Mit diesem Spruch begrüßten die Ärzte anno 1984 den Hörer ihres ersten Longplayers; drehte dieser die LP dann irritiert um, bekam er prompt das Gleiche nochmal zu hören - Ups!!!
Aber die Ärzte sind eben eine Band mit Weitblick, schon damals war ihnen selbstverständlich klar, dass sie hier ein verwerfliches Machwerk abgeliefert hatten, vor welchem man die Öffentlichkeit dringend warnen musste, dass diese Warnung zum Bestandteil des Werkes wird, hebt "Debil" absolut auf eine Meta-Ebene von der andere Bands nur träumen konnten.
Für den jugendlichen Konsumenten ist nämlich keine Seite von "Debil" die richtige, beide sind zutiefst dazu angetan, die Psyche und Moral des wehrlosen Teenagers zu vergiften und ihn auf schlimme Gedanken zu bringen, von denen er sich nie mehr erholt.
Wären die Ärzte eine britische oder französische Band, sie hätten schätzungsweise bereits mit ihrer allerersten EP richtig Ärger bekommen, denn speziell in Monaco dürfte die Anzahl der Menschen, welche im Jahre 1982 eine Textzeile wie "Grace Kelly pass' auf, in der Kurve lauert der Tod" lustig gefunden hätten, äußerst begrenzt gewesen sein.
Aber die Ärzte sind nun mal eine deutsche Band und so dauerte es ein wenig länger bis die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften die verschlüsselte Warnung auf "Debil" richtig deuten und entsprechend präventive Maßnahmen zum Schutze der Öffentlichkeit einleiten konnte.
Volle zwei Jahre lang war das Album öffentlich bei jedem besseren LP-Dealer erhältlich , dann jedoch schlug man unerbittlich zu und machte dem Treiben ein Ende:
"Debil" landete - gemeinsam mit Album Nummer drei ("Die Ärzte") - auf dem Index und durfte nur noch an Menschen über 18 Jahre verkauft werden, die Gefahr war zwar nicht gebannt, doch stark eingedämmt!
Am 29.Oktober 2004 wurde es plötzlich freigegeben, einfach so und um das entsprechend zu würdigen, bringen die Ärzte es nun neu in die Läden, umbenannt in "Devil" erweitert um vier Bonustracks, zwei Videos und im wunderschönem LP-Replica-Klappcover.
Die garstige alte Billig-CD, welche so uniform und doof aussieht wie alle CBS-CDs dieser Zeit - da das Label im Digital-Wahn Ende der Achtziger Künstler-Backkataloge schubweise "versilberte" und dabei Null Wert auf Ästhetik legte - kann man dafür getrost ausmustern oder den jüngeren Geschwistern geben!
Auch Vinyl-Freunde können ausmustern, denn "Devil" kommt zusätzlich als tolles Doppel-Album im Klappcover - so sind alle glücklich!
Beide Formate haben ein informatives, absolut lustiges Beiheft, welches man einfach unmöglich in der Öffentlichkeit lesen kann, ohne gleich mehrfach in schallendes Gelächter auszubrechen.
Und die Musik?
Wie alle wirklich guten Witze sind auch die Kalauer auf "Debil" noch genauso frisch und unverbraucht wie beim ersten Hören Anfang 1985 - egal ob es sich um das Umfahren von Omas in Supermärkten, Goldkettchen von Bademeistern oder den unsterblichen Satz "Nie werde ich den Tag vergessen, als wir den Bus versäumt haben und zu spät zum Religionsunterricht kamen" handelt.
Auch das von einer Frauenstimme gesprochene "Du bist langweilig und doof!" ( in "Kamelralley") klingt 2005 so toll wie eh und je - wie viele junge Männer mögen diesen Satz in den letzten zwanzig Jahren von der Dame ihres Herzens - teilweise zurecht! - zu hören bekommen haben?!
Auf die Ärzte trifft das jedenfalls nach wie vor nicht zu:
"Debil"/"Devil" macht jung, hält jung und gehört definitiv in jede Sammlung - Musik für glückliche Teenager zwischen Dreißig und Vierzig!