"Desire" aus dem Jahr '75 ist für mich eines der besten Dylan-Alben. Es hebt sich klar von anderen ab, mit einem bemerkenswerten, eigenwilligen musikalischen Ausdruck. Es mischen sich hebräische Anklänge ("One more cup of coffee") mit spanischen ("Romance in Durango", schaurig schnulzig) und beinahe Klagelieder zu nennende Stücke ("Joey", "Sara", begleitet von Akkordeon, Violinen und der bittersüßen Stimme von Emmylou Harris). "Hurricane", klassischer Protestsong, erzählt in acht Minuten die Geschichte des schwarzem Boxers Carter ("...one time he could've been the champion of the world"), der fälschlicherweise eine Mordes angeklagt und verurteilt wird (wahre Geschichte), voller Rotz und Trotz in der Stimme für die "all-white jury", die Carter verurteilt. Wahre Kurzgeschichten sind auch "Isis", "Joey" und "Black Diamond Bay", mit hervorragenden Lyrics, stimmig und rund bis zum Ende erzählt.
Fazit: Vielleicht nicht als erster Griff für Dylan-Einsteiger zu empfehlen, aber wer His Bobness mag, findet hier mal einen etwas anderen Dylan.