Einen Weinführer deutschlandweit nach den Namen der Winzer zu sortieren, ist ungefähr so sinnvoll wie ein Telefonbuch nach Nummern zu sortieren: Man kann in dieser Struktur zwar schnell nachschlagen, wie die eigenen Lieblingswinzer eingestuft wurden, aber nachdem man das - mit Stirnrunzeln oder dem Gefühl der Bestätigung - gelesen hat, sinkt der Gebrauchswert des gut 900 Seiten umfassenden Bandes stark ab. Es ist in dieser Struktur relativ schwer, einfach mal zu stöbern und sich auf die Suche nach Entdeckungen zu machen.
Bei seinen Einstufungen scheint mir der Eichelmann etwas strenger zu sein als der Gault Millau, der mir wenigstens in seiner jüngsten Ausgabe teilweise zu euphorisch urteilt. Bei den Weinen von Pix und Holger Koch etwa, die ich in diesem Jahr kennengelernt habe, halte ich die 83 - 85 Punkte für die einfachen Weine für treffener als die um 2 bis 3 Punkte höhere Einstufung des Gault Millau. Auch der Abstand von 2 bis 3 Punkten zu den Weinen von Horst Holub erscheint mir plausibler als die etwa gleichrangige Einstufung des Gault Millau. (Wie auch die Abstufung zwischen Holubs Malterdinger und Herbolzheimer Grauburgundern.)
In der Spitzengruppe finden sich - natürlich - weitgehend die gleichen Namen, doch hier finde ich die Rangfolge des Gault Millau plausibler (wobei ich das nur für Baden und die Pfalz halbwegs beurteilen kann). Den "Reichsrat von Buhl" auf die gleiche Stufe zu stellen wie den "Ökonomierat Rebholz" finde ich nicht angebracht (wobei ich die jüngsten Kollektionen von Buhl nicht kenne; eine ältere fand ich relativ blass). In Baden scheinen mir Dr. Heger und Franz Keller mit "Weltklasse" zu hoch eingestuft, aber auch diese Einschätzung basiert auf früheren Jahrgängen und hat sicherlich auch ein subjektives Element.
Befremdlich finde ich allerdings, dass im Eichelmann das kleine, aber seit langen Jahren auf sehr hohem Niveau arbeitende Weingut von Reinhold und Cornelia Schneider (Endingen) fehlt, das vom Gault Millau zu Recht als "Deutsche Spitze" eingestuft wird. Ein Versehen kann das kaum sein; ich nehme mal an, dass man auch im Hause Eichelmann den Gault Millau kennt. Findet da hinter den Kulissen eine Privatfehde statt?
Letztlich bleibt für mich der Gault Millau die primäre Referenz, wenn es um deutsche Weine geht. Doch der Eichelmann ist eine willkommene und anregende Zweitmeinung, auf die ich gerne zurückgreife, um die Einstufungen des Gault Millau gegenzuchecken.