Vorab: Rudolf Vierhaus kennt seinen Forschungsgegenstand. Der Historiker nimmt sich hier "Deutschland" im Zeitalter des Absolutismus vor, den Vierhaus mit 1648 beginnen lässt, dem Westfälischen Frieden, der den Fürsten größere Souveränität gewährte. 1763 steht für den Frieden von Hubertusburg, also das Ende der Österreichisch-Preußischen Kriege. Mit dem nicht wirklich zeitgenössischen Ausdruck "Absolutismus" zeigt Vierhaus an, dass es um eine "staats"-zentrierte Betrachtung geht.
Wann sollte man es lesen? Wenn es nur um Ereignisgeschichte gehen soll, wenn etwa vor einer Vorlesung etc. das "Fakten"-Gerüst noch fehlen sollte.
Dafür gibt es drei Sterne. Die weiteren zwei gibt es aus folgenden Gründen leider nicht: gerade in dieser Zeit läuft neben der Ereignisgeschichte und den "großen" Dingen noch soviel anderes, was vielleicht noch eher Raum im Buch verdient hätte. Ein "Deutschland" gab es schon einmal kaum. Es gab Territorien mannigfaltigster Art, darüber als loser Dachverband ein "Reich"/Imperium Romanum. Da ein "Deutschland" zu behaupten, ist tiefstes 19. Jahrhundert, geschichtswissenschaftlich betrachtet. Schließlich gibt es starke Gegenkandidaten: diverse Monographien, etwa die des früh verstorbenen Volker Press, oder auch die Oldenbourg-Reihe, die stärker die offenen Geschichts-Probleme aufgreift, und den 'Gebhardt'. Mein Exemplar ist mittlerweile umzugsbedingt bei einer Stadtbücherei gelandet.
Zusammengefasst: Vierhaus' "Deutschland im Zeitalter des Absolutismus" kann als rascher Faktenschmöker hilfreich, andere Bücher könnten jedoch noch besser sein.