Eins von Schneiders 28 Sachbüchern, und so viel Neues ist darin jetzt auch wirklich nicht mehr. Für Schneider-"Neulinge" ist es jedoch auch lesbar und hilfreich. Drei bis dreieinhalb Sterne insgesamt.
Zum Buch, zu seinen Schwächen und Stärken kommt weiter unten mehr. Zunächst sei noch kurz der Autor Wolf Schneider vorgestellt: 1925 geboren und in Berlin aufgewachsen, war er später Welt-Chefredakteur und Axel Springers Mann für besondere Aufgaben. Günter Wallraff etwa kann sich noch gut an den Mann erinnern, der ihm bundesweit nachgereist sei und seine Veranstaltungen systematisch gestört habe. Ob er sich als Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule durch autoritäres wie elitäres Verhalten ausgezeichnet habe, wird von Wallraff ebenso bejaht. Das mag auch noch am Jahrgang liegen, muss aber beileibe nicht. Dies nur zum besseren Verständnis des Buches.
Gleichzeitig verfügt Schneider über ein sehr klares Deutsch und ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein. Er vermag sich präzise und rhythmisch auszudrücken, was sich auch in "Deutsch für Kenner" offenbart. Der Schneidersche Ansatz ist für Zeitungsjournalismus ein sehr brauchbarer Beginn.
Wolf Schneider schimpft im Buch über "Sprachverhunzer". Sie nähmen Füllwörter, Passivkonstruktionen, unnütze Fremdwörter statt des schönen Deutsch. Schneider spießt eine Marotte nach der anderen auf. Das ist auch die starke Seite von "Deutsch für Kenner": danach lese ich Texte anders, vielleicht schreibe ich nachher auch meine Texte auf andere Weise. Kommafehler mache ich vielleicht immer noch, wenn ich zu schnell schreibe. :-)
(Ergänzung: soeben wurde bei einer später geschriebenen Rezension vermutet, es könne PR sein - ob das auch schon die Folge des Schneiderschen Sprachtrainings war?)
Ebenso gibt Schneider Hinweise, wie sich Sätze eleganter - und vor allem verständlicher - formen lassen. Verständlichkeit ist ihm das oberste Ziel. Gleichwohl füllt er das Buch am Ende auch mit rund 50 Seiten auf, in denen er einfach nur Stilvorbilder aus dem literarischen Deutsch wiedergibt.
Etwas hilflos wirkt seine Schilderung des neuartigen Computer-Schreibens. Hier und bei seiner Kritik an der Neuen Rechtschreibung (Stand 1996!) hätte Schneider (oder ein Hilfsschreiber) diese 2008-er-Neuauflage geradezu nutzen _müssen, um ein Fazit zu ziehen. Wer nahezu penetrant "Fleiß" predigt, hätte zumindest eine Stunde hierfür erübrigen können.
Fazit: zum einen wünscht man sich eins der Schneiderschen Bücher auf dem Schreibtisch eines jeden Deutschlehrers, zum anderen wiederholt er hier einfach arg viel aus seinen früheren Büchern. Wolf Schneider schreibt viel über seine Meinungen, und eine "neue Stilkunde" ist das nun wirklich nicht mehr. Drei bis dreieinhalb Sterne daher.
(Addieren Sie freilich für sich hierzu einen Stern, wenn Sie noch kein Schneider-Buch kennen und einfach mal eins gelesen haben wollen)