Normalerweise soll man sich ja bei seiner Rezension auf das Wesentliche beschränken. Kurz und knackig. Aber bei Deus Ex muss ich eine Ausnahme machen.
Ich spiele schon seit 15 Jahren Videospiele aller Art und es gibt sicher Spiele, die ich deutlich länger und intensiver gespielt habe als die Deus Ex Reihe. Aber sollte mich jemand fragen welches für mich das beste Spiel der letzten 15 Jahre ist, dann würde ich ohne zu überlegen sofort mit "Deus Ex 1" antworten. Kein Spiel hat mich so gefesselt, so in seinen Bann gezogen und so fasziniert - und tut es noch immer..
Ich habe Deus Ex 1 in den letzten Jahren seit Release ca. 15x durchgespielt. Es ist fast schon zu einem jährlichen Ritual geworden. Und jedes Mal packt es mich erneut! Und ich glaube erst nach 15x durchspielen kann ich sagen: Ich habe so ziemlich alles in Deus Ex 1 entdeckt!
Nachdem Deus Ex 2 meiner Meinung nach sowohl als Seriennachfolger als auch als Videospiel an sich ein absoluter Reinfall war und gerade in der grottigen PC-Portierung maximal ein 1 von 5 Sterne von mir bekommen würde, war ich natürlich auf den 3. Teil gespannt.
Ich hatte in der Vorberichterstattung sehr viel Positives gehört und gesehen und war mir sicher, dass das Spiel gut sein wird.
Doch meine Erwartungen waren in den letzten Jahren so sehr gestiegen, dass ich mir auch sicher war, dass das Spiel Deus Ex 1 nicht übertreffen kann - egal wie gut es wird.
Und ich habe auch eine ganz einfache Erklärung: Es ist nicht dieses Phänomen, dass man alle Spiele aus der Vergangenheit besser in Erinnerung hat als sie eigentlich sind. Das kann ich vehement zurückweisen, denn das letzte Mal durchspielen ist erst ein halbes Jahr her.
Vielmehr ist es wie mit einem Buch im Vergleich zum Film. Ein Film kann - trotz guter Idee oder Geschichte - an so vielen Dingen scheitern. Ein Buch hingegen lässt der Fantasie freien Lauf. Man bildet sich sein eigenes Universum und füllt die Lücken durch eigene Visionen.
Genau so ist es mit Deus Ex 1. Jedem 15-Jährigen müsste ich Geld dafür bezahlen Deus Ex 1 zu spielen. Die Grafik war schon für damalige Verhältnisse höchstens Durchschnitt. Wer tut sich denn heutzutage noch sowas an?
Die Umgebung war schlicht und sehr kalt, die Charaktere hatten nicht wirklich eine Gestik oder Mimik und es gab keine besonderen Effekte oder Animationen.
Aber gerade weil die Visualisierung auf ein Minimum beschränkt war, musste man viel Fantasie in das Spiel stecken. Wobei ich die Grafik von Deus Ex 1 zeitloser finde als die von Deus Ex 2. Hinzu kamen natürlich noch die fesselnde Spielwelt, die Atmosphäre, die Musik etc. welche alle wie ein Zahnrad perfekt ineinander griffen.
Aber letztendlich war es nicht irgendein Deus Ex sondern MEINE Deus Ex Geschichte, die unvergessen bleibt.
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Nach dem langen Vorwort kommen wir nun endlich zum aktuellen Teil.
Tatsächlich habe ich lange gebraucht um Deus Ex 3 zu spielen. Zu groß war die Angst einer Enttäuschung. Selbst nach dem Kauf und nach dem Einführungslevel habe ich eine mehrwöchige Pause eingelegt, bis ich es letztendlich in einem Ruck durchgespielt habe.
Und? Was ist das Ergebnis? Nun, Deus Ex 3 kopiert sehr vieles von Deus Ex 1. Und mit was? Mit Recht! Bei jedem anderen Spiel würde ich das als Kritik anbringen, aber in diesem Fall bin ich dankbar. Viele Missionen, Locations, Charaktere erinnern mich an den alten Teil (ich sage nur: Hangar/Schiff, Fabrik/Lagerhaus, Störsender, unterirdische Basis, Nachtclub, Helikopterpilot etc.) Natürlich wird hier nichts lauwarm aufgearbeitet, sondern in einem neuen Kleid verpackt.
Wenn wir gleich beim Thema sind. Die Grafik ist auch mit dem alten Teil zu vergleichen. Nein, natürlich ist die Grafik von Deus Ex 3 keine zehn Jahre alt. Aber im Vergleich zu anderen Spielen ist Deus Ex auch nur Durchschnitt. Das Artdesign ist natürlich mit eines der besten im Jahre 2011, die Welt wirkt stimmig und nett anzusehen. Und auch die Zwischensequenzen machen ordentlich was her! Doch gerade beim Charakterdesign und bei einigen Umgebungsobjekten hat man wohl vorher noch einmal mit dem Schwamm drüber gewischt. Und Square Enix, was zum Henker habt ihr euch bei dem Helikopter gedacht? Der sieht für mich nach einem "verchromtes Auto"-Mod aus GTA 3 aus. Aber für jemand wie mich, der für ein zehn Jahre altes Spiel plediert sollte die Grafik auch nur zweitrangig sein. Und so ist sie es auch. Sie ist schön und stimmig, aber ich habe schon besseres gesehen.
Die Lippensynchronität (im deutschen) ist jedoch absolut inakzeptabel!
