Diese CD aus der genialen Bear-Family/Arild-Rafalzik-Reihe "Deutsche Filmkomponisten" hat diesmal Erwin Halletz zum Thema. Halletz kann man neben Peter Thomas und noch einer Handvoll anderer als den umtriebigsten und vielseitigsten Filmkomponisten der 60er und 70er Jahre einstufen. Dies zu beweisen gelingt dieser CD ohne Mühe: Der Titeltrack aus dem 55er Kultfilm "Liane, das Mädchen aus dem Urwald" gibt sich mit viel Percussion und Halletz' Vokalperformance als Urwaldschreihals gewohnt ausdrucksstark während wir bei Titel 2 in das Genre kommen, mit dem man Halletz am ehesten verbindet: Das B-Klasse Movie. "Night is Over" aus dem kracherten "Das Stundenhotel von St. Pauli" offeriert des Komponisten Liebe zum "Jazzarrangement für großes Klassikorchester"; Nummer 3 aus demselben Streifen ist ein wunderbar arrangiertes Liebesthema. Der für seine Zeit äußerst derb und sprachlich forsch daherkommende Rolf-Olsen-Knüller "Das Rasthaus der grausamen Puppen" (allein bei solchen Filmtiteln müssen einem die Ohren klingen) bekam von Halletz neben dem tollen Don-Adams-Vokaltitel "Dirty Angels" den hier enthaltenen Uptempo-Fox "Blue Dreams" verpasst, wobei besonders die Rhythmusspielereien und die Pianoeinsätze gefallen. Für den 1966 von Alfred Weidenmann meisterhaft trist und melancholisch inszenierten Film "Maigret und sein größter Fall" serviert Halletz stilbewusst ein so wundervolles Akkordeon-Thema als Titelmusik, das man eigentlich hier länger verweilen könnte. Die folgenden Musiken (Track 6 - 10) sind Besitzern der "Karl-May-Box" aus gleichem Hause nicht unbekannt, mexikanische und lateinamerikanische Tracks mit viel Charme. Interessant wird's wieder ab Titel 11 mit der treibenden Titelmusik zu Olsen's hochkarätig besetztem Western "Der letzte Ritt nach Santa Cruz" für den Halletz sich nicht lumpen läßt: Feurige Bläsersätze und anfeuerndes Schlagwerk geben gut Gas (11), spannungsteigernde Streicherkaskaden untermalen den explosiven und tragischen Filmtod der bezaubernden Marisa Mell (12) und ausgeflippte Gitarrensolisten geben dem vorzeitigen Ableben des hundsgemeinen Schergen Klaus Kinski Kontur. Danach geht's wieder relaxter zu: In wundervollem Stereo erschallt das extrem sympathische Titelthema aus dem stargespickten Episodenfilm "Das Liebeskarussel" gefolgt von den melodramatischen "Midnight Violins" aus "Liebe kann wie Gift sein". Halletz Einfühlungsvermögen in fremde Kulturkreise zeigt sich auch bei dem Anstelle des Originalscores in Deutschland eingefügten "Ball in der russischen Botschaft" aus "Anna Karenina", ein Walzer für besondere Anlässe. Hemdsärmlich marschiert die "Junge Garde" aus Olsen's "Die Kompanie der Knallköpfe" mit leichtfüßigem Beatschritt und großes Backroundchor. Mit der Titelmusik zu dem 1966 wieder von Olsen lancierten "In Frankfurt sind die Nächte heiß" (der Startschuß für die kommenden St-Pauli-Streifen) zaubert Halletz mit unverschähmt sonoren Posaunen und einem hämmernden Beat echte Gangsteratmosphäre ins heimische Wohnzimmer das es nur so raucht. Die Tracks 19 und 20 aus "DM-Killer" bieten reinrassigen Jazz, mal mehr in Richtung Easy Listening ("Lady Scarlet") dann wieder ins klassische "Schnell, Schnell" der Big-Band inklusive Bläserkaskaden und Solo ("Subway Melody"). "Blue Balloon" aus "Mädchen beim Frauenarzt", einem der zahlreichen Aufklärungsfilme die auch Halletz auf dem Konto hat, ist romantisch und einfühlsam und will so gar nicht zum recht reißerischen Filmtitel passen. Der "Party Cha-Cha" aus der deutschen Sleaze-Granate "Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn" ist zwar nur 1 Minute lang, doch das Stück ist in Bezug auf gute Laune und Mucke zum Mitschnippen das absolute Fest. "Perforation" aus dem ultimativen und in höchstem Maße spekulativen Retro-Party-Movie "Der Arzt von St. Pauli" braust nach einem sophisticated Einleitungsteil mit voller Fahrt ins große Tanzorchester mit viel Tempo und toller Instrumentierung. Eigentlich spricht ein Filmtitel wie "Shocking Asia - Sünde, Sex und Suriyaki", von Rolf Olsen (von wem sonst?) Anfang der 80er unter Pseudonym gedreht, für sich; doch Halletz bleibt uns mit seinem "Computerman" nichts schuldig, indem er Streicher mit Synthie mixt und das alles so unbefangen auftischt, das man auch an diesem Stück restlos Gefallen findet. "Blue Trumpet" aus dem zwar nicht unbedingt religiös, dafür aber umso trivialer geratenen "Der Pfarrer von St. Pauli" verwöhnt uns mit Heinz-Schachtner-Trompete und Wes-Montgomery-Gitarre bei einem anschmiegsamen Lounge-Beat für die gewissen Stunden zu zweit allein. Das instrumentale Stück (26) aus dem von Artur Brauner angeleierten Russ-Meyer-Streifen "Fanny Hill" besitzt eine schöne Melodie, die von Streichern, Bläsern und dem Cembalo kongenial dargeboten werden; das "Intermezzo Fortuna" aus dem "Bekenntnis der Ina Kahr" leidet zwar unter der doch sehr schlechten Tonqualität, bietet aber doch 50er Jahre Kintopp Herzschmerz der gehobenen Art. Titel 28 liefert typischen Lustspielsound dieser Zeit mit einer eingestreuten Klavierkonzertattitüde und versüßt den Besuch eines solchen Lichtspiels. Das 9-minütige "Potpourri" aus dem O. W. Fischer-Film "Peter Voss - Der Held des Tages" ist ein Elim für Freunde musikalischer Weltreisen und melodiöser Einfälle und weiß vollends zu begeistern. Als krönenden Abschluß entläßt uns diese CD mit dem von "Satchmo" Louis Armstrong himself vorgetragenen "Uncle Satchmo's Lullaby" und beschließt einen Querschnitt über das umfangreiche Schaffen des Erwin Halletz. Zusätzlich liefert das ungeheuer opulent ausgestattete Begleitbuch auf 80 Seiten neben Linernotes vom Komponisten höchstpersönlich sämtliche Plakate und viele Aushangfotos der verwendeten Filme. Diese CD ist, wie die gesamte Reihe, eine unbedingte Anschaffung und bietet Meisterwerke der ganz "Großen Deutschen Filmkomponisten" in bester Umsetzung. Muss man haben.