Vom 1. bis 4. Mai 1953 fand im Frankfurter Althoffbau das 1. Deutsche Jazzfestival statt und begründete eine Tradition, die bis heute Bestand hat. Es ist nicht nur das älteste deutsche Jazzfestival, es ist auch das älteste Jazzfestival der Welt ohne Unterbrechungen. Es war eigentlich das "Anhängsel" einer jährlichen Arbeitstagung der Deutschen Jazz Föderation. Die Organisation übernahm der Hot Club Frankfurt (HCF), im wesentlichen Horst Lippmann und Olaf Hudtwalker.
Telefunken nahm im Rahmen des Festivals die sog. "German All Stars" auf, die sich aus den Gewinnern eines von der Zeitschrift "Gondel" veranstalteten Jazz Polls zusammensetzten: Fred Bunge (tp), Günter Fuhlisch (tb), Franz von Klenck (as), Max Greger (ts), Paul Kuhn (p), Gerhard Hühne (g), Hans Last (b), Teddy Paris (dr). Die haben zwei gemeinsame Titel ("Festival Riff", "Gondel Riff") und ansonsten bekommt jeder eine Feature-Nummer. Max Greger auf der Ballade "It's the Talk of the Town", wo er sich im angenäherten Coleman Hawkins-Spiel bewegt; Franz von Klenck auf "The Man I Love", elegant wie er auch bei Edelhagen spielte; Fred Bunge auf "Basin Street Blues", eher im traditionellen Stil; Günter Fuhlisch auf "How High the Moon", ein sehr gutes Solo, das mich stark an Bill Harris erinnert; Paul Kuhn auf "Lady Be Good", an Erroll Garner orientiert, und so gar nicht in seinem eigenen Stil, das konnte er anderswo viel, viel besser; Gerhard Hühne, Günter Fuhlisch und Max Greger auf Perdido, da gleitet Greger in fiependes R&B-Ssxophon ab, was lange Jahre sein Markenzeichen war.
Man sieht, man war damals in Deutschland zwischen den verschiedenen amerikanischen Stilen hin- und hergerissen, und manchmal ein bisschen zu nah an seinen großen Vorbildern. Die Rhythmusgruppe ist super, aber die Entdeckung für mich als Spätgeborenen ist Günter Fuhlisch, der dann beim NDR als Arrangeur, Komponist, Rundfunk- und Schallplattenproduzent sowie beim "Hamburger Hafenkonzert" verschwand. Jazz alleine konnte halt damals wie heute seinen Mann nicht ernähren.