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Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Gesamtwerk: Deutsche Gesellschaftsgeschichte 1914 - 1949: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten: Bd. 4
 
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Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Gesamtwerk: Deutsche Gesellschaftsgeschichte 1914 - 1949: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten: Bd. 4 [Gebundene Ausgabe]

Hans-Ulrich Wehler
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation


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Hans-Ulrich Wehler
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Mit dem vierten und vorletzten Band seiner Deutschen Gesellschaftsgeschichte nähert sich Hans-Ulrich Wehlers Großprojekt seinem Ende. Schon jetzt dürfen wir resümieren: Nicht nur gemessen an seinem Umfang ist das ein großes Werk. Vor nunmehr drei Jahrzehnten hat der Autor seine Arbeit daran mit der Maxime begonnen, dass dabei nicht eine politische Geschichte im herkömmlichen Sinne herauskommen, sondern vielmehr die Genese der Gesellschaft als Wurzelgrund, aber auch Ergebnis des politisch-historischen Geschehens nachgezeichnet werden sollte.

Die Fragen, die dem vierten, den Jahren 1914 bis 1949 gewidmeten Band aus dieser Perspektive unterlegt sind, sind die nach den Ursachen für das Scheitern der Weimarer Republik und den darauf folgenden Absturz der deutschen Kulturnation in die Barbarei des Nationalsozialismus und des Holocaust. Kennzeichnend für das "Zeitalter der Extreme" ist die Radikalisierung der politischen Ränder. Der Würgegriff des totalitär-revolutionären Kommunismus auf der einen und des im Nationalsozialismus gipfelnden radikalen Nationalismus auf der anderen Seite, so Wehlers Fazit, mussten Weimar die Luft abschnüren.

Im Anschluss daran konzentriert sich die Analyse vor allem auf die zwölfjährige NS-Diktatur. Interessant ist hier, welche Aufmerksamkeit Wehler, dem gewiss nicht nachgesagt werden kann, die vielfältigen gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen im Vorfeld der "Machtergreifung" von 1933 in ihrer Bedeutung zu unterschätzen, der Person Adolf Hitler widmet. Ohne dessen "charismatische Herrschaft" -- die freilich ein entsprechendes gesellschaftliches Bedürfnis voraussetzte -- hätte es die auf nichts als Vernichtung zielende "Rassenpoltik" der Nationalsozialisten nicht gegeben. Dabei übersieht der Autor keineswegs, dass die Vernichtungspolitik der Nazis sich nicht nur in den großen Vernichtungsfabriken vollzog, sondern in nicht minderem Umfang durch die zahlreichen Erschießungskommandos hinter der Front vollstreckt wurde.

Der 50-seitige Schlussteil, der die "Folgen des zweiten verlorenen Totalen Krieges" bis zum Jahr 1949 resümiert, ist bereits Überleitung zum fünften und abschließenden Band, auf den wir bereits gespannt warten. --Andreas Vierecke

Pressestimmen

" Dies ist ein grandioses Werk, eines der bedeutendsten der deutschen Geschichtswissenschaft der letzten Jahre. Wer die deutsche Geschichte im Zeitalter der Extreme verstehen will, der muss dieses Buch gelesen haben." (Die Zeit)


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Bernhard Nowak TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Hans-Ulrich Wehler hat mit dem vierten Band seiner Deutschen Gesellschaftsgeschichte ein wahres Meisterwerk vorgelegt. Es ist eine unglaubliche Leistung, ein derartiges Projekt - vier Bände über die deutsche Gesellschaftsgeschichte - zu wagen und mit Bravour zu bestehen. Denn es handelt sich um ein wichtiges Standardwerk zur Deutschen Geschichte, ähnlich wie es meines Wissens nur der britische Marxist Hobsbawm in seinem "Zeitalter der Extreme" vorgelegt hat, in dessen Tradition Wehler steht.

