Annette Schlünz denkt, fühlt und lebt in Tönen und Klängen und betrachtet die Musik als eine "nicht an Wort gebundene Sprache", in der sie sich vieldeutig-konkret auszudrücken vermag. Jeder Tag mit seinen Stimmungen, Begegnungen, Anregungen, Gerüchen, selbst seinem Wetter erzeugt das schöpferische Klima, aus dem heraus ihre Stücke entstehen.
Strengste Selbstkontrolle führt dabei zu fortschreitender klanglicher Askese und materialer Enthaltsamkeit. Zum radikalen Konstruktivismus des Schönberg-Schülers Anton Webern - ihrem Vorbild - gibt es jedoch einen wesentlichen Unterschied: Trotz der zahlensymbolischen Verwobenheit vieler musikalischer Details, trotz rational bedingter Formenkonstruktion waltet in ihren Kompositionen eher das weibliche Prinzip lebendiger Anwandlung und Transformation. Die von Annette Schlünz geschaffenen Klanggestalten verhalten sich wie Lebewesen, die sich allzu strengen seriell-mentalen Mechanismen entziehen und in einer Art Selbstorganisation im Prozess des Komponierens zu wachsen beginnen.
Obwohl sie sich in ihrer ersten Schaffensphase (1978-83) auch mit den Möglichkeiten der Prädetermination des Materials auseinander setzte, ist es später doch mehr das Werden und Vergehen keimzellenartiger Ausgangsimpulse, welche den Stücken Gestalt und Form verleihen. Keimzelle in diesem Sinne kann ein mehrgliedriger Akkord, ein Motiv oder ein Rhythmus sein. (Felicitas Nicolai)
Deutscher Musikrat - Edition Zeitgenössische Musik
Booklettextautor: Nicolai, Felicitas
Dirigent: Hayrabedian, Roland
Dirigent: Bernbacher, Klaus
Dirigent: Kluttig, Roland
Interpret: Höh, Volker
Interpret: Mertens, Georg
Komponist: Schlünz, Annette
Orchester/Ensemble: Ensemble Accroche Note
Orchester/Ensemble: Kammerensemble pro musica nova Bremen
Orchester/Ensemble: Les Percussions de Strasbourg
Orchester/Ensemble: Thürmchen Ensemble
Orchester/Ensemble: Ensemble Musicatreize Marseille
Verlag: Wergo