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Deutschsein: Eine Aufklärungsschrift
 
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Deutschsein: Eine Aufklärungsschrift [Gebundene Ausgabe]

Zafer Senocak
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 190 Seiten
  • Verlag: Edition Körber Stiftung (16. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896840835
  • ISBN-13: 978-3896840837
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 12,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 246.624 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Die Frage der Integration ist auf Gedeih und Verderb mit der Frage nach dem Deutschsein verknüpft, mit der Krise des deutschen Nationalgefühls, mit einer Frage, die sehr lange nicht mehr gestellt worden ist, weil sie zu sehr schmerzte, weil sie zu viele Albträume hervorrief, weil die Sprache versagte."Was heißt das eigentlich, Deutschsein? Wald und Eichenlaub, Goethe und Schiller, Zivilisationsbruch und alte Schuld? Jeder Deutsche hat Bilder von Deutschland im Kopf, doch kaum einer hat eine Sprache für das diffus empfundene, halb verdrängte, halb ersehnte Nationalgefühl.
Was bedeutet deutsch? Zafer Senocak wagt sich an diese Frage, der wir viel zu lange ausgewichen sind. Sie mag unangenehm sein, in Wahrheit ist sie aber längst überfällig wie die Hitzigkeit und Hilflosigkeit der Integrationsdebatten zeigen. Weil die Deutschen keinen positiven Begriff davon haben, wer sie sind, haben sie auch keine Vision für eine offene Gesellschaft, die sich nicht über die Abgrenzung des Fremden definiert. Die politische Korrektheit des Amtsdeutschen ersetzt noch immer den Willkommensgruß an jene, die im Einwanderungsland Deutschland längst ein Zuhause gefunden haben.
Was könnte deutsch sein? Zafer Senocak ruft uns die universellen Werte der Aufklärung in Erinnerung: Statt weiterhin auf Ängsten und Vorur teilen zu beharren, wird man mit dem Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, eine bessere Basis für das Zusammenleben finden.

Buchrückseite

»Die Frage der Integration ist auf Gedeih und Verderb mit der Frage nach dem Deutschsein verknüpft, mit der Krise des deutschen Nationalgefühls, mit einer Frage, die sehr lange nicht mehr gestellt worden ist, weil sie zu sehr schmerzte, weil sie zu viele Albträume hervorrief, weil die Sprache versagte.«

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Dieses als "Aufklärungsschrift" titulierte Buch des 1970 als achtjähriger Junge mit seiner Familie aus Istanbul nach Oberbayern eingewanderten Deutsch-Türken Zafer Senocak über das "Deutschsein" wird Debatten auslösen und hat das auch teilweise schon getan.

Denn Senocak hält den Deutschen den Spiegel vor. Nicht demaskierend, sondern geradezu liebevoll versucht er herauszuschälen, was in der bisherigen, eher hitzig und hilflos geführten Integrationsdebatte übersehen wurde. Wir Deutschen haben immer noch keinen positiven Begriff davon, wer wir sind. Deshalb entwickeln de Deutschen auch immer noch keine Vision für eine offene Gesellschaft, die sich n i c h t über die Abgrenzung des für sie Fremden definiert.

Als erstes identifiziert der Autor die deutsche Sprache als wichtige, aber besonders in der Integrationsdebatte vernachlässigte Größe:
"Sprache fließt, berührt und erzeugt Lust. Nichts ist von dieser Lust spürbar, wenn in Deutschland über Integration und Sprachdefizite gesprochen wird. Es herrscht die kühle Atmosphäre eines Labors. Man spricht über Einwanderung oft so, als ginge es dabei um chemische Formeln. Wo bleiben die Wörter, die schmecken, berühren und berauschen?"

