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Deutsche Einheit und Reformstau, so stellt der Autor fest und belegt dies mit Fakten, dominieren seit 1990 die ordnungspolitische Lage Deutschlands. Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsordnung haben "kaum noch etwas gemeinsam mit der ursprünglichen Konzeption der sozialen Marktwirtschaft". Und so kann man die Darstellung von Prollius' auch als Geschichte der wirtschaftspolitischen Fehlentscheidungen verstehen. Bedauernd wird festgestellt, dass es keinen Minister oder Regierungschef mehr gebe mit dem ordnungspolitischen Format von Ludwig Erhard, dem wirtschaftspolitischen Sachverstand Karl Schillers oder Otto Graf Lambsdorffs.
Präzise wird zum Beispiel beschrieben, wie die deutschen Teilstaaten nach 1945 auseinander drifteten. In den 50er Jahren konzentrierte die staatliche Planung der DDR die Investitionen auf die Grundstoff- und Schwerindustrien und benachteiligte so die Verbraucher. Ganz anders die Wirtschaftsreform in Westdeutschland, die den Konsumenten zum König machte. In den 70er Jahren wurden im Ostteil Sozialleistungen und Wohnungsbau erheblich gesteigert -- auf Kosten einer erheblichen Auslandsverschuldung. Die DDR konnte sich nie mehr aus der Schuldenkrise befreien.
Wer noch tiefer in die bewegte deutsche Wirtschaftsgeschichte einsteigen will, findet bei den Literaturverweisen sehr gute weitere Quellen. -- Hans Jürgensen
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hervorragende Gesamtschau,
Von liberaler Philosoph (Paderborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Deutsche Wirtschaftsgeschichte nach 1945 (Uni-Taschenbücher S) (Taschenbuch)
Michael von Prollius stellt die deutsche Wirtschaftsgeschichte nach 1945 nicht nur sehr gut verständlich und mit großer Übersicht dar, er vertritt darüber hinaus die einleuchtende These, daß die wirtschaftspolitischen Fehlentwicklungen der letzten 40 Jahre auf die fehlende liberale Bürgergesellschaft in unserem Land zurückzuführen sind. Notwendig ist ein gesamtgesellschaftlicher Aufbruch, ein "neuer Anlauf in der Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik" im Sinne von Wilhelm Röpcke. Michael von Prollius belegt mit seinem Buch, daß man aus Geschichte sehr wohl lernen kann.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Geschichte der deutschen Nachkriegswirtschaft oder ordnungspolitischer Warnruf?,
Von MengKi (Ettlingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Deutsche Wirtschaftsgeschichte nach 1945 (Uni-Taschenbücher S) (Taschenbuch)
Die amazon-Besprechungen zu politischen bzw. wirtschaftspolitischen Büchern folgen ja oft dem Muster, dass man prüft, ob der Autor die eigene Meinung vertritt oder nicht. Dann gibt es entsprechend einen Lob oder Verriss. Denn schließlich soll man ja seine Meinung sagen, nicht wahr? Man kann aber Meinungen zu einem Werk auch mit Argumenten verbinden bzw. versuchen, "objektive" Kriterien zu finden, die dem Leser (also potenziellen amazon-Kunden) wirkliche Informationen bieten und die Entscheidung erleichtern."Objektive" Kriterien können zum Beispiel sein, ob das Buch in fehlerfreier Rechtschreibung daherkommt, ob es buchherstellerisch OK ist (Bindung, Papier, Druck...), ob der Autor das einhält, was auf dem Umschlag angekündigt wird, ob gut strukturiert wird, welches Sprachniveau mit welcher Fremdwortdichte man bewältigen muss, wie sich Preis und Umfang zueinander verhalten und vieles andere. Wenn ich das berücksichtige, dann fällt mein Urteil zwiespältig aus. Ich finde vieles inhaltlich ausgesprochen sympathisch und teile die Sorge des Autors um eine Verkrustung und Selbstblockade der deutschen Gesellschaft. Mit Recht kritisiert er den wahnwitzigen Schuldenberg und die Vollkaskomentalität, die satte Bequemlichkeit. Deutschland lebt bei weitem über seine Verhältnisse und schon allein durch die demographische Entwicklung wird man das bald schmerzhaft zu spüren bekommen. Aber gehört das in dieser Form und mit diesem Gewicht in eine Wirtschaftsgeschichte? Die "Schlussfolgerungen", in denen der Autor seinen Standpunkt nochmals entfaltet (nachdem das vorher schon in jedem Kapitel ausführlich geschehen ist!) reichen von Seite 289 bis Seite 318. Also 30 Seiten bei einem Gesamtumfang von 342 Seiten... Das ist üppig und viel Meinung für wenig Geld. (Denn der Preis des Buches ist nicht übertrieben.) Natürlich muss auch der Wirtschaftshistoriker Farbe bekennen und es ehrt ihn wenn er seinen Standpunkt und seine weltanschaulichen Voraussetzungen offen legt. Aber hier haben wir viele Seiten nur ordnungspolitische Essayistik zu lesen, es geht über weite Strecken um ideengeschichtliche Einordnung und nicht um die konkrete Entwicklung nach 1945. Manche historische Phasen werden dabei ausführlicher geschildert; es gibt z.B. gute Passagen zur Endzeit der DDR und zur "Wende", auch die Entwicklung in den Westzonen nach dem