Wenn sonntagabends bei Christiansen die Dinge der Res Publica verhandelt werden, gibt es seit Jahren nur die immer gleiche Show mit den immer gleichen Titeln mit dem immer gleichen Personal: Friedrich Merz, resp. Hans-Werner Sinn, resp. Hans-Olaf Henkel, resp. Krawallschachtel Arnulf Baring und andere Totmacher präsentieren stellvertretend für eine ganze Runtermacher-Industrie: Apokalypse Deutschland, Republik am Ende. Schlusslicht Bundesrepublik. Der Journalist Hajo Schumacher (Ex-Spiegel) hielt die Sonntagsredner irgendwann nicht mehr aus und machte sich auf die Suche, fast möchte man sagen, nach der anderen, besseren, der wahren Bundesrepublik. Anders als der imperative Titel befürchten lässt, wird hier kein neues Ruckbuch präsentiert, das auf theoretische Erwägungen (die Lohnnebenkosten!, die Lohnstückkosten!, die Staatsquote!) mit neuen, alten theoretischen Erwägungen antwortet. Schumacher ist kein Ruck-Sack. Stattdessen hat er Menschen besucht, die überhaupt keine Zeit haben für theoretische Diskussionen über „Deutschland" im allgemeinen und die Lohnnebenkosten im besonderen haben. Die Realschulrektorin in Berlin, die den angeblichen Bildungsnotstand links liegen lässt und alle Schüler entweder aufs Gymnasium bringt, oder eine Lehrstelle verschafft. Die hocherfolgreichen und -professionellen Leute von der DIN (Deutsche Industrienorm), die weltweit patentieren und mithelfen, dass deutsche Produkte auch weiterhin weltweit so erfolgreich sind wie bisher. Der Bürgermeister im Bayerischen, der seinen Ort nicht nur schuldenfrei führt, sondern auch noch Gewinn erwirtschaftet. All das gibt es. Jeden Tag. Nur leider nicht in der allgemeinen Wahrnehmung.
Schumacher stellt diesen Erfolgsgeschichten einen kurzweiligen Exkurs in Sachen deutscher Mentalitätsgeschichte („German Angst") und Motivationsforschung voran, die erklärt, was man braucht, um der eingebildeten Apokalypse zu entfliehen: nicht viel, ausser Motivation, Realitätssinn und ein bisschen Verstand ist auch nicht schlecht.
Schumacher hat etwas unerhörtes gewagt: Optmismus. Das ist doch mal was.