Ich war in mehrerer Hinsicht positiv überrascht. Zum einen demonstriert Wehler Lernfähigkeit. Gerade hier im 4. Band gibt er das "Primat der Gesellschaft" auf, indem er - in Bezug auf das Dritte Reich - der politischen Geschichte den Vorrang einräumt und Hitler im Sinne Max Webers und in Anlehnung an Ian Kershaw als "charismatischen Führer" bezeichnet. Allerdings erliegt er keine hitlerzentristischen Geschichtsschreibung, da Wehler immer wieder die Wechselwirkung zwischen folgebereiter Gesellschaft und dem charismatischen Führer belegt: "Zwar ist der Forschungsbefund "Nichts ist so kontrovers wie die Deutung Hitlers" (L. Herbst) häufig wiederholt worden. doch läßt sich, wenn man der Leitkonzeption der charismatischen Herrschaft folgt, eine durch ihre Konsistenz und Erklärungskraft anderen Deutungen überlegene Interpretation gewinnen, die sowohl der unbestreitbaren Sonderrolle Hitlers als auch der inneren Verfassung der deutschen Gesellschaft gerecht wird, indem sie beide dank ihrer "Wahlverwandschaft" (M. Weber) aufeinander bezieht" (S. 598). In Anlehnung an den verstorbenen Historiker Martin Broszat plädiert Wehler für eine "Historisierung des Nationalsozialismus", in der der Nationalsozialismus nicht mehr als Einbruch des Schrecklichen in eine unversehrte deutsche Lebenswelt verkannt werde, sondern aus den inneren Zusammenhängen der neueren deutschen Geschichte zu begreifen sei (S. 991). Die atemberaubende Erfolgsgeschichte Hitlers sei nur aus den politischen Traditionen und mentalen Dispositionen, den Machtverhältnissen und Elitenkoalitionen, den Verletzungen und Ressentiments der modernen deutschen Geschichte zu verstehen. Charismatische Herrschaft, wertneutral und nicht positiv zu verstehen, sei nicht möglich ohne eine den Charismaträger unterstützenden Gesellschaft.

Dies alles wird von Wehler pointiert und überzeugend dargelegt, wobei Hitler in der Tat als "starker Diktator" begriffen wird, der letzten Endes auch die Verantwortung für die Judenvernichtung und den Holocaust trage, da sie seinem rassistsichen Weltbild entspräche. Aufgrund seiner omnipotenten Führerschaft habe Hitler ein Interprationsmonopol in diesen Fragen besessen (S. 655, Kapitel: Staatliche Rassenpolitik). Dies ist alles korrekt, wobei Wehler dennoch zeigt, dass dieser Radikalantisemitismus durch die Reichsbevölkerung passiv geduldet oder gar hämisch gebilligt worden sei. Daniel Goldhagens Legende von einem "Eliminatorischen Antisemistismus", der sich angeblich seit Jahrhunderten in der deutschen Staatenwelt aufgestaut habe, weist Wehler - zutreffend - zurück.

Es bleibt zu konstatieren, dass Wehlers Thesen korrekt sind, wenn sie auch nicht in das Bild derjenigen Historiker passen, die die Rolle Hitlers als "schwachen Diktator" einschätzen.

Wehler hat auch zahlreiche Thesen aus seinem ersten Buch über das deutsche Kaiserreich relativiert. So steht er insbesondere der "Sonderwegsthese" inzwischen kritischer gegenüber, was im Vorwort in seiner Auseinandersetzung mit Heinrich August Winklers: "Der lange Weg nach Westen" verdeutlicht wird (ich halte - im Gegensatz zu Wehler, Winklers Buch jedoch ebenfalls für ein großartiges Geschichtswerk und teile Wehlers Ansichten zu diesem Werk nicht). So entdeckt er an dem Kaiserreich, in welchem im Vergleich zum Dritten Reich "Rechtssicherheit" vorgeherrscht habe, auch positive Seiten, die man in seinem Erstling ganz und gar vermisst. Dies zeigt jedoch die Lernfähigkeit Wehlers und die Bereitschaft, eigene Weltbilder in Frage zu stellen.

