Der deutsche Diplomat Bernd Wulffen spannt in diesem Sachbuch einen weiten Bogen
chronologisch durch die Geschichte Argentiniens vom 16. Jahrhundert bis zu den Kirchners im Jahr 2010. Ein Literaturverzeichnis von über 100 Angaben, dazu diverse Zeitungsausgaben sowie Unterlagen aus dem Archiv des Auswärtigen Amtes zeugen von der Ernsthaftigkeit und Genauigkeit des Autors, deutsche Spuren in Argentinien nachzugehen und detailgenau zu beschreiben. Besonders gelungen sind exemplarische Lebenslabläufe wie die von Lehmann-Nitsche, Plüschow oder Gesell. Sehr ausführlich widmet sich Wulffen, mit dem Untergang des deutschen Schlachtschiffes Admiral Graf Spee" beginnend, der deutschen Einwanderung während des 2. Weltkriegs, den Verbindungen zum 3. Reich (Hotel Edén), dem Aufstieg Perons und der Nachkriegszeit, als nicht nur eine Reihe von Wissenschaftlern sondern auch Nazis wie Eichmann, Mengele, Priebke und Rudel nach Argentinien kamen, letzterer als Verbindungsmann zu Siemens. Nach dem Kapitel über die teuersten Mumie der Welt" -gemeint ist der Leichnam Evita Perons- werden die deutschen Spuren in diesem Buch dünner" und beschränken sich auf wirtschaftliche, diplomatische und kulturelle Beziehungen beider Länder. Die Zeit der neuen argentinischen Demokratie" begleitet der Autor mit gut nachvollziehbaren kritischen Kommentaren. Mit einer Argentinierin verheiratet, verlässt er mitunter den sachsprachlichen Duktus und lässt Emotionen erkennen, etwa bei der argentinischen Krankheit".
Für Argentinien-Interessierte ein informativen Buch, für Kenner des Landes eine Begegnung mit vielen Bekannten.