Na endlich! Nach gefühlten zweihundert Ankündigungen und fünfhundert Terminverschiebungen hat sich "Feder & Schwert" nun doch dazu durchringen können, ein weiteren Roman zum Erzählspiel "Engel" herauszubringen. Immerhin, das Warten scheint sich gelohnt zu haben; beim Lektorat wurde, im Gegensatz z.B. zu den Clansromanen von "Vampire", 'mal nicht gewürfelt. Die eingangs präsentierte Karte allerdings ist mitunter auch mit der Lupe schwer zu entziffern, und über Engelskräfte dürften die wenigsten Leser verfügen.
Mag man auch an diesen Formalitäten mäkeln, die Story ist überraschend gut und spannend geschrieben; viele, in vorigen Engelsromanen und -comics aufgenommene Erzählstränge, vom Fall des Himmels der Ragueliten über den Feldzug der Angeliten in Britanien und den Bau des Brandlandfahrzeuges "Exodus" bis hin zu den Intrigen am Hofe von Cordova, werden gekonnt weiter-, mitunter auch zusammengeführt. Alte Bekannte wie die Diadochen von Cordova und Moskau, verknöcherte, machthungrige "Berater" des (überraschend) ewig kindlichen Pontifex Maximus oder Vorsteher der Engelshimmel tauchen auf und treiben die Story voran.
Persönlich sehr gefallen hat mir die Wandlung, die der Autor in seinen geflügelten Figuren, soll heißen, den Engeln, hervorgerufen hat; weg von den fast unspielbar charakterlosen, servilen, devoten und realitätsblinden "wir-sind-Engel-des-Herrn-wir-hören-und-gehorchen"-Putten hin zu aussagekräftigen Charakteren mit Tiefgang, die in der Lage sind, die menschenverachtende Maschinerie der angelitischen Kirche zu durchschauen und entsprechend zu handeln, frei nach Bob Marleys Motto "you can fool some people sometimes, but you can't fool all the people all the time".
Das Ganze scheint der Auftakt zu einer Serie von Büchern zu sein, die auf einen größeren Konflikt der Angeliten hinarbeitet. Nur weiter so...aber bitte nicht mehr so lange damit warten.