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45 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Treffsichere, aufrüttelnde und liebevolle Analyse, 7. März 2006
Uns geht es gut, wird sind zufrieden. So lautet das offizielle Ergebnis, wenn man die Menschen in Deutschland oder der Schweiz nach ihrem Befinden befragt. Ein Ergebnis, das einmal mehr zeigt, wie untauglich die Methode ist, mittels Fragebögen zu wirklichkeitsnahen Resultaten zu kommen. Denn macht man sich die Mühe, mit Menschen zu sprechen, sie im alltäglichen Verhalten zu beobachten und ihnen Raum für Gefühle zu lassen, kommt meist etwas ganz anderes heraus. Vor allem, wenn es um Bilder der eigenen Identität geht. Und weil das auch der Psychologe Stephan Grünewald weiss, geht er anders vor. Zusammen mit seinen Mitstreitern vom Institut für Kultur-, Markt- und Medienforschung, rheingold, führte er 20'000 Tiefeninterviews durch, die mehr Aufschluss über die Befindlichkeit der heutigen Gesellschaft geben. Der Titel seiner Ergebnisse lautet „Deutschland auf der Couch". Doch als Schweizer fühlte ich mich bei den meisten Analysen, Thesen und Bestandesaufnahmen einbezogen. Das Trauma des Zweiten Weltkrieges ist bei uns zwar ein anderes, führte aber zu ähnlichen Langzeitwirkungen. Der Untertitel „Eine Gesellschaft zwischen Stillstand und Leidenschaft" könnte auch der Haupttitel sein.In acht Kapiteln legt Grünewald Belege für die Richtigkeit seiner Hauptthese vor. Und die lautet: Unsere konstruierte Vorstellung vom irdischen Paradies hindert uns daran, das Leben so anzunehmen, wie es nun mal ist. Wenn ich von Belegen spreche, so vertusche ich damit eine der grossen Qualitäten dieser notwendigen Bestandesaufnahme, denn Grünewald legt keine langweilende Studie, sondern eine mitreissende Geschichtensammlung vor. Eine Sammlung, die auf 185 Seiten das ganze Panoptikum individueller und gesellschaftlicher Ängste, Verdrängungsstrategien, Sehnsüchte und Hoffungen vorführt. Dank wissenschaftlichen Objekten verschiedener Brennweiten geraten so viele Aspekte ins Blickfeld, dass sich der Leser in seinem ganzen Dasein erkennt. Daher finde ich es schade, dass es kein Stichwortregister gibt. Aber das ist denn auch schon der einzige Mangel, den ich anzumerken habe. Denn dass der Autor sich nur an der Stelle persönlich einbringt, wo er über seine behinderte Tochter spricht, hat mit meiner eigenen Biografie mit einer behinderten Tochter zu tun. Andere Leser wird dieses sparsame Eindringen persönlicher Schicksalsgeschichten nicht stören. Aber immerhin geht es bei den in Kapitel neun skizzierten Lösungsvorschlägen gegen Seelen raubenden Stillstand auch zentral darum, sich „beherzt und uncool auf die Risiken der Entwicklung und des Schicksal einzulassen." Dazu wird man durch das liebevolle Annehmen eines behinderten Kindes automatisch gezwungen. Die Aufgabe, die sich Stephan Grünewald stellte, ist überaus anspruchsvoll. Denn irgendwie muss er die paradoxe Situation meistern, 185 Seiten lang die Verdrängungsmechanismen einer ängstlichen, stillstehenden Gesellschaft aufzuzeigen, ohne dass diese Grünewalds messerscharfe Analyse nicht verdrängt und sich vor dem Ende des Buches ausklinkt. Vielleicht hätte er sich dazu noch einiger dramaturgischen Tricks bedienen müssen. So wie es die Regisseure der Filmepen machen, die Grünewald als Beispiele anführt. Mein Fazit: Eine der besten, tiefsinnigsten und treffendsten Gesellschaftsanalysen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Gefiel mir noch besser als die umfangreicheren Werke von Gerhard Schulze oder Peter Sloterdijk. Auch weil man bei Grünewald weder auf zynische Statements, noch auf platte Schuldzuweisungen stösst.
