"Don' you draw the queen of diamonds, boy - She'll beat you if she's able - You know the queen of hearts is always your best bet......"
(Songtextzeile)
"Desperado" ist der am 17.04.1973 veröffentlichte, zweite in den Island Studios in London produzierte, Longplayer der EAGLES und zeigt als Konzeptalbum zum ersten Mal die Vorliebe zu einer themenbezogenen Songauswahl.....
.....die zwischen dem Wirken der berüchtigten "Doolin-Dalton-Gang" in US-Bundestaat Kansas des ausgehenden 19. Jahrhunderts einer postulierten Outlawexistenz moderner Rockrebellen romantische Parallelen zu ziehen versucht. In einem typischen Westernszenario werden Aufstieg, Euphorie, Hybris und Fall der Protagonisten intoniert.....
......und auch auf auf dem Albumcover visualisiert. Während auf der Vorderseite die vier Adler (mit Glenn Frey und Don Henley noch hinter den in vorderer Position stehenden Bernie Leadon und Randy Meisner!) als verwegene Gunmen auftreten, gibt es auf der Rückseite ein Foto von Henry Diltzals, das die von Gesetzeshütern zur Strecke gebrachte Band(e) abbildet, der als 5. und 6. Mitglied die Musikerkollegen John Davis Souther und Jackson Brown hinzugelegt wurden......
.....die sich neben Frey und Henley auch als CoWriter für den dreiteiligen "Doolin-Dalton" - Komplex verantwortlich zeichnen. Das Album offenbart einen bedeutenden, zukunftsweisenden Wechsel, bei dem sich Frey/Henley mit fünf Liedern allmählich als Songwriter-Duo herauskristallisieren und daher künftig im Mittelpunkt der Band stehen, die sie (nicht nur musikalisch) dominieren werden. Bei der Ouvertüre des Epos "Doolin-Dalton" (Track 1) teilen sich Henley und Frey den Leadvocalpart. Das von Streichern begleitete "Doolin-Dalton (instrumental)" (7) ist ein kurzes und besinnliches Intermezzo zwischen dem (niemals als Single ausgekoppelten) Titelsong "Desperado" (5) bei dem, neben Henleys Stimme, vor allem Freys Pianospiel zu hören ist und dem aggressiven, von Stuart David Cohen alias David Blue geschriebenen "Outlaw Man", das von Frey gesungen, Platz 9 der US-Singlecharts erreichen wird. Auch "Out of Control" (3), sowie das sentimentale "Tequila Sunrise" (4), welches nur Rang 61 der Charts erreicht, aber dennoch zu einem Klassiker wird, lassen Frey als Leadsänger erkennen.
Bassist Randy Meisner ist als Mitschreiber neben Frey/Henley und Leadvocal lediglich bei "Certain Kind of Fool" (6), sowie dem obligatorischen Dreivierteltakter "Saturday Night" (9) vetreten (der als einziger Titel von allen vier Mitgliedern zusammen geschriebenen wurde!) und bei dem er sich zudem den Sangespart mit Henley teilen muss. Demgegenüber wird offenbar, dass Leadon sein eigenes Ding durchzieht. "Twenty-One" 2) und "Bitter Creek" (10) wurden von ihm alleine geschrieben und komponiert. Zu seinen Leadvocals zeigt er hierbei, und auch bei "Doolin' Dalton", sowie "Saturday Night", einmal mehr seine besonderen Fertigkeiten beim Zupfen von Banjo, Gitarre und Mandoline.
Eine Reprise von "Doolin-Dalton/Desperado" (11) schließt das dramatische Werk ab, das im Hinblick auf den späteren Ausstieg von Leadon (1975) und Meissner (1976) die Frage aufwirft, welche eine fantastische Super-Raubvogelformation beide zusammen mit John David Souther & Jackson Brown (die jedoch beide Frey und Henley näher standen) und einem hochkarätigen Drummer hätten bilden können.....
5 Amazonsterne für ein epochales Werk!