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Produktinformation
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Die Fragen, die dem vierten, den Jahren 1914 bis 1949 gewidmeten Band aus dieser Perspektive unterlegt sind, sind die nach den Ursachen für das Scheitern der Weimarer Republik und den darauf folgenden Absturz der deutschen Kulturnation in die Barbarei des Nationalsozialismus und des Holocaust. Kennzeichnend für das "Zeitalter der Extreme" ist die Radikalisierung der politischen Ränder. Der Würgegriff des totalitär-revolutionären Kommunismus auf der einen und des im Nationalsozialismus gipfelnden radikalen Nationalismus auf der anderen Seite, so Wehlers Fazit, mussten Weimar die Luft abschnüren.
Im Anschluss daran konzentriert sich die Analyse vor allem auf die zwölfjährige NS-Diktatur. Interessant ist hier, welche Aufmerksamkeit Wehler, dem gewiss nicht nachgesagt werden kann, die vielfältigen gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen im Vorfeld der "Machtergreifung" von 1933 in ihrer Bedeutung zu unterschätzen, der Person Adolf Hitler widmet. Ohne dessen "charismatische Herrschaft" -- die freilich ein entsprechendes gesellschaftliches Bedürfnis voraussetzte -- hätte es die auf nichts als Vernichtung zielende "Rassenpoltik" der Nationalsozialisten nicht gegeben. Dabei übersieht der Autor keineswegs, dass die Vernichtungspolitik der Nazis sich nicht nur in den großen Vernichtungsfabriken vollzog, sondern in nicht minderem Umfang durch die zahlreichen Erschießungskommandos hinter der Front vollstreckt wurde.
Der 50-seitige Schlussteil, der die "Folgen des zweiten verlorenen Totalen Krieges" bis zum Jahr 1949 resümiert, ist bereits Überleitung zum fünften und abschließenden Band, auf den wir bereits gespannt warten. --Andreas Vierecke
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Ich war in mehrerer Hinsicht positiv überrascht. Zum einen demonstriert Wehler Lernfähigkeit. Gerade hier im 4. Band gibt er das "Primat der Gesellschaft" auf, indem er - in Bezug auf das Dritte Reich - der politischen Geschichte den Vorrang einräumt und Hitler im Sinne Max Webers und in Anlehnung an Ian Kershaw als "charismatischen Führer" bezeichnet. Allerdings erliegt er keine hitlerzentristischen Geschichtsschreibung, da Wehler immer wieder die Wechselwirkung zwischen folgebereiter Gesellschaft und dem charismatischen Führer belegt: "Zwar ist der Forschungsbefund "Nichts ist so kontrovers wie die Deutung Hitlers" (L. Herbst) häufig wiederholt worden. doch läßt sich, wenn man der Leitkonzeption der charismatischen Herrschaft folgt, eine durch ihre Konsistenz und Erklärungskraft anderen Deutungen überlegene Interpretation gewinnen, die sowohl der unbestreitbaren Sonderrolle Hitlers als auch der inneren Verfassung der deutschen Gesellschaft gerecht wird, indem sie beide dank ihrer "Wahlverwandschaft" (M. Weber) aufeinander bezieht" (S. 598). In Anlehnung an den verstorbenen Historiker Martin Broszat plädiert Wehler für eine "Historisierung des Nationalsozialismus", in der der Nationalsozialismus nicht mehr als Einbruch des Schrecklichen in eine unversehrte deutsche Lebenswelt verkannt werde, sondern aus den inneren Zusammenhängen der neueren deutschen Geschichte zu begreifen sei (S. 991). Die atemberaubende Erfolgsgeschichte Hitlers sei nur aus den politischen Traditionen und mentalen Dispositionen, den Machtverhältnissen und Elitenkoalitionen, den Verletzungen und Ressentiments der modernen deutschen Geschichte zu verstehen. Charismatische Herrschaft, wertneutral und nicht positiv zu verstehen, sei nicht möglich ohne eine den Charismaträger unterstützenden Gesellschaft.
Dies alles wird von Wehler pointiert und überzeugend dargelegt, wobei Hitler in der Tat als "starker Diktator" begriffen wird, der letzten Endes auch die Verantwortung für die Judenvernichtung und den Holocaust trage, da sie seinem rassistsichen Weltbild entspräche. Aufgrund seiner omnipotenten Führerschaft habe Hitler ein Interprationsmonopol in diesen Fragen besessen (S. 655, Kapitel: Staatliche Rassenpolitik). Dies ist alles korrekt, wobei Wehler dennoch zeigt, dass dieser Radikalantisemitismus durch die Reichsbevölkerung passiv geduldet oder gar hämisch gebilligt worden sei. Daniel Goldhagens Legende von einem "Eliminatorischen Antisemistismus", der sich angeblich seit Jahrhunderten in der deutschen Staatenwelt aufgestaut habe, weist Wehler - zutreffend - zurück.
Es bleibt zu konstatieren, dass Wehlers Thesen korrekt sind, wenn sie auch nicht in das Bild derjenigen Historiker passen, die die Rolle Hitlers als "schwachen Diktator" einschätzen.
Wehler hat auch zahlreiche Thesen aus seinem ersten Buch über das deutsche Kaiserreich relativiert. So steht er insbesondere der "Sonderwegsthese" inzwischen kritischer gegenüber, was im Vorwort in seiner Auseinandersetzung mit Heinrich August Winklers: "Der lange Weg nach Westen" verdeutlicht wird (ich halte - im Gegensatz zu Wehler, Winklers Buch jedoch ebenfalls für ein großartiges Geschichtswerk und teile Wehlers Ansichten zu diesem Werk nicht). So entdeckt er an dem Kaiserreich, in welchem im Vergleich zum Dritten Reich "Rechtssicherheit" vorgeherrscht habe, auch positive Seiten, die man in seinem Erstling ganz und gar vermisst. Dies zeigt jedoch die Lernfähigkeit Wehlers und die Bereitschaft, eigene Weltbilder in Frage zu stellen.
Negativ ist anzumerken, dass es bisweilen - mir zu pauschale - Kritik an Historikern gibt - etwa Winkler - mit denen Wehler nicht übereinstimmt. Außerdem ist der Anmerkungsapparat unübersichtlich, so dass er kaum überprüfbar ist. Dies gilt leider für alle Wehlerschen Publikationen.
Fazit: Das Werk wird - aller kritischen Einwände zum Trotz - ein Meisterwerk der Geschichtsschreibung bleiben. Der Anspruch, eine Synthese zu wagen zwischen chronologischer Ereignisgeschichte und problemorientierter Analyse und Erklärung wesentlicher Erscheinungen des historischen Prozesses, ist gelungen.
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