Und er beklagt die Tatsache, dass im Land der Dichter und Denker, von denen sich viel auf die universellen Werte der Aufklärung berufen haben, so wenig von diesem Niveau zu spüren ist, wenn es um öffentliche Diskkurse geht, nicht nur um die Integration, sondern generell:
"In Deutschland ist die Fallhöhe zwischen dem hohen geistigen Niveau des philosophischen Erbes und der gegenwärtigen Verflachung öffentlicher Diskurse besonders groß. Eine stark polarisierende Sprache des Kulturkampfes hat an Raum gewonnen, verhinderte eine nüchterne Analyse der Zustände und ersetzt inzwischen mehr und mehr Reflexion und Analyse."

Man mag die Hoffnung, die Senocak auf die Macht und den Geist der deutschen Sprache setzt, naiv finden, man mag auch seine Kritik an der "christlich-jüdischen Leitkultur", die just dann auferstehe, wenn es um die Abgrenzung gegen d e n Islam geht, den es so als monolithischen Block gar nicht gebe, unvollständig erachten. Doch sein Beitrag, sein Versuch, die Sprache und ihren aufklärerischen Gehalt in die verfahrene Debatte zu werfen, ist wichtig und gut.

Ob er sich in der erhitzten Debatte Gehör verschaffen kann. Es wäre ihm und uns allen zu wünschen.
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11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
So verdienstvoll das bi-kulturelle Wirken des Autors sein könnte oder sonst auch sein mag - seine Theorie läuft auf Multi-Kulti im kulturdestruktiven Sinne hinaus. Als Sozialphilosoph und Verfasser der einschlägigen Bücher "Gastfreundschaft der Kulturen" (1994) sowie "Kultur - in der Kunst der Begriffe" (2007) muss ich jedoch kritisch anmerken: Senocak unterscheidet nicht zwischen der systemischen Ebene der Grundwerte - dort sind Religionen einerseits, deren Aufklärungs-Kompatibilität und die universellen Werte der Aufklärung anzusetzen - und der Ebene der Kultur anderseits. Letztere hat mit Volk im blutmäßigen Sinn nichts mehr zu tun, wohl aber viel mit Nation als kultureller Einheit. Nationale Kultur kann und braucht nicht universell zu sein - was Senocak von den Deutschen verlangt, übrigens einseitig. Ein philosophischer Zug Universalismus ist ohnehin den Deutschen mehr eigen als anderen und kann sogar zur Falle werden. Es geht aber um die Grundfrage: Sind Nationen im modernen Sinn von Kultureinheiten (die sich politisch z.B. als Österreicher und Schweizer organisieren können und trotzdem zur deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft gehören) um einer "globalen Aufklärung" willen von Gestern, wie die Mehrheit der Grünen meint, oder sind sie zukunftsfähige, wertvolle Errungenschaften einer aufgeklärten, in Wahrheit multikulturellen Menschheit? Trotz allen Missbrauchs von Nation in den vergangenen 150 Jahren, den man mit den Religionen schon viel länger und weiter treibt?

Multi-Kultur gibt es (zum Glück noch) in der Verschiedenheit der europäischen Nationen sowie in internationalen Städten wie Brüssel. Doch innerhalb der Nationalstaaten wird fast überall sonst auf der Welt der Unterschied zwischen der jeweiligen gastgebenden Kultur und den Gastkulturen der Immigranten gemacht, die z.B. in den USA sekundäre Landsmannschaften innerhalb Einer nationalen Kultur bilden können. Da hat Multi-Kultur einen ganz anderen Sinn, der geflissentlich ungeklärt bleibt. Die Schweiz bildet als politische Willensgemeinschaft durch Teilhabe an drei großen Kulturen eine Ausnahme, die nur durch sorgfältige territoriale Regeln funktioniert, Belgien eine andere, problematischere. Eine strukturelle Gleichberechtigung mehrerer Kulturen auf einem "Territorium" - ein Wort, das Senocak schon auf den ersten Seiten seines Buches benutzt, aber nicht beachtet und achtet - bildet immer nur eine Übergangslösung. Denn Kultur ist gerade nichts anderes als Gemeinsamkeit in Gebräuchen und Sitten, nicht zuletzt im Sprachgebrauch. Sie ist nichts anderes als der Rest von Gemeinschaft und Heimat in der modernen, weltanschaulich pluralistischen Welt. Senocak hat Recht damit, dass die Liebe der Deutschen zu ihrer eigenen Kultur (dass es diese gibt, braucht man vor der Welt - trotz gewisser 12 Jahre - wohl nicht mehr zu demonstrieren) Voraussetzung für die wirkliche Annahme der Immigranten ist. Richtig, und dabei käme es auf die Zahl gar nicht an, wie man den konservativen Abwehrern von Einwanderung entgegenhalten muss. Wohl aber darauf, dass der strukturelle Unterschied zwischen gastgebender Kultur und Gastkulturen mit allen Konsequenzen respektiert wird. Es ist selbstverständlich, dass sich auch die gastgebende Kultur dabei selbst verändert. Doch diese Veränderung einzufordern und zum Vorwand für dauerhafte Nicht-Integration und Nicht-Assimilation zu machen, bedeutet, jenen wichtigen Unterschied zu verwischen.

