Das Werk könnte interessant sein, ist durch die Art und Weise, wie es niedergeschrieben wurde, jedoch sehr ermüdend. Grimm kann als Begründer der Germanistik angesehen werden und gemäß der Tradition der Philologen finden sich allerlei Textverweise. Da gibt es lateinische Texte, althochdeutsche, mittelhochdeutsche, etwas Griechisch ist auch hineingestreut. Zudem findet man dann schon mal Fußnoten, die die Hälfte der Seite einnehmen.
Auch das Deutsch, das Grimm verwendet, ist schwierig. Bis auf Eigennamen wird alles kleingeschrieben (das war noch vor dem Duden). Laut Anmerkung des Verlages wurde 'vorsichtig revidiert' und 'leichte Modernisierungen wurden vorgenommen'. Trotzdem bleibt es schwere Kost.
Hinzu kommt, dass dieses Werk nicht als Unterhaltung dienen sollte, sondern eine wissenschaftliche Arbeit darstellte. Dementsprechend spannend liest es sich denn auch. Es steckt zwar viel Wissen darin, aber oft sehr komprimiert. Manche Erklärungen bleiben unklar, weil man den Kontext nicht versteht, den Verweisen nicht folgen kann oder schlicht und ergreifend kein Griechisch versteht.
Das Buch eignet sich kaum für Laien. Für den interessierten Germanisten wird es jedoch ansprechend sein, allein aufgrund der zahlreichen Textbeispiele. Wer jedoch eine Sammlung deutscher Mythen erwartet, wird enttäuscht werden. Darum geht es hier nur im Entferntesten.