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am 3. Januar 2010
Nun, der Titel "Die Deutschen und der Iran" ist etwas hoch gegriffen, handelt es sich doch um die Darstellung der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland und der Staaten, als deren Rechtsnachfolger sie sich versteht, gegenüber den im Laufe der Jahrzehnte ebenfalls wechselnden Regimes im Iran. Die Außenpolitik der DDR bleibt ausgespart, einige wenige Literaturhinweise zu diesem Thema werden gegeben.

Das Material, das der Autor im Rahmen seines so eingegrenzten Themas aufbereitet, ist ordentlich recheriert und gut verständlich präsentiert. Auf die ausführlichere Darlegung von Quellen, etwa in einem entsprechenden Anhang wird leider verzichtet. Die Darlegungen zu den politischen Beziehungen beider Staaten und zur Ideologie namentlich des Mullah-Regimes sind außerordentlich interessant und sollten unbedingt zur Kenntnis genommen werden. Die von Küntzel erläuterten geschichtlichen Hintergründe sind auch zum Verständnis der aktuellen iranischen Innen- und Außenpolitik hilfreich. Eine Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung im Iran leistet der Autor nicht. Damit bleibt Politik Haupt- und Staatsaktion und letztlich unerklärt.

Die Schwäche dieses Buches liegt nicht in dem, was es darstellt, sondern in dem, was es ausspart oder in den Proportionen zu klein macht.

Da erscheinen die US-Geheimdienste im Hinblick auf ihre notorische Einmischung im Iran (etwa 1953 und fortgesetzt in der Unterstützung des Schah-Regimes) als eher unbedeutend und etwas hilflos. Die Tatsache, dass die Reagan-Administration im Rahmen der Iran-Contra-Affäre gezielt das Mullah-Regime, zum Teil via Israel, mit Waffen ausgestattet hat, bleibt unerwähnt. Das wiederum könnte akzeptiert werden im Rahmen der notwendigen thematischen Beschränkung. Allerdings kann man methodisch sauber erst dann von einem deutschen "Sonderweg" im Umgang mit dem aktuellen Iran sprechen, wenn man den Umgang von Staaten wie den USA, Großbritannien, Frankreich nicht, wie der Autor es tut, ausspart bzw. auf die Rhetorik dieser Staaten reduziert. Der Titel des Buches, in dem einerseits von "den Deutschen" und andererseits "dem Iran" die Rede ist, wird keineswegs klarer durch den Untertitel, in dem von "Freundschaft" gesprochen wird. Jeder Politikwissenschaftler weiß, dass Staaten keine Freunde, sondern Interessen haben. Einzelne Figuren der iranischen politisch-geheimdienstlichen Szene dienten sich einst dem NS-Deutschland an und später dann Großbritannien bzw. den USA. Zwei Beispiele dafür führt Küntzel selbst an.

