Kurzbeschreibung
Sinnlich, frech und wie eben improvisiert klingen diese zumeist anonym, aber z. B. auch von Orlando di Lasso vertonten Stücke, charmant und brünstig, melancholisch und augenzwinkernd, ein Reigen von Versen an das "Mysterium Frau". Rudolf Borchardts berühmter Anthologie "Ewiger Vorrat deutscher Poesie" tritt hier eine zweite an die Seite: deutsche Liebesgedichte des 16. Jahrhunderts. Das Buch erschließt die bis heute verschollene weltliche Seite der Dichtung zwischen Mittelalter und Barock. Die Liedtexte werden nach der von Borchardt beabsichtigten Anordnung wiedergegeben. Ein kritischer Apparat bietet Vorlagen und Varianten, das Nachwort skizziert die Bedeutung des Projekts in der Traditionsdebatte der zwanziger Jahre.
Auszug aus Deutsche Renaissancelyrik (Edition Tenschert) von Rudolf Borchardt, Stefan Knödler. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die Zwei und der Dritte
Es waren zwey beysamm allein
Da kam der dritt zur thür hinein
Sie hetten was drumb geben
Das diser dritte an der stett
Ehe er die thür erreichet hett
Wer kommen umb sein leben.
Die lust und freud so disem par
Auff dises mal bescheret war
Hat dieser dritt verwandelt
Mit seiner zukunfft zu der zeit
Inn eytel leid und traurigkeit
Ist je unfreundlich ghandelt.
Daran man gwendt vil tag und nacht
Biss es ist zu eim solchen bracht
Hat diser dritt mit klagen
Durch seine ankunfft unglückhafft
Zerstört/ verwirrt und abgeschafft
Gott wöll in darumb plagen.
Darumb bleibt waar inn aller Welt
Diss so man lange zeit hat gmelt
Es wirdt so klein nichts gsponnen
Man halts so still und fah es an
Verborgen als man immer kan
Kombts doch zu letzt an dSonnen.