Krieg ist noch einigermaßen sorgfältig beleuchtet. Aber je weiter es in Richtung Gegenwart geht, umso holzschnittartiger und "ideologischer" wird es. Die rot-grüne Wirtschaftspolitik wird in wenigen Absätzen abgefertigt (z.B. S. 283), wo doch die Hartz 4-Reform hätte intensiver diskutiert werden müssen. Gerade dieser Reformversuch hat ja ordnungspolitisch positive und negative Aspekte und ist wahrscheinlich das Einzige, womit der "Basta"- Kanzler sich wirtschaftspolitisch ins Buch der Geschichte eingetragen hat. Also: ich hätte mir mehr substanzielle Wirtschaftsgeschichte (gerne auch die wirtschaftsrechtliche Entwicklung - von der juristischen Problematik hört man nämlich nichts) und weniger neoliberale Mahnrufe gewünscht. Nicht, dass die nicht nötig wären - aber vielleicht nicht gerade in einer wirtschaftshistorischen Gesamtdarstellung. Lobend hervorheben möchte ich die Literaturhinweise, die wirklich hilfreich sind (z.B. zur NS-Wirtschaftspolitik oder zur "Wende"), aber auch hier ist die Auswahl manchmal recht einseitig... Diese Bedenken hätten mich dazu bewogen, nur 4 Punkte zu geben. Auf 3 Punkte sank die Wertung durch das grottenschlechte Lektorat. Unfassbar! Man muss keine ganze Seite lesen um auf einen Rechtschreib- oder Grammatikfehler zu stoßen. Wie kann das sein? "In jedem Fall ist der Einfluss liberaler Professoren nach dem Zweiten Weltkrieg als bemerkenswerter Bruch mit der deutschen Tradition." (S. 306) Na, super! Die Deutschen werden also nicht nur bequemer, ärmer und weniger wettbewerbsfähig, sie können auch die eigene Sprache kaum mehr richtig schreiben. Besonders verstörend wird es, wenn Klassiker-Zitate vermurkst werden: Hat Hayek wirklich geschrieben "Ein Ökonom, der nur Ökonom ist, ist nicht nur einer Ärgernis, sondern stellt eine regelrechte Gefahr dar"? (S. 307) Das Buch in einer solchen Form zu präsentieren, das ist (bei allem Respekt für die ordnungspolitischen und marktwirtschaftlichen Anliegen) tatsächlich "einer Ärgernis". Und zwar einer zuviel! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ordnungspolitischer Einspruch eines überzeugten Marktliberalen,
Von OldboY (DDR 2.0) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Deutsche Wirtschaftsgeschichte nach 1945 (Uni-Taschenbücher S) (Taschenbuch)
M. v. Prollius (MvP) hat mit seiner deutschen Wirtschaftsgeschichte ein längst überfälliges Buch über den Zustand der "sozialen MArktwirtschgaft" in Deutschland geschrieben. Das Buch eignet sich nicht in erster Linie als Lehrbuch. Vielmehr hat MvP hier eine Streitschrift für die Rückbesinnung auf ehemals grundlegende marktwirtschaftliche Gesetze vorgelegt, die - und das ist das neue und interessante an seinem Werk - im historischen Rückblick die Fehlentwicklungen des "Rheinischen Kapitalismus" schonungslos aufdeckt. Die Grundthese des Buches gleich vorweg: Die "soziale Marktwirtschaft" ist seit dem 70ern einem beispiellosen Pervertierungsprozess ausgesetzt gewesen, bei dem durch zahllose staatliche Eingriffe in den Markt ein intransparentes, undemokratisches und letztendlich unsoziales System geschaffen wurde. Gestartet war Deutschland unter Wirtschaftsgrößen wie Erhard und Müller Armack mit einer Marktwirtschaft, die diesen NAmen noch verdiente. Der Markt war weitestgehend frei und ordnungspolitisch vertretbare Rahmengesetze sicherten Wohlstand und sozialen Ausgleich. Im Verschuldungswahn der 70er unter der sozialliberalen Koalition wurde die soziale Marktwirtschaft Ehardscher Prägung dem Leben auf Pump geopfert. Seither hat es keine Regierung mehr vermocht, einen soliden Staatshaushalt vorzulegen. Ständige politische Eingriffe in den Markt haben das System der sozialen Marktwirtschaft weitgehend zerstört und einen unsäglichen "Korporatismus", d.h. ein kollektives Geflecht aus Verbänden, Staat und Lobbyisten geschaffen, die für eine Minderheit Vorteile auf Kosten der Freiheit des Einzelnen abschöpfen. Dieses korrumpierte System firmiert wohlfeil unter dem Terminus "Wohlfahrtsstaat". MvP hat mit seiner Wirtschaftsgeschiche jedoch aufzeigen können, dass dieser Sozialstaat einige wenige reicher, die große MEhrheit aber ärmer MAcht. Klientelpolitik auf Kosten der Freiheit.Das Fazit des Autors: Die Marktwirtschaft, sprich der Kapitalismus, ist per se sozial und wird erst unsozial durch die ständigen perversen Eingriffe einer Klientelpolitik, die durch alle Parteien hindurch regiert. Was MvP mit seinem Buch musterrgültig zeigen konnte ist die völlige Fehlinterpretation des BEgriffes "soziale MArktwirtschaft" in Deutschland anno 2011. Die Politik nimmt den BEgriff "sozial" zur REchtfertigung durch ständige Regulierung ohne ordnungspolitischen Kompass, das gesamte System zu zerlöchern. Was würde der Schöpfer der "sozialen Marktwirtschaft" Ludwig Ehard wohl hierzu sagen? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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