Zum Glück ist dieser Roman nicht der auf dem Umschlag avisierte Serienkillerthriller geworden. Statt dessen geht es hier um richtige Menschen, eingebettet in die Atmosphäre des zeitgenössischen Südafrika: die Hure Christine, den alkoholabhängigen Cop Griessel und den Xhosa und ehemaligen Auftragsmörder Thobela, welcher als der angepriesene mordende Racheengel fungiert und Kinderschänder sowie solche, die er dafür hält, mit bushman's spear um die Ecke bringt.
Die Stärken des Romans liegen aber nicht in diesem letzteren Teil, sondern in der soliden Recherche, die der Autor im Prostituiertenmilieu und bei den Anonymen Alkoholikern, bei der Polizei sowie bei der Drogenbehörde gemacht hat. Diesen ist es zu verdanken, dass das Personal des Romans verblüffend lebensnah gerät. Darüber hinaus schreibt Meyer sowohl packend als auch berührend, auch wenn die mehrdimensionale Geschichte bisweilen allzu schnell die Szenerie wechselt. Einige Sequenzen sind nur ein paar Absätze lang, was dem Roman streckenweise Atmosphäre nimmt.
Der Racheplot enttäuscht eher, weder ist die psychologische Entwicklung des Täters plausibel noch sind die Taten recht nachvollziehbar. Hier hat der Autor merklich einiges zusammenkonstruiert. Auch das Ende ist arg märchenhaft geraten: die beiden Helden marschieren leicht bewaffnet in die Mitte einer kleinen Armee von Berufskillern und erledigen diese im Handstreich.
Auch wer Originalität sucht, ist hier eher falsch: Alkoholkranke Polizisten, Drogenkartelle, Prostitution, rächender Mörder, Entführung und Vergewaltigung von Angehörigen des Ermittlers, Korruption der Polizei, alles schon öfter dagewesen. Die Atmosphäre Südafrikas kommt dabei bisweilen zu kurz.
Dennoch: Aufgrund der hervorragenden Recherche und der glaubwürdigen Hauptpersonen sowie des fesselnden Stils kann man Meyers Roman sehr empfehlen und ich setze hier meine Grundregel ("lies nie einen Thriller, der von Schriftstellerkollegen empfohlen wird") ausnahmsweise mal außer acht.