Lieber Bruce,
30 Jahre begleitest Du mich nun durchs Leben, und es ist immer berührend, die Abgründe der eigenen Seele in Deinen Songs gespiegelt zu sehen. All' den Gefährdeten, Glücklichen, Gescheiterten, die in uns wohnen, gibst Du Wort und Stimme; stattest mit drei Zeilen einen ganzen Film aus, der Deine Texte illustriert. Ein ganzes Lebensschicksal kannst Du in drei Minuten plastisch werden lassen, nie Mitleid heischend, nicht wertend, aber uns zu Teilhabern machend. Natürlich ist es großartig, wenn Du mit den phantastischen Musikern der E-Street-Band auf der Bühne stehst - die Rising-Tour hat es erneut bewiesen. Unwiederbringlich ist ein lauer Sommerabend in einem Stadion mit Deinen Songs. Größer noch sind aber Deine kleinen Songs, die alle Freude und alles Leid in ein paar Gitarrengriffe zwängen, ein paar schräge Textzeilen. Nebraska spiegelt die ganze Welt im Kleinen, und Borderliner Tom Joad weiß mehr von den eigentlichen Dingen als alle Mächtigen zusammen. So auch The Hitter. Und der Typ in Reno, als er von der Nutte steigt. Mit "Devils and Dust" ist Dir ein weiteres großartiges Album gelungen. Es ist so weit vom Mainstream-Müll entfernt wie der Soldat im Titelstück von seiner Heimat. Eben weil es die zeitlosen, die ewigen Themen behandelt. Roh und unverstellt. Klar und frei. Danke für diese Songs. Ich hab' sie gern bei mir. Sie weiten mich und geben doch Halt. Niemand kann mit Deinen Liedern einsam sein!
Wir sehen uns auf der Tour. Dein HP