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Deutschstunde: Roman
 
 
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Deutschstunde: Roman [Taschenbuch]

Siegfried Lenz
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (46 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 576 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Februar 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423134119
  • ISBN-13: 978-3423134118
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (46 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 22.819 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Siegfried Lenz
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Deutschstunde
OA 1968 Form Roman Epoche Moderne
Ein deutsches Phänomen macht Siegfried Lenz zum Thema seines 1968 erschienenen Romans Deutschstunde, seinem erfolgreichsten Werk. Er erteilt eine modellhafte Lektion über die fatalen Folgen unreflektierten Pflichtbewusstseins. Blindes Mitläufertum wird als als gefährliche Schein-Tugend bloßgestellt.
Inhalt: In den 1950er Jahren soll der inhaftierte Ich-Erzähler Siggi Jepsen einen Aufsatz verfassen – über die Freuden der Pflicht. Zwangsläufig kommt ihm sein Vater Jens Ole Jepsen in den Sinn, der in der NS-Zeit pflichtbeflissen Dienst als Polizeiposten im fiktiven Dörfchen Rugbüll tat. Von der Flut der Erinnerungen überwältigt, findet Siggi keinen Anfang. Als Folge des letztlich leeren Heftes muss Siggi wegen Aufsässigkeit eine Einzelhaft verbüßen.
Unter verschärften Bedingungen schreibt er nun wie besessen seine Geschichte: Sie beginnt im Jahr 1943, als der Vater – von oberster Stelle beauftragt – ein verhängtes Malverbot gegen den Künstler Max Ludwig Nansen zu überwachen hat. Ein Auftrag, den der Ordnungshüter zunächst zögerlich, dann umso strenger und unbarmherziger erfüllt – »Befehl ist Befehl«. Auf die erhoffte Mithilfe des Sprösslings kann er nicht zählen, jener entfernt sich vielmehr, wird zum Verbündeten des Malers, warnt diesen und versteckt seine Bilder vor dem Zugriff des uniformierten Vaters. Der Pflicht-Mechanismus des Polizisten nimmt geradezu paranoide Züge an: Das NS-Regime ist am Ende, das Malverbot längst außer Kraft, doch der Vater hört nicht auf, Nansen zu verfolgen. Ebenso zwanghaft hört auch der Sohn nicht auf, den Künstler vor dem Vater zu schützen. Er stiehlt schließlich Nansens Gemälde und muss ins Gefängnis. Nach Abgabe der Strafarbeit ist sich Siggi sicher, die Strafe stellvertretend für den Vater abgesessen zu haben.
Aufbau: Der Roman gliedert sich in eine Rahmenerzählung, in welcher der inzwischen 21-jährige Siggi im Jahr 1954 als Insasse der Jugendstrafanstalt anhand der Strafarbeit die Ereignisse der Jahre 1943 und folgende Revue passieren lässt. Somit bildet die Erinnerung an den eskalierenden Vater-Sohn-Konflikt die Haupthandlung. Als erlebendes und schreibendes Ich verknüpft die die Perspektive dominierende Figur des Siggi Jepsen nicht nur geschickt beide Zeitebenen, sondern beginnt die eigene Rolle zu reflektieren.
Im Zuge eines objektivierenden Niederschreibens und Bewusstmachens vollzieht der jugendliche Protagonist einen Reifeprozess. So wird das Buch von Lenz zur Initiationsgeschichte, mehr noch: zum Entwicklungsroman. Am Schluss des Romans ist Siggi gereift, wenn auch nicht geläutert. Noch kann er nicht viel Neues mit seiner wiedererlangten Freiheit anfangen: »Etwas Neues? Was soll das sein?«
Wirkung: Das Buch gilt bis heute als eine der ersten und wichtigsten literarischen Aufarbeitungen des Dritten Reichs. Verstanden als Demaskierung eines pervertierten Pflichtbegriffs, gelobt als so bahnbrechende wie befreiende künstlerische Auseinandersetzung ist das Werk nicht im Stil einer Moral-Predigt verfasst, sondern in der poetisch-menschlichen, für Lenz typischen Art, Geschichte aufzuarbeiten und zu hinterfragen, verknüpft mit der Verpflichtung der Nachkriegsliteraten, jeglicher Wiederholungsgefahr prophylaktisch entgegenzuwirken. Kritiker bemängeln bei aller epischen Solidität des Romans Schwächen in der formalen Konstruktion, aber auch eine angestrengt traditionell-moralisierende Grundhaltung. Aus heutiger Sicht kann das Buch auch als Zeitdokument für die Vater-Sohn-Konflikte der 1968er-Generation gelesen werden. Zur Popularität des Romans trug auch Peter Beauvais' TV-Verfilmung 1972 bei. R. M. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Eine beispielhafte Geschichte um blindes Mitläufertum und pervertiertes Pflichtbewusstsein in der NS-Zeit.«
Maxi 03/2009

