Aus der Amazon.de-Redaktion
Man lasse sich von der Bezeichnung Taschenbuch nicht täuschen: fast tausend Seiten, Dünndruck. Es handelt sich um das Opus Magnum des amerikanischen Historikers, erschienen vor 20 Jahren, hervorragend übersetzt von Karl Heinz Siber. Ein Standardwerk, jetzt in preiswerter Form zugänglich.
Craig schreibt die Geschichte des Deutschen Reiches. Dazu setzt er mit dem Sieg Preußens über Österreich 1866 bei Königgrätz ein, als die Weichen endgültig für die "kleindeutsche Lösung" gestellt wurden: die Einheit Deutschlands unter Preußens Führung und Ausschluß Österreichs. Das Buch endet mit dem Untergang 1945. Eine gewaltige Stoffmasse, die Craig erzählend bändigen muß. Er wählt dazu einen Mittelweg, berücksichtigt die "großen Männer" (allen voran Bismarck) ebenso wie die gewundenen Wege der internationalen Diplomatie und großen Linien der wirtschaftlichen Entwicklung (etwa bei der Reparationsfrage der Jahre 1919-23), kommt aber immer wieder auch auf Mentalitäten zu sprechen (etwa die der führenden Schichten der Weimarer Republik).
In einem Punkt ist die Forschung inzwischen weiter: Die Militärgeschichtsschreibung hat in den zurückliegenden drei Jahrzehnten die unmittelbare Beteiligung von Teilen der Wehrmacht an den Greueln des Völkermords im Osten Europas zweifelsfrei bewiesen und detailreich dargestellt. Als Craig schrieb, lag das alles noch nicht so deutlich zutage, aber der Leser von heute sucht in einem Standardwerk doch Aufklärung über diese Zusammenhänge, deren Bewertung bis heute imstande ist, die Nation tief zu spalten; die Diskussionen um die Wehrmachtsausstellung haben das gezeigt. --Michael Winteroll
Kurzbeschreibung
Gordon A. Craigs erfolgreiches Buch "Deutsche Geschichte 1866-1945" ist eine umfassende Darstellung nicht nur der Geschichte von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft, sondern auch der Entwicklung von Erziehung und Kultur vom Kaiserreich bis zur Epoche des Nationalsozialismus. Gordon A. Craigs "Buch ist ein Lesevergnügen, was man von vielen der heute modischen Geschichtsanalysen und Geschichtsdeutungen nicht sagen kann - Alles wird lebendig, keine Person tritt auf, ohne knapp und einprägsam charakterisiert zu werden, das vergessene politische und diplomatische Intrigenspiel von einst wird wieder spannend gemacht, und die ungeheure Detailfülle ist mit Meisterhand arrangiert und komponiert, so daß der Leser nie den Überblick verliert."
Autorenporträt
Gordon A. Craig, emeritierter J. E. Wallace Sterling Professor für Geisteswissenschaften an der Universität Stanford hat zahlreiche Werke zur Deutschen Geschichte veröffentlicht. Er erhielt u.a. den Historikerpreis der Stadt Münster für sein Werk Deutsche Geschichte 1866-1945. Er ist Mitglied des Ordens "Pour le merite".