Negativ ist anzumerken, dass es bisweilen - mir zu pauschale - Kritik an Historikern gibt - etwa Winkler - mit denen Wehler nicht übereinstimmt. Außerdem ist der Anmerkungsapparat unübersichtlich, so dass er kaum überprüfbar ist. Dies gilt leider für alle Wehlerschen Publikationen.

Fazit: Das Werk wird - aller kritischen Einwände zum Trotz - ein Meisterwerk der Geschichtsschreibung bleiben. Der Anspruch, eine Synthese zu wagen zwischen chronologischer Ereignisgeschichte und problemorientierter Analyse und Erklärung wesentlicher Erscheinungen des historischen Prozesses, ist gelungen.

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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Volkmar Weiss TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Mit seinen ersten drei Bänden zur „Deutschen Gesellschaftsgeschichte" steht Wehler beispielhaft für eine Art Geschichtsschreibung und Geschichtsforschung, bei der die Geschichte der politischen Ereignisse und der sie gestaltenden Personen hinter die langfristigen Determinanten der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte zurücktritt. Bei dieser Auffassung von Geschichte sind nicht die politischen Führer die Treibenden, sondern von der allgemeinen Entwicklung Getriebene mit nur begrenzten Freiheitsgraden der Entscheidung. Diese in den ersten drei Bänden von Wehler in vorbildlicher Weise durchgehaltene Sicht der Geschichtsbetrachtung wird im vierten Band durchbrochen, indem Hitler als Persönlichkeit eine besondere Rolle zugeschrieben wird. Wehlers Kritiker werden sich an diesem Punkt und an seinen Wertungen festbeißen. Aber dort, wo Wehler ganz zu Hause ist, also z.B. in der Bildungsgeschichte, bei der Entwicklung der Sozialstruktur und des sozialen Auf- und Abstiegs, da ist auch dieser vierte Band zweifellos wieder eine Fundgrube an Gelehrsamkeit und überragender Kompetenz. Beeindruckend ist die Übersicht über die Fachliteratur. Schade nur, daß man bei den statistischen Zahlen, die er nennt, bei seiner Zitierweise nie richtig weiß, aus welcher Quelle er sie eigentlich entnommen hat, was aber für die kritische Bewertung oft wichtig wäre. Dieser Versuch, mit seiner Schreibweise praktisch als Schiedsrichter über den Fakten zu schweben, ist eine durchgängige Eigenschaft aller dieser vier Bände. Wenn Wehler feststellt, daß die deutsche Wirtschaft 1928 und dann schon wieder 1950 - trotz zweier verlorener Kriege - wieder das jeweilige Vorkriegsniveau überschritten hatte und auf dem Vormarsch war - dann richtet sich sein Blick auf die eigentlichen Konstanten der geschichtlichen Entwicklung, an deren Bedeutung er in diesem Band selbst etwas weniger zu glauben scheint. Man darf jetzt schon auf den noch ausstehenden fünften Band des "Harry Potters der Historiker" gespannt sein.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Unbedingte Empfehlung 27. April 2010
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Hier handelt es sich nach meinem Dafürhalten um _das_ moderne Standardwerk zur neueren deutschen Geschichte. Nachdem ich schon den 5. und letzten Band der "Deutschen Gesellschaftsgeschichte" mit großem Gewinn gelesen hatte, habe ich mich entschlossen, mir die komplette Reihe vom ersten Band an vorzunehmen. Dabei brauche ich für jeden Band Monate...

Band 1 umfasst offiziell zwar den Zeitraum von 1700 bis 1815, jedoch holt Wehler zunächst weit bis in die frühe Neuzeit aus, um den Faden aufzunehmen.

"Weit ausholen" ist auch die richtige Bezeichnung für das, was Wehler methodisch macht. Um seine Herangehensweise und Methodik zu erläutern, werden zu Beginn des ersten Bandes rund 25 Seiten gebraucht. Am Anfang etwas lästig, aber man sollte dennoch nicht darauf verzichten, um das Opus auch richtig - und hier meine ich "völlig richtig" - zu verstehen.

