönt. Wenn man von McQueen nicht erwartet, dass er das (Zombie)Rad neu erfindet, ist "Devil's Playground" schnittige Horrorunterhaltung ohne große Überraschungen, aber auch ohne Leerlauf und Ärgerlichkeiten. Deshalb gerne drei von fünf noch ungetesteten Medikamenten, die hoffentlich keine blutrünstigen Nebenwirkungen haben.