»Die ›Deutschstunde‹ ist ein Buch, das in seiner Thematik zeitlos ist, das eine Lehrstunde dafür ist, wie schön und eindrucksvoll Sprache sein kann.«
Die Kitzinger 23.04.2007

»Eine in all ihrer Grenzenlosigkeit und wortkargen Größe doch beklemmend enge Welt aus Vorurteilen und starrer Beharrlichkeit entfaltet sich, mit hinreißender Sprachgewalt und epischer List porträtiert, zum Bild einer Epoche: jene ländliche Welt kleinbürgerlicher Pflichterfüllung, in der die Macht so leicht Wurzeln schlägt.«
Wolfgang Rainer, Stuttgarter Zeitung

»Ein Meisterwerk, dessen Ernst voller Trauer ist – wie es nur bei einem Beobachter sein mag, der Humor hat.«
Werner Weber, Die Zeit

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Aus der (zeitlichen) Distanz gelesen: ...,, 26. Februar 2006
Von 
Mag Wolfgang Neubacher "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
...immer noch ein großartiger Roman!
Es ist ein interessantes Gefühl, wenn man sich einen Roman, der vor Jahrzehnten (konkret:1968) erschienen ist und damals ein Riesenerfolg war, nach einer längeren Zeit wieder einmal "zu Gemüte führt". Da die Spannung auf den Ausgang ja wegfällt, kann man sich auf andere Sachen konzentrieren. Ergebnis: viele neue Einsichten - wobei die wohl wichtigste diejenige ist, dass das Buch nichts von seiner Qualität eingebüßt hat.
1968, im Jahr der Studentenrevolte, erschien das Werk. Zufall? Oder war Siegfried Lenz fast hellseherisch "voll am Puls der Zeit", als er gerade in diesem Jahr die Figur des Siggi Jepsen, der die Sünden seines Vaters büßen will und muss, der Öffentlichkeit vorstellte?
Die Handlung ist wahrscheinlich den meisten literarisch Interessierten bekannt: Siggi sitzt in einer Jugendstrafanstalt und soll einen Aufsatz über die "Freuden der Pflicht" schreiben. Zu viel fällt ihm ein, sodass er ein leeres Heft abgibt. Folge: Er muss den Aufsatz noch einmal schreiben - und die Sache gewinnt eine Eigendynamik. Siggi schreibt sich in monatelanger Arbeit seinen Frust über die Auseinandersetzung zwischen seinem Vater, "dem nördlichsten Polizeiposten von Deutschland", und dem Maler Max Nansen, der von den Nazis ein Malverbot bekommen hatte, das Siggis Vater überwachen sollte, von der Seele. Unter dieser Vaterfigur leidet Siggi, rund 10 Jahre nach dem Beginn der Auseinandersetzungen zwischen den beiden Männern, immer noch; ebenso leiden sein Bruder Klaas und seine Schwestwe Hilke. Alle drei sind Kinder von Eltern, die im Nationalsozialismus "nur ihre Pflicht taten" - und das Ergebnis geriet (im Privaten wie im Öffentlichen) zur Katastrophe.
Die Sprache wirkt heute noch frisch und modern; die formale Gliederung in 20 Kapitel mit dem Erzähler Siggi überzeugend.
Interessantes Detail am Rande: Siegfried Lenz, der 2006 seinen 80. Geburtstag feiert(e), erhielt nach dem Erschienen des Buchers Briefe von Lesern, die das Schicksal von Siggi Jepsen, das zum Schluss offen geblieben war, weitergesponnen haben. Mehr kann man sich als Autor eigentlich nicht wünschen, oder?
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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein großartiger und trotz der gemächlichen Schilderungen spannender Roman., 7. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Deutschstunde: Roman (Taschenbuch)
Ich verstehe, dass viele Leser diesen Roman langatmig und langweilig finden. Es hängt wohl davon ab, ob die Liebe zum Roman trotz der raumgreifenden und zeittrotzenden Schilderungen erhalten bleibt: bei mir blieb sie erhalten. Ich stelle mir aber den Zeitgeist der heutigen Schulklassen vor und kann gut nachfühlen, dass die Geschichte dort bei vielen nicht gut wegkommt. Bei mir sieht die Paperback-Ausgabe nach dem Lesen nicht mehr gut aus: Ergebnis von 6-wöchigem vielfachem Herumtragen, Einpacken, Herausnehmen, auch Nassregnen.

