Der altgediente Danzig-Fan ist ja einiges gewöhnt. Und so stellt sich für diesen auch jedes mal nach Ankündigung einer neuen Scheibe die bange Frage, ob Danzig die Kurve nochmal kriegt und an seine grandiosen ersten vier Alben anknüpfen kann, oder ob sich der neue Output wieder nur in die Liste der eher halbgaren letzten Releases einreihen wird. Lässt man das unsägliche Blackaciddevil mal außen vor (einen derartigen Ausrutscher sollte man als Fan durchaus mal verzeihen können...), so befanden sich auf den letzten drei regulären Studioalben Satans Child, I Luciferi und Circle Of Snakes zwar durchaus einige wirkliche Klasse-Nummern, welche aber meist unter einer miesen Produktion litten und meiner Meinung nach gegenüber den eher belanglosen und zahnlosen Stücken klar in der Unterzahl waren. Die Skepsis des Fans zu einem neuen Danzig-Album wird meist noch dadurch gestützt, dass an seiner einst großartigen Stimme der Zahn der Zeit zu stark zu nagen schien und unser aller Lieblings-Glen meist nur noch durch Negativschlagzeilen aufzufallen vermochte. Egal, nun zum neuen Album: Ja, er hats leider wieder selbst produziert und Ja, er kanns doch noch ! Das Material knallt, ist klassisch Danzig und hätte können als Nachfolger von 4 erscheinen. Das Album beginnt mit einem Riff, wie zu besten How The Gods Kill-Zeiten und entwickelt sich zu einem klassischen Danzig-Stampfer. Der zweite Song dann ist aufgrund des nervigen Strophenriffs für mich der schwächste des Albums, auch wenn der Refrain durchaus ins Ohr geht. Hier vermisse ich nachwievor John Christs warmes und fettes Gitarrenspiel... Rebel Spirits, ein starker, düsterer Danzig-Rocker und das schleppende Black Candy hätten so auch können auf 4 stehen. On A Wicked Night erinnert mich etwas an Devils Plaything von Lucifuge und weiß durch Atmosphäre zu gefallen. Deth Red Moon, ein fast schon beschwingter cooler Danzig-Song und Juju Bone mit starker Blueskante sollten jedes Fan-Herz zufrieden stellen. Night Star Hell ist wieder ein düsterer, doomiger Song, welcher gegeg Ende gut abgeht und mich etwas an den Mittelteil von Godless erinnert. Klasse ! Das zweigeteilte Pyre Of Souls, beginnt mystisch-düster und entwickelt sich im zweiten Teil zu einem tragenden Doom-Song, zählt für mich aber nicht unbedingt zu den absoluten Highlights. Letzter Song der Scheibe ist eine durchaus gelungene Halbballade, mit einem Danzig in stimmlich guter Verfassung.
Fazit: gelungene Scheibe mit großen Danzig-Melodien, der Sound geht in Ordnung, auch wenns sicherlich besser geht, aber gegenüber Circle Of Snakes klar besser. Das Material geht klar back to the roots, Stimmenverzerrer und sonstige Industrialeinsprengsel fehlen zum Glück, singen kann er also noch. An der Gitarre hätte ich zwar trotzdem lieber John Christ oder einen Klampfer mit ner größeren Bluesschlagseite, denn die großen Solis bekommt Tommy Victor einfach mal nicht hin, aber man kann halt nicht alles haben... Daumen Hoch !