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Spielerisch haben die Entwickler auch am guten alten Konzept festgehalten. Man hat wieder die Wahl durch Lüftungsschächte zu schleichen, als Rambo mit allerlei Waffen um sich zu schießen, als Scharfschütze von Dach zu Dach zu springen oder als Hacker die Geschütztürme gegen den Feind zu richten u.v.m.. Und es wird sicher wieder einige Spieler geben, die (bis auf ein paar Ausnahmen) auch ganz ohne Tötungen das Spiel durchspielen. Immer gibt es mehrere Wege zum Ziel.
Doch noch nie habe ich in einem Spiel fast selbstverständlich den Schleichweg gewählt. Das Leveldesign läd regelrecht dazu ein und belohnt auch mit zusätzlichen Erfahrungspunkten. Als Rambo hat man hingegen permanent mit Munitionsarmut zu kämpfen, kommt aber gerade bei den "Endgegnern" besser zurecht.
Und gerade das Hacken als kleines Minispiel macht richtig Spaß. Problematisch ist nur, dass es überall nur so wimmelt von PC's, die teilweise den gleichen Inhalt haben. Knacken tut man sie dann doch denn man will ja nichts verpassen. Nimmt man das ernst, verbingt man ein Drittel der Spielzeit nur mit Hacken.
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Kommen wir kurz zu den Augmentierungen. Während Deus Ex 1 ein simples "Wähle aus 20 Verbesserungen 10 aus" + einige Charakterverbesserungen hatte, hat man sich in Deus Ex 3 für einen übersichtlichen Verbesserungsbaum entschieden. Während in Deus Ex 1 eher nach dem Prinzip "Masse statt Klasse" vorgangen wurde, sind im neuen Teil alle Verbesserungen wirklich sinnvoll und ermöglichen neue Vorgehensweisen. Doch so ganz konnte ich mich mit dem System nicht anfreunden. Problematisch ist, dass man - gerade am Anfang - viele offensichtliche Wege links liegen lassen muss weil man sich eben für eine andere sinnvolle und notwendige Augmentierung entschieden hat. Bis man mal alles wichtige freigeschalten hat, beschleicht einem andauernd das Gefühl irgendwas zu verpassen.
Z.B. bin ich am Anfang oft auf Lüftungsschächte getroffen, die tief nach unten gingen und an deren Grund Items lagen. Für mich waren Sie aber unerreichbar denn ich hatte die passende Augmentierung um große Fallhöhen zu überwinden noch nicht. Im Endeffekt sind die Verbesserungen keine Spezialisierungen so wie im alten Teil sondern dienen lediglich als Bremsklotz hin zur perfekten Kampfmaschine. Das hätte man besser lösen können.
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Während Deus Ex 1 durch seine schlichte, zu jeder Zeit aber stimmige und fesselnde düstere Spielwelt punkten konnte, überschwemmt Deus Ex 3 einem mit einer bis ins kleinste Detail gestalteten Zukunftsvision. Es gibt etliche fiktive Firmen, Werbebanner, TV-Spots und Radiodurchsagen. Ich bin wirklich beeindruckt wie viel Mühe man sich gemacht hat. Die Umgebung wirkt so lebendig. Man hat nie den Eindruck, dass sich irgendwelche Umgebungselemente dauernd wiederholen. Und hey: Noch nie habe ich so schöne und abwechslungsreiche Schaufenster gesehen wie in Deus Ex Human Revolution.
Natürlich gibt es auch wieder zahlreiche Zeitungsartikel, PDAs und eMails, die man durchlesen kann um endgültig mit der Fiktion zu verschmelzen. Mir fehlte dafür leider die Geduld, genau wie in Deus Ex 1. Doch allein die Anwesenheit und die Möglichkeit es zu tun gibt ein gutes Gefühl. Es macht Spaß die Spielwelt zu erkunden.
Es gibt in Deus Ex 3 etliche Nebenmissionen, die wirklich liebevoll gestaltet wurden und nicht wie ein billiger Abklatsch der Hauptgeschichte wirken.
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Das war jetzt die Kür, kommen wir nun zur Pflicht, dem harten Kern der Deus Ex Reihe.
Beginnen wir mit der Atmosphäre. Wie bereits erwähnt sind Spielwelt und Leveldesign erstklassig. Doch eine gute Atmosphäre hat auch noch eine andere, weniger greifbare Komponente. Deus Ex 1 konnte eine so düstere Endzeitsimmung aufbauen, dass man auch nach 15x durchspielen noch gebannt vor der Mattscheibe sitzen bleibt. Auch in Deus Ex Human Revolution ist die Atmosphäre bedrückend und spannend. Doch sie wird nicht wie im Vorgänger wie ein Zelt über das ganze Spiel gespannt sondern ist oft etwas oberflächig.
Man bekommt leider nicht so viel vom Elend und der Grundproblematik mit, wie im Vorgänger. Während man in Deus Ex 1 noch von verwahrlosten und hilflosen Zivilisten umgeben war, die am "Grauen Tod" gelitten und in einer dementsprechenden Umgebung gelebt haben, spielt sich die Hauptstory im neuen Teil doch etwas abseits der "Straße" ab. Die Tiefe bzw. das Damoklesschwert, das über der gesamten Spielwelt schebt fehlt leider.
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Kommen wir zum nächsten Pflichtteil eines Deus Ex Spiels: Die Story.
Deus Ex 1 beginnt harmlos und ordinär. Man ahnt noch nicht was da auf einen zukommt.
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