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17 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Auf dieses Buch hat Deutschland gewartet!, 9. Februar 2006
Von Ein Kunde
Deutschland? Na gut, vielleicht nicht "Deutschland", aber ich auf jeden Fall. Dann also doch "Deutschland", denn, wenn "Du Deutschland bist", dann bin ich es auch. Also nochmal: Auf dieses Buch hat Deutschland gewartet. Endlich hat jemand, leicht verständlich und offenbar auch wissenschaftlich fundiert, erklärt, dass der "Wahnsinn", den man sich oft schon mit besten Freunden gar nicht zu besprechen traut, gar nicht so wahnsinnig ist. Gut für mich, schlecht für meinen Therapeuten ... - Scherz beseite. Nein, im Ernst. Die eigene Orientierungslosigkeit, die man allenthalben spürt, scheint ein Zeitgeist-Phänomen zu sein und DAS Kennzeichen des modernen Menschen. Nicht mehr und nicht weniger. Gut zu wissen. Was lernen wir eigentlich in unzähligen Therapiesitzungen, über die wir möglichst nicht öffentlich reden? Was versprechen wir uns von dem Gespräch auf der Couch, in dem wir einfach mal alles beim Namen nennen? Genau: eine Hilfe unser Leben bzw. den Alltag besser in den Griff zu bekommen. Aber wie? Darauf hat Stephan Grünewald eine Antwort gefunden. In seinem Buch hat er die Ergebnisse von rund 20.000 tiefenpsychologischen Interviews zusammengefasst. Er geht dabei sehr differenziert auf jeden Lebensbereich ein: Mannsein, Frausein, jugendlich sein, Freizeitgestaltung, Fernseh-Konsum, Ernährung, Gesundheit, etc. Und das Ganze schreibt er erfreulicherweise nett und ausgesprochen sympathisch auf. Man möchte sich gleich zu ihm auf die Couch setzen oder zumindest mal einen Kaffee mit ihm trinken und leckeren Kuchen dabei essen. Also: Was empfiehlt er? Wir sollen die kleinen Dinge des Alltags wieder mit Hingabe erledigen und nicht zu viel vom Leben erwarten, dann stellten sich die Leidenschaften wieder von selbst ein. Sprich: Dann käme auch die "Liebe" wieder, die Liebe und die Lust am Leben. Klingt gut. Er hält ein Plädoyer für neue Helden: die Helden des Alltags. Auch das kommt gut. Auf der ewigen Suche nach dem Sinn, herauszufinden, dass alles was man so tagtäglich macht der eigentliche "Sinn" ist. Nicht mehr und nicht weniger. Gilt also doch: Der Weg ist das Ziel? Vielleicht. Beste Begleiterscheinung der Lektüre: der Hinweis auf das Buch von Enja Riegel "Schule kann gelingen", in dem die Schulleiterin der Wiesbadener Helene-Lange-Schule, die beim PISA-Test wohl mit größtem Abstand alle Schulen in D. in den Schatten gestellt hat - ihr ganzheitliches Pädagogik-Konzept vorstellt. (Sollte zur Pflicht-Lektüre werden & eine Lehrplan-Änderung in allen Ländern bewirken!)Aber dies sei nur am Rande erwähnt. Danke, lieber unbekannter Herr Grünewald, für das schöne Buch. Wenn ich ein "Heidenreich" in meinem Nachnamen hätte, würde ich sagen: LESEN! Lesen Sie dieses Buch! Es erfreut, es erklärt, es hilft. In diesem Sinne: ich gehe jetzt einkaufen - mit Hingabe natürlich - freue mich auf das Abendessen und die nächsten Gespräche auf der Couch: mit meinem Therapeuten über dieses Buch.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Buch zum seelischen Notstand der Nation, 13. Mai 2007
Stephan Grünwald führt seine Analysen zum seelischen Notstand der Nation auf 20.000 psychologische Tiefeninterviews zurück, die er Psychologe und Psychotherapeut mit seinem Beratungsinstitut über Jahre durchgeführt hat. Er zeichnet damit das Bild einer Gesellschaft, die sich im Koma des Status Quo am wohlsten fühlt, obwohl sie sehr genau weiß: Je später sie daraus erwacht, desto schlimmer.
Was Grünwald beschreibt, ist eine im doppelten Sinne (vor dem Psychologen und dem Fernseher) auf der Couch liegende, tief verunsicherte Bevölkerung. Eine Bevölkerung, die in ihrer manisch verdrängten Sinnsuche ständig auf der Flucht vor Verbindlichkeit und letztlich sich selbst ist.
Fehlende Orientierung und Harmoniesucht sind weitere Kennzeichen, die hinter dieser Form der Unreife ja der Verweigerung, reif werden zu wollen stehen. Die durch Fernsehn und Internet antrainierte Multioptionalität der Lebensweise führt dazu, dass versucht wird alles weg zu zappen, was unangenehm oder verbindlich werden könnte.
Dieses Buch ist aufrüttelnd und tiefgründig in der Analyse und zeigt: Wer sich der von Grünwald beschriebenen Alltagsflucht entzieht und das Hier und Jetzt gestaltet, der wird persönlich reifen und zu jener Elite gehören, welche notwenige Veränderungen voran bringt.
Was Runter von der Couch besonders packend und wertvoll sein lässt, ist die Unerschrockenheit, mit der sein Autor auch scheinbar unzeitgemäße Fragen aufgreift: Wer füllt Werbebotschaften mit Verhaltensmustern, die uns manipulieren? Wer propagiert Gender Mainstreaming? Warum degeneriert Toleranz so weit, dass Intoleranz schon da beginnt, wo jemand nur eine eigene Meinung vertritt? Wer definiert den Maulkorb der political correctness?
Diesem aufrüttelnden Buch sind zwei Nachfolgebände zu wünschen: Einen, der die Seeleningenieure der medialisierten Republik offen legt, einen anderen der sich mit der Frage beschäftigt, wie wir uns aus unserer selbst verschuldeten Unmündigkeit befreien können.
Wer Veränderungen will, muss mit dem Lesen dieses Buches beginnen.
Runter von der Couch: Willkommen in der Wirklichkeit!
Lesetipps: Wir amüsieren uns zu Tode, Neil Postman / Wie können wir denn leben? (engl.: How should we then live?) Francis Schaeffer / Worauf warten wir?, Notker Wolf / Gender - Politische Geschlechtsumwandlung, Volker Zastrow und Anke Feuchtenberger / Das Methulsalem-Komplott& Minimum von Frank Schirrmacher / Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Karl Popper
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