Es ist schade, daß Verlag und Autoren bei einem Buch in ihrer Reihe mit dem tönenden Titel DEUTSCHE AUTOS schon in der Unterzeile vor der eigenen Courage kneifen und statt dem im deutschen Sprachraum - wo dieses Buch gekauft und gelesen werden soll - durchaus verständlichen Begriff GELÄNDEWAGEN lieber den Anglizismen OFFROADER und SUV den Vorzug geben. Das klingt zwar modern und zumindest auf dem Cover sieht es auch danach aus. Dahinter geht es jedoch so altbacken her, wie man es von den sterbenslangweiligen Aufmachungen allzu vieler Motorbuchverlag-Publikationen gewohnt ist. Nicht der leiseste Hauch einer gestalterischen Idee lockert die statische Ödnis von Text- und Bildwürfeln auf. So verlieren auch die massenhaft aus hochglanzvollen Werbekampagnen bekannter Auto-Hersteller stammenden und hier nachgenutzten Reklamefotos all ihren einstigen Schimmmer. Der doppelseitige Abdruck von Bildern solcher Provenienz (Audi, Mercedes, VW, nur BMW hatte das Pech, daß es gleich nach Audi kommt, darum gibt es keine Doppelseite) nährt den Verdacht, daß die Autoren wenig Distanz zu den einschlägigen Werbeabteilungen wahren mochten, brachte dies doch Material für ihren Fotofundus. Da auch nicht erwähnt wird, wo es sich um Bilder aus Verkaufskampagnen handelt, verstärkt sich dieser Eindruck kritikloser Nähe. So unkommentiert bleibend, wirkt vieles in der Umgebung eines Sachbuches merkwürdig deplatziert, weil aus dem ursprünglichen Werbekonzept gerissen. Hinzu kommen die extremen Unterschiede in der künstlerischen und technischen Qualität der Bilder, was zum Teil zu irritierend divergierenden Seheindrücken führt. Mut zum Gegenteil wurde lediglich mit der zweiseitigen Aufnahme des DDR-Geländewagens EMW 325/3 bewiesen. Daß dieser Wagen und auch andere Outlaws aus der ostdeutschen Produktion mal beschrieben werden, ist erfreulich, gehören doch auch sie zu den deutschen Geländewagen. Sichtbar konnten die Autoren dabei auf andere Veröffentlichungen zurückgreifen. Leider haben sie aber das Gehörte, Gelesene und dann von ihnen selbst zu Papier Gebrachte offenbar nicht so recht verstanden. Denn wie ließe es sich sonst erklären, daß die Geländewagen P2M, P2S und P3 im Text und in den Bildunterschriften permanent mit dem Vorsatz SACHSENRING versehen werden, obwohl aus dem Inhalt doch deutlich hervorgeht, daß das Zwickauer Sachsenring-Werk außer dem reinen Motorenbau mit der Entwicklung, der Konstruktion und der Montage dieser drei Fahrzeuge herzlich wenig zu tun hatte. Dem Zwang eines Lexikons geschuldet ("irgendwie müssen sie ja heißen") stehen die Drei dann einsortiert zwischen P wie Porsche und T wie Trabant. Letzterer ist nun unzweifelhaft ein Sachsenring; nur taucht dieses Wort und ebenso wenig Zwickau als Heimat des Trabant im Abschnitt zu selbigem auf. Das verstehe, wer will. Mangels Rechtsnachfolgern mit vitalem juristischen Beistand an der Hand müssen es sich P2M, P2S und P3 gefallen lassen, daß ihre Hersteller wider besseres Wissen falsch benannt werden. In dem Geländewagenlexikon eines anderen Verlages firmieren sie ebenso fälschlich unter B wie Barkas. Der Stammtisch und wikipedia subsumieren diese Wagen sogar unter dem klangvollen Namen Horch. Sicher, träumen darf jeder mal... Tatsächlich dürfte eine derart penetrante Verdrehung der geschichtlichen Tatsachen in der Automobilhistoriographie einzigartig sein. Würden es sich Autoren von Automobillexika zur Angewohnheit machen, Wagen nach den Produzenten ihrer Triebwerke zu benennen, gebe es ganz andere Gewichtungen in den Büchern und Verlage hätten eine Menge Klagen am Hals. Da wären dann auch einige PR-Abteilungen sicher richtig sauer und würden ihre schönen Auto-Fotos bestimmt lieber für sich behalten.