Formal muss ich dem Vorrezensenten natürlich recht geben. Hier wird aber das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Von formalen Kriterien sollte sich keiner abhalten lassen, das Werk eines großen deutschen Dichters kennenzulernen. Versäumen Sie keinesfalls, einen Blick in dieses Werk zu tun, wenn Sie nicht schon eine andere Ausgabe besitzen.
Der schon mit 30 Jahren verstorbene Paul Fleming, der eigentlich Medizin und Philosophie studiert hatte, gehört zu den eindrucksvolleren Figuren unter der an sich schon bedeutenden Anzahl herausragender Dichter der Zeit des 30-jährigen Krieges.
Angesichts der ungeheuren Melodiosität einiger seiner Gedichte bin ich fast versucht, ihn den ersten deutschen Liedermacher zu nennen.
Einerseits ist er der Dichter religiöser Ergüsse und Anbeter seines Fürsten und Brotgebers.
Er hat auch endlos lange Gedichte auf Namenstage, Fürsten und die Lage Deutschlands verbrochen, voller Mythologie und Längen, die ich mir nicht alle bis zumm Ende angetan habe.
Daneben aber weist sein Werk wunderschöne und berührende Trauergedichte auf, in denen er ein großes lyrisches Talent offenbart.
Etwas Kürzung hätte diesem Band wohl angestanden, aber das gilt ja für die meisten längeren Sammlungen.
Die großen seiner Gedichte sind unglaublich lebens- wie auch todesnah und in der deutschen Lyrik von seltener Eindringlichkeit.
Viele Gedichte befassen sich mit alltäglichen Lebenssituationen, vor allem mit dem damals allgegenwärtigen Tod.
Beispiele: Gedichte auf den Tod von drei Kindern der gleichen Familie, auf den Tod eines Ehegatten einer kranken Witwe und anschließend noch auf deren eigenen Tod.
Fleming gelingt es, diese Schicksalsschläge ohne Larmoyanz, mit einer Lyrik voller menschlichen Wärme und Ausdruck des Mitgefühls angesichts des Leidens seiner Zeitgenossen
in Verse zu fassen. In diesem Sinne würde ich sein Werk als im besten Sinne human bezeichnen.