Anton Szandor LaVey, der Begründer der "Church of Satan" war zweifelsfrei einer der faszinierendsten Männer überhaupt - so sehe ich das! über ihn, sein Leben und sein Wirken zu lesen, ist immer etwas Besonderes.
das "Satanismus", wie ihn LaVey gesehen und bekannt gemacht hat, findet meiner Meinung nach immer noch viel zu wenig Beachtung. das Problem dabei ist: wenn man hierzulande das Wort "Satanismus" hört, dann ducken sich alle, bekommen Angst und haben die schlimmsten Assoziationen im Kopf. man denkt an dunkle Machenschaften, an Intrigen, an Gewalt, schlimmstensfalls an Mord, an "schwarze Messen" bei denen es ein Menschenopfer gibt ...
all' das hat absolut nichts mit der Religion Satanismus zu tun, wie LaVey sie verstanden und erdacht hat. vielleicht hat ihn zum Ende seines Lebens hin genau das auch mürbe gemacht, dass der Satanismus stets missverstanden und falsch dargestellt wurde, weil man sich nicht die Mühe machte, sich mit den satanischen Philosophien von LaVey auseinanderzusetzen.
LaVey lehrte uns, uns selbst zu lieben, das Leben zu genießen und es zu feiern, wir sollen uns selbst als Gott sehen und wenn wir jemanden verehren wollen, dann doch uns selbst. aber vor allem ging es ihm darum, dass wir für unser Tun Verantwortung übernehmen und uns auf keinen Fall negative Schuldgefühle aufhalsen, wie sie uns von der Kirche und vom christlichen Glauben ständig eingehämmert werden. der Satanimus ermutigt uns zur Hingabe an die natürlichen Bedürfnisse, anstatt Abstinenz und Schuldgefühle. "Seinen Bedürfnissen nachzugehen, ist der einzige Weg, schädlichen Frust und Schuldgefühle zu eliminieren", heißt es in "The Devils Avenger". ich kann daran nichts Falsches erkennen - ganz im Gegenteil. die moderne Psychologie müsste LaVeys Thesen eigentlich zu 100 % bestätigen.
in "The Devils Avenger" erfahren wir viel über LaVeys Kindheit und Jugend und wie er zu dem wurde, der er war. es wird über die Zeit der Gründung der "Church of Satan" berichtet und von den Mitternachtsritualen und Treffen der Hexen und Warlocks im legendären "black house". im Buch wird auch viel über die Menschen berichtet, denen LaVey begegnet ist, die ihm wichtig waren und die ihrerseits Sympathisanten von LaVey waren.
wer sich ernsthaft für den Satanismus, wie ihn LaVey verstand, interessiert und auch wissen will, wie LaVey lebte, der ist mit diesem Buch bestens bedient und wird hinterher auf jeden Fall klüger sein.
mich ganz persönlich hätten weniger die Leute interessiert, mit denen es LaVey zu tun hatte, als er selbst. über seine letzten Jahre wird in dem Buch gar nichts geschrieben. vor seinem Tod lebte er wohl eher zurückgezogen und mich hätte interessiert, was er in diesen Jahren gedacht und gefühlt hat, was er getan hat, wie seine letzten Jahre aussahen.
der Epilog im Buch ist eher kritisch, was aber lediglich für die Toleranz der CoS spricht. mich hätten dennoch auch die letzten Jahre interessiert.
mir hat das Buch gefallen. LaVey war ein großer, ein beeindruckender Mann mit Visionen, klaren Vorstellungen, Prinzipien und einem guten Plan für die Gesellschaft. wenn man unvoreingenommen und mit Interesse an das Thema herangeht, dann wird man in "The Devils Avenger" einen Mann kennen lernen, der faszinierend, philosophisch und ambitioniert war. seine Lehren sind für mein Empfinden auch heute noch gültig ...
H.S.