Wehlers Ansatz ist multikausal. Er sieht die Gebiete Ökonomie, Politik und Kultur mit einer begrenzten Autonomie und der Fähigkeit, die historische Entwicklung voranzutreiben und auf die jeweils anderen Komponenten einzuwirken. Damit richtet sich Wehlers Ansatz gegen den vulgärmarxistischen Primat der Ökonomie. Auf dieser Grundlage entwickelt Wehler ein noch feineres Interpretationsmuster, das hier nicht weiter dargestellt werden soll, wie ich überhaupt nur auf die für mich wichtigsten Aspekte eingehe.

Umfang und Detailgenauigkeit des Werks sind überwältigend. Dabei verliert sich Wehler aber nie im Detail und webt immer wieder den Hintergrund der großen Zusammenhänge ein. Bei der ungeheuren Materialfülle fragt man sich nur, ob der Autor die zehntausenden, wenn nicht hunderttausenden Seiten der verwendeten Literatur alle selbst gelesen und verarbeitet hat und inwieweit wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden zugearbeitet haben.

Wehlers Stil hält genau die Grenze zwischen Lesbarkeit und wissenschaftlichem Anspruch. Formulierfreude und Leidenschaft in der Auseinandersetzung mit anderen wissenschaftlichen Positionen sind überaus deutlich. Teils wird Wehler geradezu süffisant, vor allem, wenn es um die Abkanzelung wissenschaftlicher oder historischer Personen geht. Am "überschätzten" Freiherr vom und zum Stein lässt er z. B. kaum ein gutes Haar.

Dreh- und Angelpunkt dieses Teils der deutschen Geschichte ist für Wehler die Französische Revolution mit ihren massiven direkten als auch indirekten Auswirkungen auf Deutschland. Durchaus spannend wird die Aufholjagd Deutschlands in der nur teilweise gelungenen "defensiven Modernisierung" beschrieben.

Ohne weiteres lassen sich auch einzelne Kapitel des Buches separat lesen. Hochinteressant fand ich z. B. die Kapitel, die sich der Entwicklung des Schul- und Hochschulwesens widmen, in denen Wehler, wie auch an anderer Stelle des Buches, mit einigen Mythen aufräumt.

Einzelne Abschnitt sind so gelungen, dass sie mit Fug und Recht eine eigene kleine Veröffentlichung verdient hätten. So ist etwa die Darstellung der Entstehung des deutschen Nationalismus als brillant zu bezeichnen. -

Noch einiges zur Edition. Die Literatur, die in den Quellen bzw. Fußnoten verarbeitet und angegeben wird, dürfte bis zum jeweiligen Veröffentlichungsdatum (bei Band 1: 1987) erschöpfend den wissenschaftlichen Stand wiedergeben. Ein Literaturverzeichnis fehlt jedoch, und da eine bibliographische Kurzangabe nur bei der jeweils ersten Nennung gemacht wird, ist es sehr schwer, die jeweilige Literatur konkret aufzufinden.

Wehler verzichtet darauf, die Belegstellen direkt als Nachweis mit Fußnoten anzugeben (was jemand wie er sicher darf) und gibt stattdessen jeweils nach einigen Sätzen oder Absätzen seine Quellen nur summarisch an. Das gilt häufig auch für Zitate. -

Zum Abschluss des Bandes haben mich einige Passagen sehr nachdenklich gemacht, in denen Wehler beschreibt, wie die Menschen um 1800 herum die damalige Zeit wahrgenommen haben. Er zitiert u. a. Johanna Schopenhauer, die 1839 schrieb: "Mit verdreifachter und vervierfachter Schnelle gehen Leben und Reisen;... sogar die Stunden galoppieren" im Vergleich mit "jener alten ehrlichen Zeit" vor 1789, "deren Gebräuche und Lebensweise uns jetzt so fern zu liegen scheinen, als wären sie durch Jahrhunderte von uns getrennt, obgleich seit ihrem völligen Erlöschen kaum fünfzig Jahre vorübergezogen sind".

Was würden Menschen der damaligen Zeit über uns heutige Bürger im Zeitalter des Internet und der "Social Media" zu Beginn des 21. Jahrhunderts sagen? Wahrscheinlich würden sie glauben, wir sind verrückt.
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