Der elfte "Detektiv Conan"-Kinofilm, bei uns im Mai 2009 erschienen, überrascht selbst glühendste Fans der Mangas wie der Animes rund um den durch ein Gift geschrumpften Oberschülerdetektiv Shinichi Kudo. Ein Mordfall - allenfalls am Rande erwähnt - ist Nebensache. Klamauk und eine Schatzsuche stehen schnell im Mittelpunkt. Dabei können vor allem die Gegenspieler Conans nicht überzeugen. Sie sind ziemlich dämliche, allenfalls durch ihre Grausamkeit markante Figuren, die flach, eindimensional und gänzlich uninteressant charakterisiert werden. Sehr viel stärker setzt der Film auf Spannung, Action und gruselige Unterhaltung. Haie übernehmen den dramatischen Part, eine düstere und gasverseuchte Höhle den Gruselfaktor und Kogoro, Genta, die wieder einmal perfekt in Szene gesetzte Ai und wider Willen auch Sonoko sorgen für Humor.
Dennoch ist der Film kein Reinfall. Allenfalls Sir Arthur Conan Doyle - Namensgeber unseres tapferen Helden - schüttelt sich voller Entsetzen über Logikfehler, fehlende Ermittlung und mangelhafte Spurensuche. Der Zuschauer jedoch, der Conan in Action erleben will, die Detective Boys und ihren oft infantilen Humor mag und viel von Ran und Sonoko sehen möchte, werden sich freuen. Und auch wenn Kogoro Mori in diesem Film ein Totalausfall ist, funktioniert die Chemie wieder glänzend. Die Gefahr, in der Ran schwebt, der zu ihrer Rettung herbeieilende Conan, die vielen Zitate, die auf die Manga-Serie, die vorangegangenen Filme und vergangene Ereignisse zielen, sind perfekt komponiert. Ebenso kann die musikalische Untermalung wie auch die tricktechnische Seite voll überzeugen.
Da auch das beiliegende Booklet, die grandiose Aufmachung der Box und das wirklich wunderschöne Finale atemberaubend gelungen sind, ist auch der elfte Film eine sichere Empfehlung für Fans der Reihe wert. Und auch wenn "Die azurblaue Piratenflagge" - übrigens eine seltsame Übersetzung des englischen Titels "Jolly Roger in the deep Azur" - nicht einer der besten Animes der Serie ist, so muss doch jeder Fan des kleinen Meisterdetektivs auch diesen Film sein Eigen nennen - keine Frage.
Stefan Erlemann