Als Sänger einer der erfolgreichsten Rockbands überhaupt hatte es sich Jon Bon Jovi mehr als verdient, mit seinem 2. Soloalbum in eine etwas andere Richtung zu tendieren, als er eine dreijährige Bandpause zum Schauspielern nutzte und anfing, neue Songs zu schreiben. Nie klang der Rocker so poppig, jedoch: Das Resultat ist durchaus gelungen. "Destination Anywhere" setzt eher auf ruhige, melancholische Klänge, Drum Loops drängen die Gitarren in den Hintergrund, was aber so ausgewogen passiert, dass eine ungewohnt intime Atmosphäre entsteht. Mit einer Reihe von persönlichen Texten und seinem introvertierten Flair wirkt dieses Album wie eine Momentbeschreibung, man hat das Gefühl dem Künstler hinter der fotogenen Fassade ein Stückchen näher zu kommen. Das Motiv der Reise wird immer wieder aufgegriffen, hier scheinen sich Selbstfindung, Sehnsüchte und ungewisse Zukunft zu spiegeln. Und 1996/97 war eine Zeit der Ungewissheit für Jon Bon Jovi, in der er die Weichen für sein Leben neu stellte.
Das Arrangement mag ungewohnt sein, sein Gespür für gute Melodien hat Jon Bon Jovi dabei nicht verloren. Grandios etwa die fette Groove-Nummer "Queen Of New Orleans" oder die so wortgewandte wie eingängige Verarbeitung eines Ehekrachs, "Janie Don't Take Your Love To Town". Das schnörkellose "Ugly" überzeugt in seiner Einfachheit, das stimmungsvolle "It's Just Me" verliert sich in einem langen Gitarrensolo, das die Geschichte des Songs weiterzuerzählen scheint und gar nicht mehr aufhören will. Mit weiteren Glanzstücken wie "Every Word Was A Piece Of My Heart" oder "August 7" kann die Platte durchweg überzeugen. Ihr Vorteil ist, dass die Stücke nicht versuchen, unnötig viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sondern ohne Effekthascherei einfach wirken können. So auch das sparsam arrangierte "Cold Hard Heart" oder das originelle "Midnight in Chelsea".
Übrigens wurden auf den Singles damals eine Reihe hörenswerter B-Seiten veröffentlicht, da wären so interessante Outtakes wie "Drive" oder "Talk To Jesus", als auch Akustikversionen von Liedern, die es auf's Album geschafft haben. Als Ergänzung unbedingt zu empfehlen!
Letzte Nacht habe ich die Platte mal wieder während einer nächtlichen Autobahnfahrt gehört und muss sagen, dass die Atmosphäre absolut passt. Man begibt sich mit dieser Platte auf eine Reise, die einen nicht mehr loslässt und in Bon Jovi ungewohnte Sphären mitnimmt. Der Titel trifft den Nagel also auf den Kopf, in doppelter Hinsicht. "Destination Anywhere, left or right, I don't care..."