Götz Kubitscheck, bekannt vom Rittergut Schnellroda besonders durch seine jüngsten KSA-Aktionen ("Konservativ-Subversive Aktion") interviewt im vorliegenden Büchlein den ehemaligen Bundeswehr-General Gerd Schultze-Rhonhof. Thema ist das Buch "1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte: Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg". Vorausschicken muss ich an dieser Stelle, dass ich dieses Werk (noch) nicht gelesen habe. Eingeteilt ist die vorliegende Schrift in vier kurze Kapitel - komplett im Interview-Stil gehalten.
I Erfolge und Misserfolge
Hier geht es größtenteils um die publizistische Wirkung von "1939". Konnte man einen auflagetechnischen, quantitativen Erfolg verbuchen? Gab es eine spezielle Zielgruppe? Welche Werbemaßnahmen wurden unterstützend angestrebt bzw. auch umgesetzt? Wurde das Werk aufgrund seiner revisionistischen Grundtendenz angefeindet?
Hierzu muss man wissen, dass Schultze-Rhonhof KEIN Fachhistoriker ist sondern interessierter Laie der in einem unglaublichen Kraftakt versucht hat alle relevanten Primärquellen, Archive, Zeitzeugen und Bibliotheken zu durchforsten um so zu einem (hoffentlich) anderen Geschichtsbild zu gelangen - als es heute in den Schulen propagiert wird. Er selbst sieht es als Vorteil an nicht den üblichen akademischen Historikerwerdegang durchlaufen zu haben da es so relativ unbeeinflusst durch den politisch bestimmten Duktus hindurch kam und nicht vor vermeintlichen Autoritäten respektive Standardwerken ehrfürchtig erstarrte sondern auch hier gewissenhafte Quellenforschung bis zum Grunde hinunter betrieb.
II Biographisches
Wie die Überschrift schon besagt erfährt man hier relevantes über seinen Werdegang - insbesondere aus seiner Bundeswehr-Zeit.
III Geschichtsschreibung
Hier beschreibt der Autor seine Erfahrungen mit der typisch (neu-)deutschen Historikerschaft. Er zeigt auf, dass man wirklich jede Quelle überprüfen muss um nicht landläufigen Allgemeinplätzen auf den Leim zu gehen. "Deutschland auf Augenhöhe" besagt in diesem Sinne, dass Deutschland gleichberechtigt als europäische Nation behandelt werden sollte. Um eine solche Normalisierung des kollektiven Bewusstseins der Deutschen zu erreichen bedarf es eines wirksamen Gegengiftes gegen diesen explizit deutschen Schuldkomplex, der aufgrund seiner teils schon pathologischen Züge erst recht das Misstrauen unserer europäischen Nachbarn erweckt. Denn "normal" ist eine solche masochistisch-neurotische Selbstdemütigung nicht. Der "Thron der Schuld" ist heute fester den je in deutscher Hand. Je weiter die zeitliche Distanz zum Dritten Reich wird - desto irrationeller muten die "Bewältigungszüge" an. Diese widernatürliche, paradoxe Entwicklung wird angesprochen und einmal der so genannten Entnazifizierung durch die Alliierten und zum anderen der bundesdeutsch-antideutschen Entwicklung der 68er Ideologisierung zugeschrieben.
IV Die Thesen
Hier wird in einem extrem kurzen Anriss sein Buch "1939" in fünf Kernthesen komprimiert. Meiner Meinung nach wird dieses Kapitel viel zu schnell abgehandelt, andererseits kann man sowohl im Netz eine ausführliche Zusammenstellung lesen als auch natürlich das ungekürzte Original.
Fazit: Hätten seine eigene Forschungen das heute verbreitete Geschichtswissen über die Kriegsschuldfrage bestätigt - hätte er dieses Buch nicht veröffentlicht. Diese verblüffende und unaufgeregte Ehrlichkeit erstaunt umso mehr, wenn man sich die teils drastischen und vernichtenden Kritiken um seine Person vergegenwärtigt. Er jedoch bleibt stets zurückhaltend, sachlich, zieht weder über die Bundeswehr noch über die Historikerzunft her. Zudem betont Schultze-Rhonhof, dass die Grundintension keinesfalls ein "Reinwaschen" sei: Der Laienforscher streitet eine deutsche Mitschuld keinesfalls ab - er setzt jedoch den Schuldanteil der anderen in einen gesamthistorischen Kontext. Da die deutschen Fach- und Bildungseinrichtungen so genannte "deutschzentrische" Forschungen betrieben und somit ein zwangsläufig selektives, einseitiges Geschichtsbild erzeugten, bezieht Schultze-Rhonhof alle relevanten Staaten die direkt und indirekt am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beteiligt waren mit ein. Man kann nur hoffen, das dieses Beispiel - im wahrten Sinne des Wortes - Schule macht...