Bin bei einem Besuch in Trier eher durch Zufall auf diesen kleinen und dadurch sehr handlichen Wanderführer gestoßen, da ich mit dem ursprünglichen Ansinnen einer "Pilgerreise" eigentlich nichts am Hut habe. Das Buch deckt jedoch eine Strecke ab, die in weiten Teilen abseits der "normalen" touristischen Pfade liegt, und daher für mich auch mit ihren Tagestouren interessant ist:
Von Trier geht es über Perl (Saarland), Schengen (Luxemburg) nach Frankreich, wo über Metz und Nancy (Lothringen), Auxerre nach 24 Etappen und insgesamt ca. 530 km schließlich der kleine Ort Vézelay in Burgund erreicht wird. Die Etappenlänge schwankt zwischen 11 und 38 km, oft orientiert an den Übernachtungsmöglichkeiten, meist liegt sie zwischen 20 und 30 km.
Die vielen Details der äußerst genauen Beschreibungen der anscheinend auch tatsächlich erprobten Wege stehen eindeutig im Vordergrund, untermalt von Übersichtsplänen (die in diesem Buch natürlich keine separate Wanderkarte ersetzen), schematischen Innenstadtplänen und Höhenprofilen zur ersten Orientierung. Sie werden prima ergänzt durch viele nützliche Informationen über den täglichen Bedarf an Beherbergungen (mit Preisen für 2008), Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants usw. im Verlauf jeder Etappe.
Hinzu kommen die wichtigsten kulturhistorischen und touristisch relevanten Daten der berührten Orte, Gebäude und Landstriche, die oft von meist wohlwollenden Formulierungen des Autors (z.B. wird die Gegend auf der 15. Etappe als "auf zurückhaltende Art bezaubernd und abwechslungsreich" beschrieben) und ausgewählten Fotos umrahmt werden.
Man fühlt sich in jedem Fall gut aufgehoben (selbst wenn es durch sehr dünn besiedelte Landschaften oder mal an Schrottplätzen vorbei geht) und muss nicht jeden Tag aufs Neue fürchten, dass man den Weg nicht findet.
Auf den Etappen mit besonders "einsamen" Kilometern sollte man sich wohl auch frühzeitig um eine der wenigen Übernachtungsmöglichkeiten kümmern, falls man bequem unter einem festen Dach liegen möchte (ja ja, früher in jungen Jahren ging es auch mal mit der Iso-Matte am Waldrand...).
Wie eingangs gesagt, habe ich nicht vor, die Gesamtstrecke abzulaufen, sondern wollte mir bestimmte Teile herauspicken. Einige Male werde ich bestimmt auch mit dem Fahrrad unterwegs sein und daher etwas längere Streckenabschnitte abfahren können. Ein weiter Pluspunkt dieses Buches sind dann auch die Hinweise auf die nicht zum Radfahren geeigneten Passagen des Jakobsweges und mögliche Umfahrungsstrecken.
Fazit:
Ein ziemlich gelungener Wanderführer für Fußgänger und Radfahrer, den ich mit der Gewissheit auf die Reise mitnehmen kann, wahrscheinlich nichts verkehrt gemacht zu haben. (Sollten mir doch irgendwelche gravierenden Unregelmäßigkeiten vor Ort auffallen, werde ich sie in dieser Rezension nachträglich einfügen).