Nachdem BVSB meines Erachtens mit "Blackbox" ein wenig schwächelte und ins Belanglose abdriftete, ist das "Deutsche Theater" wieder ein großer Wurf und gewissermaßen eine Fortsetzung des ebenfalls sehr empfehlenswerten Essaybandes "Remix". Stuckrad-Barre ist kein großer Erzähler - wie eben "Blackbox" zeigte -, dafür aber ein hervorragender Essayist. Wohl kaum jemand ist zur Zeit mit so viel Scharfsinn am Werke, wenn es darum geht, das Allgemeine und Politische unter der Oberfläche solcher Erscheinungen wie Franz-Josef Wagner, Gerd(!) Schröder, Super-RTL, den Scorpions usw. herauszuarbeiten. Wo Harald Schmidt aufhört und höchstens Andeutungen macht, setzt Stuckrad-Barre an; er lauert den Banalitäten unseres mediengeprägten Alltags so lange auf, bis diese ihr wahres Gesicht zeigen. Dabei kommt Stuckrad-Barre weder penetrant angeödet daher (wie z.B. sein von Sympathie geprägtes Portrait Manfred Krugs zeigt), noch trifft auf seine Texte das vernichtende Attribut "augenzwinkernd" (anderes Wort für: "bedeutungslos/nicht so gemeint") zu. Fast jede der abgedruckten Kolumnen hat bei mir den Wunsch nach weitergehender Diskussion geweckt (also, Leute, schreibt mir doch mal per e-mail Eure Meinung!). Erfreulich am "Deutschen Theater" fand ich auch, dass ich bei der Lektüre so gut wie kein Dandygepose des Autors über mich ergehen lassen musste (das war ja zum Beispiel in dem ansonsten gelungenen Popliteraten-Debattierbuch "Tristesse Royale" streckenweise sehr nervtötend).