Die Originalausgabe des im Juni 2011 veröffentlichten Bandes war bereits im Jahre 2006 in Oxford von Osprey Publishing unter dem Titel "
German Commanders of World War II (2): Waffen-SS, Luftwaffe & Navy: Waffen-SS, Luftwaffe and Navy: v. 2 (Elite)" in der Reihe "Elite" herausgegeben worden.
Wie auf der Buchrückseite zu lesen ist, "fasst der Band die militärischen Laufbahnen von 26 Männern zusammen, die es innerhalb der Waffen-SS, der Luftwaffe und der Marine zu Bekanntheit gebracht haben". Dementsprechend stehen die militärischen Erfolge und ihre Meriten, vom Eisernen Kreuz bis zum Goldenen Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und die Verleihung anderer Orden im Mittelpunkt der 3-4seitigen Kurzporträts.
Mit 13 Vertretern nehmen die Kommandeure der Waffen-SS mit vier Obertsgruppenführern bis hinunter zu zwei Standartenführern mehr als die Hälfte des 90seitigen Bandes ein. Demgegenüber sind den Kommandeuren der Marine sechs, und denen der Luftwaffe sieben Porträts gewidmet.
Gerade bei den Angehörigen der Waffen-SS, die mehr oder weniger auf irgendeine Art in in Kriegsverbrechen verstrickt waren, sind nähere Anmerkungen hierzu im Gegensatz zu ihren (vermeintlichen) Verdiensten mitunter spärlich. Dasselbe gilt für eine teilweise recht milde Terminologie und Hinweise auf das Leben der Akteure nach ihrer Haftentlassung. So heißt es: Beim "Röhm-Putsch" von 1934 stellten Josef Dietrich und seine "Leibstandarte", die Hinrichtungsgruppe auf, der viele SA-Führer zum Opfer fallen sollten. (Seite 9): Mörderbande wäre hier treffender. Ohne die Nennung der Quelle (die es offenbar gar nicht gibt) wird die oftmals kolportierte Behauptung wiederholt, "Dietrich habe seine Ablehnung der Vernichtung der europäischen Juden klar zum Ausdruck gebracht" (S. 10). Unglaubwürdig, denn seit 1928 Mitglied von NSDAP und SS, zeitlebens überzeugter Anhänger der NS-Weltanschauung, blieb Dietrich auch nach seinen Haftstrafen bis zu seinem Tode im Jahre 1966 ein Ewiggestriger, der sich in der "Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS" ("HIAG") engagierte. Bei Paul Hausser, heißt es zwar, dass gegen ihn nie persönliche Anklagen wegen Kriegsverbrechen vorgebracht wurden (S. 13). Dass dies möglicherweise auf seine Tätigkeit in "Historical Division" zurückzuführen war, in der unter der Leitung des Heeresgeneralstabschefs Franz Halder hohe deutsche Militärs für den US-amerikanischen Geheimdienst Studien zu einer Geschichte der deutschen Operationen im Zweiten Weltkrieg erarbeiteten, wird jedoch verschwiegen. Die "HIAG" wird als Verband bezeichnet; kein Wort darüber das sich diese rechtsextreme Vereinigung bis zur ihrer Selbstauflösung ein Gegenstand der Bundesdeutschen Verfassungsschutzberichte gewesen ist. Ebenso kein Hinweis darauf, dass sich Hausser bei den Nürnberger Prozessen energisch darum bemühte, die Waffen-SS als eine unpolitische Truppe hinzustellen, wie die Wehrmacht eine gewesen sei. Als sei ihm der Begriff des Weltanschauungssoldaten unbekannt. Zu Herbert Otto Gille erfährt der Leser nicht, dass er Herausgeber des "Wiking-Ruf" und Mitglied der "Bruderschaft" war, einer Vereinigung von Altnazis, die die junge Bundesrepublik Deutschland unterwandern wollte. Zu Theodor Eicke wird bemerkt, dass er versuchte Tausende von KZ-Wächtern in kampftüchtige Soldaten zu verwandeln. Kein Wort zur beiderseitigen Fluktuation zwischen KZ und Waffen-SS.
Neben den als Hauptkriegsverbrechern angeklagten Großadmiralen Karl Dönitz und Erich Raeder, kann die Marine mit Otto Kretschmer, Hans-Rudolf Rösing auch einen Offizier und einen U-Bootkommandanten vorweisen, die in der Bundesmarine bis in den Rang eines Flottillenadmirals, bzw. Konteradmiral aufsteigen sollten. Während Generalfeldmarschall Albert Kesselring und Kurt Student verurteilt, Hugo Sperrle freigesprochen wurde, stiegen der Jagdflieger Adolf Galland und der General der Fallschirmtruppe, Eugen Meindl, zu legendären Ikonen auf.
Neben zahlreichen schwarzweißen Fotos zeigen acht obligate Farbtafeln alle Kommandeure in mehr oder weniger "vollem Putz", der in Anmerkungen näher erläutert wird. timediver® hält die von der Edition Lampertz herausgegebenen illustrierten Bände zur Militärgeschichte der Menschheit grundsätzlich für angemessen, findet aber diese Form der Präsentation von Personen, die zum überwiegenden Teil Kriegsverbrecher und Feinde der Bundesrepublik Deutschland gewesen sind, für bedenklich. Nicht zuletzt deshalb, weil dadurch die Gefahr einer falsch verstandenen Heldenverehrung heraufbeschwört werden kann.
2 Amazonsterne für die Minderheit der Unbelasteten, die in dem Band vorgestellt werden, den niemand braucht.