Voll Hoffnung, endlich die dringend nötige, zeitgemäß erzählte, geraffte und wirklich neue Version der spannenden Sagen gefunden zu haben, las ich in die Kapitel der Nibelungensage hinein - um kräftig vor den Kopf gestoßen zu werden. Nicht nur, dass die Sprache völlig veraltet, schwülstig und geschraubt wirkt
(S. 141: Fürwahr, das ist Freundespflicht", versetzte der Recke, der ein halbes Hundert Schlachten mit seinem Herrn geschlagen...... Gefährlich in seinem Zorn ist ein Weib", mahnte der Gote. S. 144: Ein gutes Schwert und ein lieber Freund, was kann einem Helden besser frommen? etc. etc.), was vor allem angesichts eines Zielpublikums ab 10 Jahren einfach völlig danebengreift, sondern man sieht sich auch mit Wendungen konfrontiert, die - es muss gesagt sein - mitunter so deutschtümelnd wirken, dass eine wenig sensibel (oder gar nicht?) überarbeitete Vorlage aus der Zeit zwischen 1938 und 1945 nahe liegt (z.B. S. 149: Tronje: Nun brichst du wieder an, Zeit der Sonnenwende. Auf den Höhen des Odenwaldes werden bald die Feuer lodern, werden über den flammenden Holzstoß Arm in Arm Burschen und Mädchen springen. Werden meine Augen noch einmal Heimat sehen?"). Auch die allzu einseitig-negative Darstellung der Hunnen als Schlitzäugige Hunnenbrut" (S. 142, 152), als schmächtige, feige, ehrlose, hinterhältige Gelbgesichter (S. 142 und folgende) im Vergleich zu den fast übermenschlich tapferen, heldenhaften und schönen deutschen Recken gibt zu denken.
Insgesamt also schlecht lesbar und mehr als überflüssig. Zehn- bis Vierzehnjährige interessieren sich zwar für den Stoff, werden aber erfahrungsgemäß von Büchern dieser Art, bei denen sie zum Verständnis ein Wörterbuch brauchen, nur vom Lesen abgeschreckt.