Wer immer schon mal wissen wollte, was die Spanier außer Flamenco sonst noch machen, sollte sich diese CD besorgen. Ja, okay, das mit dem Flamenco ist ein Klischee (auch wenn Flamenco toll ist). Aber es ist leider so, dass man oft nur wenig von der sonstigen Musiktradition Spaniens oder in diesem Fall, Andalusiens, hört. L'ham de foc und Estampie spielen nicht einfach spanischen Folk oder Mittelaltermusik, sie verwenden die drei bestimmenden Elemente Andalusiens, die jüdische, christliche und maurische Kultur und machen ihr eigenes Ding daraus. Dabei sind durchaus auch die obligatorischen Cantigas de Santa Maria dabei, aber auf eine Weise gespielt und gesungen, wie ich es bisher noch nicht kannte.
Die Lieder in arabischer (?) Sprache sind, so würde ich mal tippen, nicht in Spanien überliefert, aber sie bringen ein schönes, aber gottseidank nicht gefälliges, orientalisch-maurisches Element hinein. Der sephardische Einfluss wiederum bringt eine melancholische Note. Insgesamt hat die CD jedoch einen tollen Drive, Track 4 ist mein absoluter Liebling, das wühlt einen richtig auf.
Die Instrumentalisierung ist sehr präzise und professionell, und die Stimmen der Sängerinnen bilden schöne Kontraste. Die Sängerin von Estampie bringt ihre gewohnte klassisch-mittelalterliche Note hinein, während beiden anderen einen archaischeren, raueren Klang bieten, der eher der spanischen Singtradition entspricht.