Aus der Amazon.de-Redaktion
Keine weitere Emo-Band von der Stange, sondern spätestens mit diesem Album eine der künstlerisch wertvollsten Rock-Truppen der Szene: Brand New bedienen aufgrund großer Emotionen zwar nach wie vor auch die Seitenscheitel-Fraktion, haben darüber hinaus aber noch viel mehr zu bieten.
The Devil And God Are Raging Inside Me verarbeitet nicht nur Einflüsse von Bands wie The Cure und Joy Division, sondern entpuppt sich zudem als höchst progressive Angelegenheit im Sinne einer Truppe wie The God Machine. Noise trifft auf ungewöhnliche Songstrukturen, einschmeichelnde Melodien wechseln sich ab mit verdreht-verqueren Parts, dazu kommen nachdenkliche, aber nie weinerliche Lyrics mit Tiefenwirkung. Brand New sind einen ähnlichen Weg wie Thrice und vor allem Thursday gegangen, denn die Szenekonformität ist einer ganz eigenen Ausdrucksweise gewichen - hier regiert eigenständiger Rock, der sämtliche Trends überdauern sollte und schlichtweg in jede gut sortierte Sammlung gehört. Schon jetzt eins der wichtigsten Alben 2007!
-- Boris Kaiser
pure.de
Die Agonie steckt schon im Albumtitel. Der Zwist zwischen Schöpfung und Zerstörung, Genie und Wahnsinn, Yin und Yang. Wohl dem, der da die Balance hält. Schon der Opener des nunmehr dritten Albums der New Yorker Emo-Punks Brand New, "Sowing Season", setzt diese philosophische Standortbestimmung kongenial um: Das feine Wechselspiel zwischen laut und leise, zwischen Aggression und Verwundbarkeit, steckt die Richtung ab für das was folgt. Brand New haben sich auf "The Devil And God Are Raging Inside Me" einen großen Schritt nach vorne bewegt, weg vom eingängigen Pop-Punk der ersten zwei Alben, (noch) weiter hin zum elaborierten Emo-Rock. So wie die stete Sinnsuche und Neu-Positionierung das Erwachsenwerden begleiten, wandelt das Quartett um Bandkopf, Sänger und Texter Jesse Lacey durch's finstere Tal, auf der Suche nach Erlösung, zumindest aber einer Antwort. Und wie so oft stirbt die Hoffnung zuletzt. Man kann auch im Punkrock tief graben, um auf Grund zu stoßen, scheinen sie zu sagen. Unter Umständen liegen dort dann wahre Schätze verborgen, die man unter der Oberfläche aus einprägsamen Refrains und akzentuierter Gitarrenarbeit nicht vermutet hätte. Eine Analogie, die sich ebenso leicht auf die Texte anwenden ließe, wo im scheinbar Banalen immer auch ein Subtext zu finden ist: "Nothing gets so bad / A whisper from your father couldn't fix it / He whispers like a bridge, it's a river spanned." Religiöser Trost oder doch nur ein Kopftätscheln? Immer wieder bricht die Band urplötzlich aus sich heraus, als ob ihnen in diesen Augenblicken schlagartig bewusst würde, dass sie ja doch "nur" Punkrock spielen. Dass das nicht aus mangelnder Entschlussfreudigkeit passiert, sondern als Stilmittel eher die Schönheit der Chance preist beweist "Jesus", ein sanft dahinfließender Song mit zweistimmigem Harmoniegesang, der einmal mehr subtile Sinnfragen an die Oberfläche spült: "Well Jesus Christ / I'm alone again / So what did you do those three days you were dead? Cause this problem's gonna last more than the weekend." Probleme, die sich nicht am Wochenende lösen lassen, gibt es mit zunehmendem Alter ja zuhauf. Spätestens im Album-Closer "Handcuffs" wird offensichtlich, wie weit Brand New mittlerweile im Stande sind, über den Tellerrand des so vermeintlich engen Genres Punkrock zu schauen: Das von einem Streichquartett getragene, eindringliche Finale ist ein stiller und zugleich markerschütternder Schrei, der letztlich die Frage aufwirft, wo denn noch mal genau die Grenze zwischen U- und E-Musik verläuft und wer nun den Kampf Gott gegen Teufel gewinnt? Ich würde mal sagen: Unentschieden. Im Fußball klingt das ernüchternd, hier allerdings äußerst spannend.