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Titel und Kapitelüberschriften versprechen mehr, als der Inhalt letztlich einzulösen vermag. Immerhin ist der Autor ehrlich: "Es war nicht meine Absicht, ein 'wissenschaftliches' Buch zu schreiben. Aber ohne die Arbeit der Zeitgeschichtler, Soziologen, Germanisten oder Kulturforscher, die sich mit der deutschen Geschichte des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts auseinandergesetzt haben, wäre es mir nicht möglich gewesen, dieses Land und seine Entwicklung darzustellen." Will heißen: Über das Referieren altbekannter historischer Tatsachen und (im einzelnen unbelegter) Befunde kommt das Werk über weite Strecken nicht hinaus. Originalität blitzt allenfalls bei den Betrachtungen der Bonner Republik auf, deren Weg der Autor ein Gutteil publizistisch begleitet hat. Die neunziger Jahre werden gar nicht behandelt.
Analysen kommen insgesamt zu kurz und lassen Tiefgang eher vermissen. "Blicken wir zurück auf die demokratischen Versuche der Deutschen, den dreimaligen, mit Blick auf die westlichen Nachbarn so verspäteten Anlauf, ihren Staat parlamentarisch zu organisieren, so sind gesellschaftliche und politische Kontinuitäten unübersehbar." Von Sternburg erinnert hier vor allem an die Führungseliten, die bis in die Anfangsphase "der beiden deutschen Demokratien nach 1945" dem Denken des wilhelminischen Obrigkeitsstaates verhaftet waren (Adenauer, Ulbricht und Konsorten), an den "Zufall machtpolitischer Konstellationen in der Weltpolitik", die verhängnisvolle Weltwirtschaftskrise, die kommunistische Fremdbestimmung hier, das amerikanische Interesse an einem demokratisch gefestigten Bündnispartner im Kalten Krieg dort und nicht zuletzt an den "historischen Glücksfall" des Zusammenbruchs des sowjetischen Imperiums. Fazit: biedere Hausmannskost, leidlich informativ. --Roland Detsch
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Die Ursachen des Scheiterns der Weimarer Republik werden korrekt und treffend dargestellt, wobei Sternburg die antidemokratische Einstellung des zweiten Reichspräsidenten Weimars, von Hindenburg, ebenso hervorhebt wie mentalitäts- und geistesgeschichtliche Ursachen ihres Scheiterns. Doch ohne die Inflation und Weltwirtschaftskrise, die Brüning mit einer Deflationspolitik vergeblich zu bekämpfen suchte, wäre die Republik von Weimar möglicherweise nicht gescheitert.
Sehr kurz und kursorisch fällt die Bilanz des Dritten Reiches aus, wobei Sternburg in Anlehnung an Haffner konstatiert, Weltherrschaft und Vernichtung der Juden seien Hitlers einzige dauerhafte Ziele gewesen, dem sich alles unterzuordnen habe. Die Geschichte der Bundesrepublik wird von Adenauer bis Kohl fortgeführt. Sternburg, politisch der Linken zuneigend, verurteilt Adenauers einseitige Westintegration, lobt Brandts Ostpolitik und bewertet die Ära Kohl zwiespältig: es habe einen Wirtschaftsaufschwung gegeben, aber die Arbeitslosigkeit habe der Kanzler nicht senken können. Seine Leistung liege in der Außenpolitik.
Das Buch - fesselnd geschrieben - bietet einen ersten Einblick für historisch Interessierte, ist aber - insbesondere im Vergleich zu Christian Graf Krockows: Die Deutschen in ihrem Jahrhundert 1890-1990 zu oberflächlich geraten. Geistes- und Kulturgeschichte kommen eindeutig zu kurz, der Schwerpunkt liegt auf der relativ knappen Darstellung der Ereignis- und Politikgeschichte. Aber der Autor erzählt fesselnd. Es gelingt ihm, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen und seine Literaturliste am Ende zeigt, dass er die wesentliche Fachliteratur ausgewertet hat, wobei er insbesondere mit konservativen Historikern scharf und bisweilen polemisch ins Gericht geht. Das Buch ist nicht für Wissenschaftler und Fachhistoriker geeignet, da es für diesen Kreis zu oberflächlich geraten ist. Diese sind besser bedient mit Krockows: Die Deutschen in ihrem Jahrhundert 1890-1990, welches denselben Stoff sehr viel ausführlicher - besonders auf dem Gebiet der Mentalitäts- und Geistesgeschichte - aufarbeitet. Als erste Einführung jedoch brauchbar.
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