Ein Thema dieser Geschichte ist die Malerei: spontan hat mich auch die Art des Erzählens und Beschreibens ans Malen erinnert: Lenz lässt sich viel Zeit: mit ein paar Pinselstrichen skizziert er die Stimmung, durch zaghaft und langsam aufgetragene Farben füllt er die Handlung mit Leben, es kann schon ein paar Seiten dauern, bis das Bild fertig ist.

In Rückblenden reflektiert ein Jugendlicher seine Kindheit und das Verhältnis zu seiner Familie mit einer Ausdauer, Detailtreue und Einfühlsamkeit, dass ich den Roman spontan ins Herz geschlossen habe. Sehr betroffen hat mich der im Elternhause Jepsen herrschende Ton gemacht: hier fehlen Liebe und Verständnis völlig. Darüber hinaus kommt es einer gemeinen Vergewaltigung des Kindes Siggi gleich, dass er von der Eltern als Horchposten und Helfershelfer missbraucht wird. Für den Vater soll Siggi den Maler ausspionieren, mit dem er befreundet ist. Seine Mutter benutzt ihn, um die Sachen des von den Eltern gehaßten (aber von Siggi geliebten) Schwiegersohnes zu packen, als dieser aus dem Haus gewiesen wird. Zwischen den Eltern und der Zuneigung zum Maler zerrieben und verwirrt entwickelt er Ängste und kleptomanische Neigungen, die ihn schließlich in die Besserungsanstalt bringen.

Dass die Eltern in ihrer Sturheit derart aufgehen (hier mit dem Wort Pflicht verwechselt) zeugt von übergroßem Haß gegen alles und jeden. Aber so geht es allen drei Kindern: Klaas muß fürchten, von seinen Eltern an die Kriegsgerichtsbarkeit ausgeliefert zu werden, Siggi wird zwischen den Familienfronten zerrieben, Hilkes Freund wird aus dem Hause verwiesen, da der den Vorstellungen von einem Schwiegersohn nicht entspricht. Die Eltern haben alle ihre Kinder verraten. Somit ist die Freude an der Pflicht nur ein Synonym für die kalte, gefühlsstarre Welt des Hauses Jepsen. Und so gleitet Siggis Stimmung von Melancholie beim Betrachten des Eises auf dem Fluß bis zu tiefer Traurigkeit bei den Rückblenden zur Kindheit in Rugbüll.

Während ich die Kapitel des Romans las, hatte ich schon die Stimmen meiner ehemaligen Deutschlehrer und -lehrerinnen im Ohr: Widerstandskampf, NS-Zeit, Wertung des Romans im Kontext der damaligen Zeit. So ein Quatsch. Ist dieser Roman nicht gänzlich unpolitisch? Da ist ein Mensch, der malt und ein anderer, der sich hinter dümmlich starrer Pflichterfüllung versteckt und hier seine Bestimmung zu finden glaubt. Am Anfang sind es immer Menschen, die den Ton vorgeben, bevor dann andere hinterhertrotten. Denn es lohnt sich für sie: trotz seiner relativ unbedeutenden Landpolizisten-Autorität kann er sich auf, ja über das Niveau des Malers erheben.

Fazit: ein toller Roman voller Gefühl, trauriger Erinnerungen und vielfältiger Nordseestimmungen.
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35 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Heute Europa morgen die ganze Welt übermorgen Katerstimmung, 25. September 2004
Von 
junior-soprano "Powderfinger" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Es lohnt sich allein schon wegen des Umgangs mit der deutschen Sprache diesen Roman zu lesen. Das Lesen macht Spaß! Lenz widmet sich zwar dem Thema über das wirklich schon alles gesagt wurde, aber er formuliert es zumindest sehr gut. Wieder mal geht es um die Zeit des Nationalsozialismus. Genauer gesagt um die Zeit danach und die Verarbeitung dieser folgenschweren 12 Jahre. Ehemalige überzeugte Nationalsozialisten wollten nach 1945 natürlich damals nie dabei gewesen sein. Alle waren nur Opfer. „Die Freuden der Pflicht" ist das Thema einer Strafarbeit, die die Hauptfigur des Romans in einer Schule im Nachkriegs-Hamburg schreiben soll. Das könnte auch der Titel des Romans sein. Lenz beleuchtet das deutsche Wesen, mit seiner Autoritätshörigkeit, Treue, Disziplin, Fleiß, Altruismus und seiner Opferbereitschaft. All die Eigenschaften, die Deutschland groß gemacht haben und dann im Dritten Reich für Hitlers Ziele instrumentalisiert wurden und für Jahrzehnte nur noch negativ besetzt waren. 1968 als dieser Roman erschien wurde die Vergangenheit im großen Stil aufgearbeitet.
„Deutschstunde" hat bis heute nichts an Wichtigkeit verloren.
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