Mir wurde das 2010 erschienene Werk Karl-Heinz Götterts von einem Professor für diachrone Sprachwissenschaft im Rahmen meiner Examensvorbereitung an Herz gelegt. Ich hatte nicht wirklich viel Ahnung von deutscher Sprachgeschichte und entschloss mich letztlich, Martin Luthers Einfluss auf die Entwicklung unserer Landessprache als Prüfungsthema zu erarbeiten. Götterts "Deutsch. Biographie einer Sprache" bot mir hierfür nicht nur das passende Kapitel, welches übersichtlich, informativ und anschaulich über den Zusammenhang der lutherischen Bibelübersetzung und der Herausbildung einer weitgehend einheitlichen neuhochdeutschen Schriftsprache referierte, es weckte mit seinem Witz und seiner vollkommen ungezwungen vorgetragenen Darstellungsweise mein Interesse an der Entwicklung des Deutschen von seinen "indogermanischen Eltern" über die Entstehung von Sprachgesellschaften bis hin zu seinem unterschiedlichen Gebrauch in "Ost und West".
Der Autor verliert zu keiner Zeit den wissenschaftlichen Hintergrund seiner Darstellung aus den Augen, geht dabei aber nicht zwingend von einem umfangreichen Vorwissen seiner Leserschaft im Bereich Sprachgeschichte aus. Mit lebensnahen Beispielen und leicht verständlichem Darstellungstil navigeirt der Germanist und Romanautor Göttert durch die Epochen unserer Sprache. Er führt dabei vor Augen, welch außersprachliche Entwicklungen der Geschichte, ja wieviel Zufall tatsächlich notwendig waren, um das gesprochene (und geschriebene) Wort der Gegenwart zu dem zu machen, was wir wie selbstverständlich als unsere Sprache begreifen. Spätestens aber, wenn man sich "Deutsch. Biographie einer Sprache" zu Gemüte geführt hat, weiß man, dass auch unser Neuhochdeutsch nicht mehr als ein Übergang zu einer Sprache der Zukunft ist und dass wir tagtäglich an diesem Wandel mitwirken.