Ich habe dieses Buch auf dem Kölner Trödelmarkt gekauft. Wie so vieles, was es dort zu kaufen gab, ist auch die Geschichte, die es erzählt, schon reichlich in die Jahre gekommen. Aber wie so vieles, was in die Jahre gekommen ist, noch durchaus gut sein kann, handelt es sich auch bei dem vorliegenden Buch auch ein ganzes Menschenalter nach seinem Erscheinen noch um einen durch und durch lesenswerten Reisebericht.
Was ist der Plot? Im Alter von gut Dreißig Jahren bricht der junge Michael Holzach als bereits arrivierter Reporter ohne einen Pfennig in der Tasche von Hamburg aus auf, um auf einer 2.500 km langen Tour durch Deutschland zu wandern. Was er dabei erlebt, kann als Zeitdokument über die Befindlichkeiten der alten Bundesrepublik gelesen werden, wenn man will auch als ein Märchen, das die Erlebnisweisen dieser emotionsbewegten Aufbruchszeit (man könnte auch sagen: die Vorurteile ) gut widerspiegelt Natürlich verschließt der Pfarrer dem armen Michael die Türe, natürlich wird er in der Landkommune freundlich aufgenommen. Aber trotzdem frappieren insgesamt die genauen Beobachtungen des Wandersmanns, Holzachs Sprache ist unprätentiös und treffend, und das Buch ist an keiner einzigen Stelle langweilig. Besonders ins Herz schließt der Leser dabei den Hund Feldmann, der seinen Herrn auf der ganzen Reise begleitet. Um so tragischer mutet es an, dass der Autor im Jahre 1983 kurz nach seinem 36. Geburtstag ertrank, als er seinen Hund Feldmann aus einem Fluss retten wollte.