Solche Konsequenzen sieht und zieht Zafer Senocak nicht. Deshalb bleibt seine Liebeserklärung an Deutschland ein Kokettieren mit seinem schönen Schriftsteller-Hobby deutsche Literatur und ein zwiespältiges Herumeiern im Sinne des ungeklärten Multi-Kulti. Wer es als Schriftsteller oder Politiker unwidersprochen duldet, dass Erdogan die türkischen Einwanderer in Deutschland auffordert, ja nicht mit dem Herzen Deutsche zu werden, hat jenen strukturellen Unterschied zwischen Landsmannschaften und territorialer Kultur nicht begriffen und respektiert, natürlich auch nicht den von Religion (bzw. deren Aufklärung) und Kultur. Eines ist es, Aufklärung und damit Gleichberechtigung der Religionen und Weltanschauung im modernen Staat zu bejahen. Insofern ist das Zugehören des Islam zu Deutschland auf der religiösen Grundwerte-Ebene inzwischen schlicht ein Faktum, während man von einem Bundespräsidenten ein wenig mehr an struktureller Klärung (Unterscheidung dieser von Kultur und Rechtsgemeinschaft) erwarten dürfte. Ein anderes ist es, den modernen Rechtsstaat auch als Nationalstaat und das heißt Kulturstaat zu respektieren. Mit der Nicht-Unterscheidung dieser drei Ebenen (Rechtsstaat, Kulturstaat, liberale, religiös neutrale und universale Wertegemeinschaft) steht Senocak freilich in "bester" Gesellschaft von deutschen Pseudo- und Halbaufklärern, welche die Kulturnationen der angelbich aufgeklärten Globalisierung opfern, wissentlich oder unwissentlich. Diese stellen seit Jahrzehnten die falsche Alternative von jus sanguinis (Recht des Blutes, der Abstammung) und jus soli (Recht des Geburtsortes) auf: Wer nicht für das automatische Recht des Geburtsortes ist, unabhängig von Sprache und kultureller Solidarität, will angeblich zu einer Abstammungsgemeinschaft zurück. Wo bleibt hier das jus culturae auf einem gegebenen Territorium?

