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Ihr öffentlicher Oberlehrer war Wolf Schneider. Und sein Deutsch für Profis ist ein Grund dafür, daß er es sein durfte. Mit dieser profunden Stilkritik stürmte Schneider den Sprachthron der schreibenden Zunft.
Schon als er das Buch schrieb, stand der Hamburger weit oben. Er war Chefredakteur der Welt gewesen, Chef vom Dienst beim Stern, Washington-Korrespondent der Süddeutschen, er gründete die wohl beste deutsche Journalistenschule. Der 1925 Geborene hatte es nicht nötig, noch durch Nestbeschmutzen aufzufallen. Aber er tat es, und zwar heftig.
In dem Buch schießt er Breitseiten gegen schlechtes Deutsch, schleudert dessen Schreibern Schmähvokabeln wie "Sprachdurchfall!" entgegen. Dabei attackiert Schneider gerade die renommierten Blätter. 18 Beispiele bietet er allein aus der FAZ. Und nachdem er beispielsweise tadelt, daß manche "auf Glatzen Löckchen" drehen, leitet er über: "Freilich ist das ein kleines Übel, verglichen mit den miesen Maschen, Moden, Meisen, Mätzchen, Marotten und Manien, mit denen der Spiegel die deutsche Journalistensprache überzogen hat."
Trotz der harschen Worte: Die Profischreiber nahmen sie an, adelten das Pamphlet zum Lehrbuch. Die Süddeutsche etwa jubelte, obwohl selbst darin dutzendmal negativ erwähnt, das sei "der Königsweg". Auch die Verkaufszahlen kürten Schneider zum König der Sprachkritik.
Zwischen all den Attacken steht sein plausibles Reglement des professionellen Schreibens, das sich auch auf frühere Stilisten stützt, wie W. E. Süskind, Ludwig Reiners und E. A. Rauter. Für Wolf Schneider heißt professionelles Schreiben in erster Linie, verständlich zu schreiben.
Dabei scheint immer wieder seine Liebe zur Sprache durch. Sein Buch endet mit den Worten: "Sprache wird verwendet, verformt, verschlampt und aufgeblasen in Finanzämtern und Diskotheken, in soziologischen Seminaren und bei Schützenfesten. Niemand wundert sich, daß sie dort weder liebevoll behandelt wird noch zu frischer Kraft erblüht. Beides muß andernorts beginnen: in den Schulklassen und Redaktionen."
1999 nun fand er von der Zeit-Redaktion ein Wort, das direkt aus dem Soziologie-Seminar kommen kann: "Befindlichkeit". Er schrieb es noch nieder -- und gab die Kritik-Kolumne auf.
Wenn Schneiders Büchers wirken sollen, was sich jeder wünschen kann, dann müssen sie gut gelesen werden. Spaß macht das obendrein. --Frank Rosenbauer
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[Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.] (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Es handelt sich bei dem Buch aber nicht um ein Standardwerk, da sich ein solches ja dadurch auszeichnet, möglichst das gesamte Wissen zu einem bestimmten Gebiet zu beinhalten. "Deutsch für Profis" hingegen setzt bereits gewisse Fertigkeit im Umgang mit deutscher Sprache voraus. Hier geht es um Optimierung. Das heißt auch, dass das Buch nicht mit dem General - Kochrezept daherkommt; der persönliche Stil wird durch die Umsetzung der Regeln nicht besonders stark beeinflusst.
