Ich muß zugeben, daß mir das Gelesene zum Teil ans Herz ging. Das Buch war mir zu schade, es in einem Rutsch durchzulesen. Ich befaßte mich lieber gedanklich über mehrere Tage mit einzelnen Abschnitten. Es ist eher selten daß mich Vielleserin ein Buch so intensiv beschäftigt wie dieses.
Manchmal schluckte ich ob der Härten, die sich aus einem unreflektierten Mann-Frau-Verhältnis ergeben. Auch bei den Schilderungen zu männlicher Selbstbewertung sträubte sich wiederholt etwas grundlegend in mir. Die Ausführungen erklären zwar vieles, sind aber an mancher Stelle verheerend und widersprechen zutiefst meiner Grundhaltung gegenüber Menschen, also auch gegenüber Männern.
So wenig ich Frauen als Opfer per se betrachte, so wenig möchte ich Männer als ihrem biologischen Auftrag" und der auf weiblicher Seite durchaus auch mal vorhandenen Gemeinheit und materialistischem Denken hilflos ausgeliefert einstufen. Und auch unter Männern gibt es Exemplare, die alles andere als Werbung für sich sind.
Die wissenschaftlichen Quellen fehlen. Wobei mir einige der angesprochenen Studien bekannt sind. Aber aus meiner Sicht geht es bei dem Buch darum, sich selbst Gedanken zu machen und durchaus anderer Meinung zu sein, als der Autor. Gerade weil im Buch immer wieder die Bereiche dargestellt sind, in denen Frau und Mann Nein" zueinander sagen, gerade weil es sowohl intellektuell als auch emotional Zustimmung oder Widerspruch herausfordert, lädt es zum Überprüfen eigener Erfahrungen und Standpunkte ein. Gerade weil es viele Interpretationen enthält, gibt es Einblick in eine Erlebenswelt, die bei Männern und Frauen vielleicht unterschwellig vorhanden aber eben unbewußt ist. Man mag das Geschriebene bejahen oder verwerfen oder empört ablehnen. Aber man kommt beim Lesen zumindest mal in Bewegung. Und das ist es, was ein Buch aus dieser Sparte in meinen Augen durchaus mal bieten darf.