Senocak weist die Vorstellung einer territorialen Invasion mehrfach als lächerlich zurück. Nicht integrations- und assimilationsbereite Einwanderer sind aber tatsächlich kulturelle Invasoren! Das trifft auf den gebildeten und Deutsch schreibenden Senocak und Seinesgleichen ganz sicher nicht zu. Wohl aber zeigt er widersprüchliches, durchaus nationalistisches Herzklopfen für die kulturelle Gleichberechtigung der türkischen Einwanderer-Kultur (im strukturellen, rechtlichen , nicht im wertenden Sinn). Ein sehr widersprüchliches und unglaubwürdiges, trotz vieler schöner Zeilen für mich schwer genießbares Gemisch. An dem sich freilich viele pseudo-aufklärerische Gutmenschen und politisch Überkorrekte laben - was echte Gastfreundschaft der Kulturen im Deutschland (das bedeutet, wohlgemerkt, keinen dauerhaften Gaststatus der Einzelnen!) aber noch schwieriger macht und unsere schon sehr lädierte Kultur, zusätzlich zu ihrer angelsächsischen Globalisierung, weiter herunterwirtschaftet. Es geht bei uns zur Zeit um einen stillen kulturellen Überlebenskampf an mindestens diesen zwei äußeren Fronten, Globalisierung und Migration. Die eigentliche Front aber, darin allein hat Senocak voll Recht, verläuft im Inneren unseres deutschen Bewusstseins selbst.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Dieses Buch ist schlicht und ergreifend großartig! Der Autor weist sich als ein auf den Punkt genauer Kenner der Psychoanalyse und der deutschen Geschichte gleichermaßen aus. Ein im Denken unbestechliches Buch, das in der Debatte um die Migranten auch das kollektive Unbewusste der Deutschen ins Spiel bringt, Vergleiche zu Frankreich etwa zeigen den Unterschied zum hiesig unterdrückten Stolz der Deutschen (Zenocak erklärt das historisch, ohne die Deutschen zu verdammen oder zu verurteilen). Er führt vor, was für ein großes kulturelles Missverständnis es wäre, wenn nur die Forderung nach Assimilation bei unserem Umgang mit den Zuwanderern eine Rolle spielte. Das Anderssein muss nicht Angst machen, das zeigt in allen diesen Texten, die ihn als geistigen Verwandten von Bernhard Waldenfels und seiner "Studien zur Phänomenologie des Fremden" (Band 1-4 im Suhrkamp Verlag) ausweisen, ebenso aber als Kenner von Freud, C.G. Jung und Lacan (ihnen allen war das Sprachliche sehr wichtig - so ist es auch diesem Autor ein großes Anliegen). Was Senocak hier als abstraktes philosophisches Denken und Durchforsten der Themen "Fremdes und Eigenes" anbietet, lässt sich positiv auf unsere gesellschaftliche Situation anwenden, aber auch auf die sich im Moment in ganz Europa verändernden gesellschaftlichen Strukturen anwenden: Warum darf das Deutschsein oder eine andere Vorstellung von fester Identität nicht auch andere Einflüsse erlauben? Welche historischen Gegebenheiten und Erfahrungen einer Nation oder eines Volkes prägen die eigene Wahrnehmung? Warum wird der Islam immer mit Terrorismus verwechselt? Warum hatte es Paul Celan im Nachkriegsdeutschland so schwer, obwohl alle, die ihn damals in der Gruppe 47 trafen absolut demokratisch eingestellt waren (damals war auch Günther Grass dabei, heute wissen wir von seiner Vergangenheit und den Enthüllungen - damals konnte der arme Paul Celan das nicht wissen - es muss Grass sehr unbequem auf seinem gemütlichen Literatenstuhl geworden sein als es zur Begegnung mit der Sprache und Person Celans kam)? Was ist im Kollektiven der Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg und der Wiedervereinigung geschehen? Und hatten die Deutschen überhaupt je Zeit, sich ihren Gefühlen seit damals zu stellen? All dieser Fragen nimmt sich Senocak in so freier und geistiger Offenheit an und stellt unbequeme Fragen mit einer Behutsamkeit und Feinheit in Sprache und Aufbau, dass man es jedem ernsthaft an diesem Thema Interessierten zur Lektüre anempfehlen möchte. Polemiker werden freilich immer das Eigene verteidigen und das Fremde nur als Teil des Eigenen akzeptieren wollen - für solche ist das Buch aber auch interessant, vielleicht öffnet es ja ein Fenster. Aber wohl interessanter ist es für Menschen, die bereit sind, die Strukturen einer Nation und eines Volkes zu verstehen, dass sich verändert, das sich öffnet und stolz wird und dabei nicht vergessen sollte, dass es ja gerade durch die dazugekommenen Fremden das geworden ist, was es heute sein darf: ein geistig immer noch offenes und soziales Land, ein in jeder Hinsicht reiches; allen Veränderungen zum Trotz.
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