Wolf Schneider verhilft mit diesem Buch nicht nur zu besserem Stil, er prangert auch den ständigen Drang von Politiker und Experten (Experten im allgemeinen Sinn) an, nichtsagenden sprachlichen Abfall von sich zu geben. Bei den Politikern mit dem Ziel der Verschleierung, bei den Experten mit dem Ziel der intellektuellen Selbstbefriedigung ("Wow bin ich gut ! 20 Fremdwörter in einem Schachtelsatz mit 10 Ebenen ! Den Satz versteht zwar kein Mensch, aber er horcht sich wirklich wahnsinnig intellektuell an !"). Dass das mal jemand einfach so sagt wie es ist, ist einer der Punkte, die mir an dem Buch persönlich besonders gefallen haben Bei allem Lob gibt es aber auch einiges, das mich stört:
Grundsätzlich muss man bei der Lektüre des Buch im Hinterkopf behalten, dass die deutsche Sprache darin vorwiegend aus der Perspekive des Journalismus betrachtet wird. Nicht alle Regeln sind deshalb generell gültig. Beispiel: Laut Wolf Schneider sollte man so gut es geht auf Adjektive verzichten. Tatsächlich lesen sich Texte um sehr viel flüssiger, wenn der Autor nur dort Adjektive verwendet, wo sie unverzichtbar sind. Wenn wir diese Regel nun vor dem Hintergrund einer anderen "Wissenschaft" betrachten, in der Texte eine sehr wichtige Rolle spielt, nämlich in der Werbung, sieht alles anders aus. Bilder erzeugen gegenüber Text beim Betracher einer Werbung tiefere Gedächtnisspuren. Dieser Effekt ist aber nicht nur auf Bilder selbst beschränkt, sondern wirkt auch, wenn es Sprache schafft, Bilder in unserem Kopf entstehen zu lassen. Das heißt: bildhafte Sprache wirkt besser. Adjektiven fällt bei diesem Verwendungszweck der Sprache also eine ganz andere Rolle zu. Die Kriterien für gutes Deutsch variieren also je nach Verwendungszweck. Dieser wichtige Tatsache wird nie expliziet betont, obwohl es in diesem Buch um gutes Deutsch geht.
Das letzte Kapitel ist eine Zusammenfassung von gängigen "Schludereien und Marotten", also abgedroschenen Floskeln und Modewörtern, die man nicht verwenden sollte. Auch hier kann man einiges dazulernen. Ich war zum Beispiel überrascht, dass mir noch nie aufgefallen ist, dass "Bevölkerung" statt "Volk" eigentlich falsch ist, weil es sich bei der "Bevölkerung" ganz offensichtlich um einen Vorgang handelt. Wirklich erfrischend habe ich gefunden, dass er auch die Kreativität angegriffen hat - oder zumindest die Art, wie dieses Wort heute von Werbeartenturen und ähnlich geartetem verwendet wird. Werbeleute nennen sich selber "die Kreativen", als wäre Kreativität eine digitale Eigenschaft, die nur sie alleine haben und alle andern nicht und haben gleichzeitig eine nur sehr klischeehafte Vorstellung davon, was Kreativität wirklich (im psychologischen Sinne) ausmacht.
Laut Wolf Schneider ist also Kreativität ein Modewort, das statt "Fantasie" oder "Produktivität" verwendet wird.
Das ist aber gleichzeitig ein Beispiel für einen weiteren Kritikpunkt. Diese Aussage stimmt nämlich nicht. Wie Intelligenz lässt sich auch Kreativität schwer definieren, auf jeden Fall beinhaltet sie aber, dass durch die äußere Wahrnehmung viele und starke Assoziationen angeregt werden und auch, dass man die Fähigkeit hat, nicht nur in gesellschaftlich und kulturell geformten Denkschemata zu denken, sondern - wie Picasso es ausgedrückt hat - beiseite zu denken. Diese Definition ist natürlich bei weitem nicht umfassend, aber weder Fantasie noch Produktivität beinhalten alleine diese beiden Eigenschaften. Hier scheint Schneider etwas an Wissen zu fehlen. Selbiges bei "Motivation": laut Schneider als Modewort verwendet, eigentlich ein Vorgang (also andere Variante von Motivierung). Nun ist es aber so, dass ein Menschen immer einen gewissen Grad an "Motiviertheit" hat. Wie hoch dieser ist, hängt z.B. von der Menge von gewissen Neurotransmittern ab, die im Blut rumschwimmt. Hier handelt es sich um einen Zustand. Wie sollten wir diesen bezeichnen, wenn Motivation zusammen mit Motivierung ein Vorgang ist ? Motiviertheitsniveau ?? Stärke der inneren Angetriebenheit ??? Nein, da klingt Motivation schon sehr viel besser und es hat sich auch so eingebürgert und das ist gut so. Von mir aus, "Motivation" wurde in grauer Vorzeit als Vorgang verstanden, aber es gibt eben so etwas wie die Evolution der Sprache. Und die scheint er teilweise ein bisschen zu ignorieren.
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