"Beruhigt euch. Ich werde eure Farben achten und ehren, wenn sie es verdienen, wenn sie nicht mehr eine müßige oder knechtische Spielerei sind. Pflanzt die schwarz-rot-goldene Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschentums, und ich will mein bestes Herzblut für sie hingeben. Beruhigt euch, ich liebe das Vaterland ebenso sehr wie ihr ... Ich bin ein Freund der Franzosen, wie ich der Freund aller Menschen bin, wenn sie vernünftig und gut sind ...".
Heine (1797-1856), ein kritischer Patriot, der im Exil in Paris starb und doch soviel für seine Farben übrig hatte. Eine Reise durch Deutschland, mit Stationen, die ihre kritischen Töne in ihrer Zeit zu verdienen schienen, ist dieses Wintermärchen aus dem Jahre 1814, geschrieben im Januar zu Paris und veröffentlicht gem. dem Vorwort im September 1844.
"... und die freie Luft des Ortes wehte in manche Strophe weit schärfer hinein, als mir eigentlich lieb war", ist seine schon vorwortliche Entschuldigung apriori und gleichzeitig nennt er schutzsuchend seinen Athener Kollegen Aristophanes und andere, die sich selbigen Schabbernack haben zu Schulden kommen lassen. "Ade, Paris ... Das deutsche Herz in meiner Brust / Ist plötzlich krank geworden," Heilung im Norden Deutschlands ist angesagt und so beginnt das Wintermärchen, "Im traurigen Monat November war's". Das kritische Versepos umfasst 28 Verse, von der Grenze in Aachen und seinem preußischen Militär, die Wiederkehr des Eiapopeia der Kindheit, die bekannten Töne vom heimlichen Wein und dem öffentlichen Wasser und Luthers HALT! beim Bau des Cöllner Doms, mit "Westfalen ... getrunken / Bis wir gerührt einander ans Herz / Und unter die Tische gesunken" usw und so fort.
Heine ist Kritiker der Politik, der Kirche, der Zensur, des übertriebenen Nationalismus und vor allem des Scheins. Es ist belesen, seine Reise zeigt die Orte und die Zusammenhänge, weiss von Opern und Kömödien, auch den Göttlichen. Alles mit einem Unterton des Sarkasmus, eine Weise, die durch Witz sich dennoch selbst zurechtweisen will oder gar die Entschuldigung schon unterschwellig mitliefert. Doch auch nur Schein und die Gesellschaft so im Scheine spiegelt wie der "Patriotismus zur Schau" getragen wird.
Deutschland will seinen Heine wieder. So schreibt er in Caput XXV sich die göttliche Seele raus für Deutschland, aber immer mit der Sehnsucht nach Freiheit, wo Deutschland ihm versichert, "verhungert ist nie ein Mensch / In einem deutschen Gefängnis." Diese praktische Freiheit wird das Ideal vertilgen.
"Was ich gesehen, verrat ich nicht" Heines Herz ist keusch, er schweigt, Spricht von Aristophanes und des Königs Liebe zu ihm, er fragt, warum die Toten lieben und nicht die, die da leben, ihn. Und so wir Deutschland zu Dantes Hölle, Deutschland heißt: Unmöglichkeit jeder Freiheit - zumindest für den Dichter in jener Zeit.
Und doch verkündet Heine im Sinne der schützenden Göttin Hamburgs sein tiefstes Inneres, den Traum, Deutschland möge einig sein als Vaterland.
Dieser Traum ist seit beinahe zwanzig Jahren wieder mauerlos.
Ein beschwingtes Epos, gut zu lesen, Witz und Ironie treiben das Schmunzeln in des Lesers Gesicht.