Anlässlich der aktuellen "30 Jahre Deutscher Herbst"-Hysterie habe ich diese CD von 1996 vor allem wegen des dritten Kapitels "Ulrike Meinhof Paradise" wieder herausgekramt ... und mehr als zuvor gilt: Ein Meilenstein zwischen Hörspiel und experimenteller Musik.
Die drei Hörspiele, die auf dieser CD zu einer von den Machern als "Tonträgeroper" bezeichneteten Form versammelt sind - und übrigens alle mit zeitgenössischen Interpretationen von Beethovens 5. Sinfonie beginnen - spannen einen bedrückenden Bogen aus der Zeit der ersten Tonaufzeichnungen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts über die der Macht der Medien extrem gegenwärtige Herrschaft des Naziregimes bis zu den eingangs erwähnten bundesrepublikanischen Siebzigerjahren.
Was Andreas Ammer und FM Einheit hier aus originalen Sprach- und Musikschnippseln zusammengeschnitten haben, erzeugt Grusel und Gänsehaut beim Hören. "Deutsche Krieger" zeichnet sehr intelligent, auf mehreren Ebenen manipulativ und dabei auch immer musikalisch durchdringlich nämlich nicht nur einfach ein Bild der kriegerischen deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts - sondern reflektiert in Form eines Rückblicks auf die Entwicklung der Medien - von der Grammophonplatte über den Volksempfänger hin zum Fernsehprogramm. Großartig gemacht!
Schade ist hierbei allerdings, dass die Quellen nicht detailiert verzeichnet werden, ich halte das Wissen um die ursprünglichen Bedeutungen und Zusammenhänge für grundlegend, um diese Collage gebührend würdigen zu können. Manche Subversivität wird natürlich erst deutlich, wenn der Hörer weiß, wer da eigentlich wann was wirklich meinte, als es gesagt wurde, und natürlich: von wem.
Aber selbst ohne dieses Wissen bleibt es sicherlich ein sehr eindringliches Klangerlebnis, musikalisch irgendwo in der Nähe zu etwa Ernst Horns "The Skies over Bagdad" oder eben den Einstürzenden Neubauten, deren Mitglied FM Einheit ja lange Zeit war. Über Strecken ist das ganze übrigens sogar durchaus tanzbar.