Goethe, Schiller, Kant, Schopenhauer, Beethoven oder Wagner - Namen, die den Deutschen nicht zu Unrecht den Namen des "Volkes der Denker und Dichter" und der Musik einbrachten. Aber nicht nur in Kunst und Philosophie zeichnete es sich aus, sondern gleichwohl in seinem Erfindergeist. Deutschland ist seit mindestens 200 Jahren ebenfalls eine Nation der Tüftler und Bastler. Und immer noch tut sich etwas zwischen Forschungslabor und Hobbykeller. Die Zahl der Patente steigt gerade wieder an, auch wenn von A wie Airbag bis Z wie Zahnpasta so ziemlich das ganze Alphabet an deutschen Erfindungen bereits belegt ist.
Anrufbeantworter, Aspirin und Auto, Blue Jeans, Computer, Dieselmotor, Dübel und Glühbirne, Kaffeefilter, MP3-Player und Mundharmonika, Teebeutel, Telefon oder Werkzeugmaschinen... unglaublich vielfältig ist die Palette an Erfindungen, denen der Stempel "Made in Germany" aufgedrückt werden kann. "Allein die Geschichte dieser 'Marke' ist einen Roman wert.", weiß Hannelore Holger alias Pia Blumenbach (angelehnt an den Zoologen und Anthropologen Johann Friedrich Blumenbach) in dem neuen Hörbuch aus dem Silberfuchsverlag zu berichten.
In einem fiktiven Gespräch eben erwähnter Pia Blumenbach, einer Wissenschaftsjournalistin, mit ihrem Kollegen Max Forster (dessen Name in Anlehnung an den großen Naturforscher Georg Forster entstand und von Dietmar Mues intoniert wird), hangelt sich das Hörbuch an deutschem Erfindungsreichtum entlang. "Made in Germany" soll das Buch des Autors heißen, das er gedenkt zu schreiben. Und bei der Entstehung und Ideenfindung zu diesem spannenden Werk nehmen die beiden Journalisten sowie ein neutraler Sprecher - intoniert von Holger Löwenberg - den Hörer mit.
Entstanden ist ein etwas anderes Hörbuch, als man es bis dato aus dem Hause "Silberfuchs" und seiner musikalischen Länderreihe kannte. Die melodische Unterrahmung des gesprochenen Wortes ist allerdings vertraut. Gerade mit dem Beginn gelingt ein würdiger Auftakt: Auszüge aus Beethovens kraftvollem "Geschöpfe des Prometheus" op. 43. bilden eine assoziative Dublette. Denn in dieser Ballettmusik verschlüsselte der große Komponist allegorisch Schillers Gedankengang zur "Ästhetischen Erziehung des Menschen" (1795), indem eine Schulbildung in Wissenschaft und Künsten für die gesamte Bevölkerung die Voraussetzung für die Schaffung einer besseren Gesellschaft zur Folge hat.
Neu hingegen ist die non-chronologische Aufarbeitung des Themas. Ulrike Gropp, die Autorin des Hörbuchs, lässt die beiden Wissenschaftsjournalisten Blumenbach und Forster in eher spielerischer Art und Weise an ihren Gedanken entlang hangeln. Sie offerieren menschliche Neugier in Gestalt kindlicher Entdeckerlust, vielleicht die wichtigste Quelle des Erfindergeistes.
Gutenberg, Kepler, Humboldt, die ersten deutschen Werkzeugmanufakturen in Chemnitz - dem "sächsischen Manchester" -, Heinrich Goebel und seine Glühbirne, Diesel, Benz und Daimler, Wilhelm Röntgen oder Robert Koch sind nur einige der erwähnten Wissenschaftler und Erfinder. Nicht zuletzt der Lehrer für Mathematik und Physik, Philipp Reis, der Jahr 1861 den Satz aus der Rezensionsüberschrift "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat" durch den ersten Fernsprecher schickte.
Letztendlich kommen die beiden Hörbuch-Protagonisten dann doch in der Gegenwart an bzw. erlauben sich gar einen Blick in zukunftsträchtige Innovationen.
Nach so vielen Höhenflügen endet das wunderbar frische, hochwertige Hörbuch, das sich neben ausgezeichneten Sprechern auch mit einem äußerst opulenten Booklet (geschichtlicher Abriss der deutschen Erfindungen sowie Abbildungen und Zitate ausgewählter "Erfinder") auszeichnet, noch einmal unterlegt mit Beethovens Tönen aus seinem "Prometheus". Zitiert werden abschließend die eher bescheidenen und zum Schmunzeln anregenden Worte Erich Kästners aus seinem Gedicht "Die Entwicklung der Menschheit" (Auszug):
Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.
(...)
Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.
(...)
So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.
Fazit:
Den Worten des deutschen Biophysikers, dessen Vorwort im Booklet abgedruckt ist, möchte ich mich uneingeschränkt anschließen: "Möge das neue Hörbuch viel Gehör, vor allem bei unseren jungen Leuten, finden, und sie auch dazu animieren, das Gehörte bei dem einen oder andere Besuch im Deutschen Museum am Original der Erfindung zu vertiefen."