Solange man den Islamismus als Rammbock gegen den Kommunismus gebrauchen konnte, war er "dem Westen" recht. Solange man das Mullah-Regime z.B. als Bollwerk gegen den Irak gebrauchen konnte, ebenso. Nun sind auch hier die Geister, deren man sich zynisch bediente, außer Kontrolle geraten und wir sollen auf einen Krieg zu ihrer Bändigung eingestimmt werden. Diese simplen Zusammenhänge sind wohl auch die Lösung der Rätsel, über die Küntzel sich immer wieder wundert.
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am 10. Dezember 2009
Matthias Küntzels Buch sollte zur Pflichtlektüre insbesondere der Damen und Herren im Auswärtigen Amt werden, die sich um die Entwicklung des deutsch-iranischen "Sonderverhältnis" so zweifelhafte Verdienste erworben haben. Auch die außenpolitischen Sprecher der Parteien sollten Küntzels kenntnisreiches und spannend geschriebenes Buch zur Kenntnis nehmen. Das wäre auch hilfreich für diejenigen Wissenschaftler, etwa bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, die sich seit Jahren darum mühen, das iranische staatsterroristische Mullahregime als "normalen Staat" mit "berechtigten Interessen" (u.a. auch auf Atomkraft) darzustellen, die ideologischen Komponenten der islamistischen Staatsräson ausblenden und die Bedrohung durch eine mögliche Atommacht Iran gefährlich herunterspielen. Küntzel zeigt schonungslos den Charakter des Regimes auf: Es ist ein islamistisches, von religiös-apokalyptischer Vernichtungsideologie geprägtes Herrschaftssystem, das sich als Inkarnation des "wahren Islam" betrachtet und diese schariageleitete totalitäre Ordnung global durchsetzen will. Viel zu lange hat der Westen diese religiös-ideologische Dynamik unterschätzt und mit immer neuen Beschwichtigungsgesten den Mullahs signalisiert, dass sie nichts zu befürchten haben. Namentlich die Bundesrepublik Deutschland scheint an der Entwicklung des "Sonderverhältnisses" zum Iran, vorrangig aus ökonomischen Gründen, ein besonderes Interesse zu haben. Küntzel arbeitet glänzend die Geschichte dieses "Sonderverhältnisses" auf, vom Kaiserreich über den Nationalsozialismus (der bei Antisemiten wie Ahmadinedschad und seiner Herrschaftsclique bis heute große Sympathien findet!) bis in die Gegenwart. Bis auf wenige Ausnahmen war die deutsche Politik gegenüber dem Iran von zögerlicher Kritik ("kritischer Dialog"),appeasement und wohlwollender Unterstützung geprägt. Weder die Bedrohungen Salman Rushdies durch Khomeinis berüchtigte "Todesfatwa", die Mykonos Morde (Ermordung kurdischer Politiker 1992 im Lokal Mykonos in Berlin durch Geheimdienstmitarbeiter des Iran auf Anordnung von Ayatollash Khamenei!), die Besetzung der US-Botschaft und die kontinuierliche brutale Unterdrückung der politischen Opposition im Lande, konnten bisherige Bundesregierungen dazu veranlassen, sich den - auch häufig noch zögerlichen - Forderungen der US-Regierung nach Sanktionen anzuschließen. Selbst die durch Griff nach der Atombombe dranmatisch verschäfte Vernichtungsdrohung gegen Israel hat - abgesehen von gelegentlich starker Rhetorik - daran wenig geändert. Es ist zu wünschen, dass Küntzels Buch endlich eine breite öffentliche Diskussion über die "verhängnisvolle Freundschaft" mit einem undemokratischen, die Menschenrechte mit Füßen tretenden, Regime befördert. Wir brauchen eine deutliche Wende in der Iranpolitik.

Dr. Johannes Kandel, Berlin
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am 23. Februar 2010
In Deutschland wissen interessierte Bürger durchaus von den guten Beziehungen zum Iran, zu Persien. Kaum ein Bürger kennt jedoch die geschichtlichen Hintergründe und Zusammenhänge. Kaum ein Bürger erahnt, was in den Hinterstuben deutscher Politik in den letzten 30 Jahren bezüglich deutscher Iranpolitik entschieden worden ist. Zwischen rechter und linker Politik besteht eine große politische Übereinkunft, das Volk in diesem Bereich unwissend zu halten. Warum? Was steckt dahinter?
Dem renommierten Wolf-Jobst-Siedler-Verlag ist es danken, dass Matthias Küntzel die Chance einer Veröffentlichung in Deutschland erhielt. Den meisten Doktoranden, die das Gebiet erforschten, blieb diese Chance verwehrt. Warum?
Wir haben folglich erstmalig in der deutschen modernen Geschichtsschreibung mit diesem Buch eine umfassende Zusammenstellung der Beziehungen zwischen Deutschland (ab Kaiser Wilhelm II.) und dem Iran vorliegen. Matthias Küntzel spart nicht mit Bewertungen, aber genau dies macht sein Werk authentisch.
Christian Tschesch
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