Neue Zürcher Zeitung
Geschichte der Wörter und Bedeutungen
bgr. Hermann Paul (18461921) hat der Sprachwissenschaft ein grosses Werk hinterlassen, und bis heute wird Einzelnes davon regelmässig als Standardliteratur nachgedruckt. Seine «Mittelhochdeutsche Grammatik» ist schon bei der 24., die «Prinzipien der Sprachgeschichte» bei der 10. Auflage angelangt. Die 10. Auflage hat nun auch das 1897 erstmals erschienene «Deutsche Wörterbuch» erreicht. Bei allen Ergänzungen und formalen Neuerungen ist Pauls ursprüngliches Konzept nicht angetastet worden: Das Buch «stellt, von literarischen Belegen getragen, den semantischen Wandel des Wortschatzes dar und ist somit ein historisches Bedeutungs- und Belegwörterbuch». Damit eignet es sich sogar zum fortlaufenden Lesen und unterscheidet sich so angenehm von neueren mehrbändigen Wörterbüchern, die in substanzloser Ödheit Wortbildungen aneinander reihen, die eigentlich weder grammatischer noch semantischer Erklärung bedürfen. An Umfang hat die neue Auflage um 10 Prozent zugenommen; neu ist die Aufmachung mit dem Daumenregister, und wer Vergleiche mit dem Text der letzten Auflage anstellt, findet immer wieder neue Stichwörter und Ergänzungen auf Grund der seit 1990 erschienenen Fachliteratur. Natürlich gibt es neue modische Schlagwörter wie politische Korrektheit, Politikverdrossenheit oder vernetzt; aber auch zum Beispiel die alte Polonaise wurde jetzt neben der Polka aufgenommen: der «polnische Tanz» sowohl aus französischer wie aus tschechischer Perspektive! Unter Automobil findet man neu den Autostop(p) (mit einem Beleg von Max Frisch), obwohl das Wort im Binnendeutschen erfolglos mit Anhalter konkurriert.
Kurzbeschreibung
Der neue "Paul" ist das einzige einbändige Wörterbuch des Deutschen, das die Bedeutungen der Wörter historisch entwickelt, literarisch belegt und mit besonderem Augenmerk auch die Literatur nach 1945 einbezieht. Es schlägt damit eine Brücke zum Verständnis älterer Literatur, vor allem der Klassik und Romantik, führt auf Grund seiner historischen Perspektive aber auch zu einer vertieften Reflexion über die Strukturen und Tendenzen unserer Gegenwartssprache. Das Wörterbuch wendet sich insofern besonders auch an Deutschlehrerinnen und -lehrer. Schwerpunkte dieser Auflage sind: Erweiterung um wichtige "Fremdwörter" bzw. Internationalismen, Aktualisierung entsprechend den jüngsten Entwicklungen des Wortschatzes, besonders in den Bereichen Wissenschaft und Technik, Medien und öffentlicher Sprachgebrauch, Sprache der "Wende" und der DDR. Völlig neu gefasst ist der "Wegweiser zum Wortschatz", ein vorangestelltes Sachregister, das den Wortschatz historisch-systematisch gliedert und didaktisc h aufbereitet.